Kolumne
Aargau liefert im Sommerloch saure Gurken

Hans Fahrländer war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik. Heute widmet er sich zwei aargauischen Themen, die kürzlich über die Region hinaus gestrahlt haben.

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
Merken
Drucken
Teilen
Saure Gurken – natürlich nur sprichwörtliche – gab es für Funda Yilmaz und für das Aargauer Primarlehrpersonal.

Saure Gurken – natürlich nur sprichwörtliche – gab es für Funda Yilmaz und für das Aargauer Primarlehrpersonal.

Keystone

Bereits zweimal haben im Sommerloch 2017 aargauische Themen für Schlagzeilen weit über die Kantonsgrenzen hinaus gesorgt. Das erste Thema hat es gar zu internationaler Berühmtheit gebracht: Der Einwohnerrat Buchs hat einer hier aufgewachsenen jungen Türkin, die den Staatskundetest fehlerlos bewältigt hat, den roten Pass verweigert. «La réalité surpasse la fiction», sagt der Franzose in einem solchen Fall. Die Fiktion, das wäre der bis heute erfolgreichste Schweizer Film, «Die Schweizermacher» von Rolf Lyssy, entstanden 1978, im Nachgang zu den fremdenfeindlichen Schwarzenbach-Initiativen. Die Realität, welche die Fiktion übertrifft, wäre anderthalb Generationen später dieser bizarre Fall aus Buchs. Für den Vergleich zwischen Realität und Fiktion wiederholt SRF morgen extra diesen Streifen mit Walo Lüönd und Emil.

Weit weniger lustig (gut, für die betroffene Türkin ist der erste Fall auch nicht lustig) ist der zweite Fall. Das Bundesgericht hat ein Urteil des Aargauer Verwaltungsgerichts bestätigt. Demnach ist es (rechtlich) völlig in Ordnung, dass hier die Primarlehrerinnen 10 Prozent weniger verdienen als die übrigen Staatsangestellten mit anforderungsgleichen Aufgaben. Die Richter in Lausanne lotsten das Thema weg vom Gender-Aspekt: Primarlehrpersonen verdienen nicht weniger, weil sie einen typischen Frauenberuf ausüben. Bei den Lehrerlöhnen gibt es, im Gegensatz zu anderen Branchen, schon lange keine Unterschiede nach Geschlecht (mehr). Was aber bei dem Entscheid als Quintessenz unten rauskam und genüsslich in den Medien des ganzen Landes zitiert wurde, ist schon ein wenig bedenklich: Der Aargau darf, ohne rot zu werden, für seine Angestellten zwei verschiedene Lohnsysteme anwenden. Für die Lehrer ein schlechteres. Natürlich, es gibt in der Staatsverwaltung sehr anspruchsvolle Berufe, die zu Recht gut bezahlt werden. Aber der entscheidende Begriff lautet ja «für anforderungsgleiche Arbeit». Im Klartext: Eine Primarlehrerin verdient nicht weniger, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie nur Lehrerin ist.

Beim Kanton ist man grandios erleichtert, dass man die Lehrerinnen (Männer mitgemeint) nun weiterhin schlecht bezahlen darf. Wo man doch sowieso kein Geld in der Kasse hat. Aber irgendetwas ist da in den letzten Jahren und Jahrzehnten falsch gelaufen. Das Ansehen des Berufs sinkt, während die Anforderungen steigen. Affaire à suivre.