Kommentar
Her mit dem Alkohol bei der Migros!

Nächstes Jahr kommt es zu Urabstimmungen in den Genossenschaften. Die Mitglieder sollten den alten Zopf abschneiden und dem Alkoholverkauf zustimmen.

Maurizio Minetti
Maurizio Minetti
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Brot, Gemüse und Milch in der Migros, Bier, Cognac und Wein im Denner: So geht es vielen Kundinnen und Kunden auf ihrer Einkaufstour. Nun könnte die Migros aber ab 2023 alkoholische Getränke ins Sortiment aufnehmen und damit eine Jahrzehnte alte Tradition über Bord werfen. Jede regionale Genossenschaft darf für sich entscheiden, ob sie das von Migros-Patron Gottlieb Duttweiler eingeführte Alkoholverbot aufheben will oder nicht.

Dabei verkauft die Migros heute schon Alkohol über die eigenen Gesellschaften Denner, Migrolino oder auch über den eigenen Onlineshop. Es gibt denn auch kaum stringente Argumente für das Alkoholverbot in den traditionellen Migros-Filialen. Das vordergründig nachvollziehbarste Argument lautet, dass trockene Alkoholiker künftig in den Migros-Filialen in Versuchung geraten könnten, während sie heute ja gefahrlos dort einkaufen können. Bedürftigen kann man Migros-Gutscheine geben, weil man so sicher sein kann, dass sie dort nicht zur Flasche greifen. Doch das Alkoholiker-Argument verfängt kaum. Wer will, kann heute schon in den Denner oder in einen anderen Laden. Und wer Gutscheine austeilt, kann diese so gestalten, dass damit der Alkoholkauf nicht möglich ist.

Es ist Zeit, mit der Heuchelei aufzuhören. Die Migros soll Alkohol ins Sortiment aufnehmen, wenn sie das will. Kundinnen und Kunden können frei darüber entscheiden, was sie einkaufen möchten.

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