Kommentar
Steigende Coronafälle: Warum 2G trotzdem der falsche Weg für die Schweiz wäre

In Österreich gilt vielerorts die 2G-Regel, angesichts rapide steigender Infektionszahlen kommt diese Verschärfung nun auch in der Schweiz aufs Tapet. Was ist davon zu halten?

Sabine Kuster
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Nur noch mit 2G in Restaurants und Clubs?

Nur noch mit 2G in Restaurants und Clubs?

Keystone

Wer hätte gedacht, dass zehn Monate nachdem die ersten Coronaimpfungen verabreicht worden sind, das Land noch einmal nach Massnahmen suchen muss? Etwas Zeit bleibt noch, denn die Spitaleinweisungen steigen nicht so deutlich an, wie man das aufgrund der Fallzahlen inzwischen erwarten könnte. Klar ist: Es haben noch zu viele Schweizerinnen und Schweizer keine Grundimmunität. Und diese werden nun durchseucht. Dass die Spitäler bald wieder an ihre Grenzen kommen, ist deshalb wahrscheinlich.

Maskentragen, Homeoffice, Treffen nur in kleinen Gruppen in Innenräumen – diese wirksamen Massnahmen gäbe es. Leider kann man sie schwerlich nur den einen (ungeimpften) verordnen.

2G wird es aber nicht richten – wenn also nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu Veranstaltungen und in Restaurants hätten. Es nützt zu wenig: Frisch getestete Personen sind in einem Raum kaum gefährlicher als geimpfte. Zumal die unzuverlässigen Nasenabstriche ab Montag verboten sind.

Nicht einmal die Durchseuchung würde damit deutlich genug abgebremst, weil sich die Ungeimpften weiter in den Familien, beim Einkaufen oder auf der Arbeit anstecken.

2G erhöht primär den Druck sich impfen zu lassen. Aber es gibt keine Anzeichen, dass sich noch besonders viele Impfzögerer umstimmen lassen. Dass die Tests kostenpflichtig wurden, hat auch nicht viele beeindruckt. Und selbst wer sich wegen 2G dann impfen lassen würde, wäre angesichts der hohen Fallzahlen und bis die Immunität aufgebaut ist, zu spät dran.

Wenn der Bundesrat 2G trotzdem einführt, dann sollte er dies nicht als Massnahme zu mehr Schutz bei Veranstaltungen oder in Restaurants anpreisen. Sondern ehrlich deklarieren, worum es geht: Dass man nach fast einem Jahr impfen kein Verständnis mehr für all jene hat, die das Ende der Pandemie hinauszögern, weil sie sich der effektivsten Massnahme verweigern.

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