Kommentar
Frauen, interessiert euch fürs Geld!

Ein Kommentar von Bundeshaus-Redaktorin Doris Kleck über die vom Bundesgericht beerdigte «45er-Regel» und weitere Beschlüsse, welche die Gleichstellung der Geschlechter vorantreiben.

Doris Kleck
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Ehefrauen sind gut beraten, sich um ihre finanziellen Belange zu kümmern. (Symbolbild)

Ehefrauen sind gut beraten, sich um ihre finanziellen Belange zu kümmern. (Symbolbild)

Keystone

«Emanzipiert euch. Oder heiratet!»– diese Losung hat ausgedient. Salopp gesagt: Das Bundesgericht treibt die Gleichstellung entschieden voran. Mit einer Reihe von Entscheiden haben die Lausanner Richter den Schutz von geschiedenen Frauen gesenkt oder, um es positiv zu formulieren, deren Eigenverantwortung gestärkt.

So haben die Richter die 45-Regel gekippt: Wenn eine Frau nicht berufstätig und bei der Scheidung schon 45 Jahre alt war, haben ihr die Gerichte bis anhin den Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht mehr zugemutet. Ähnliches galt, wenn eine Hausfrau mindestens zehn Jahre verheiratet war. Mit diesen starren Regeln ist nun Schluss. Das heisst: Männer müssen ihren Ex-Frauen weniger bezahlen.

Ehefrauen sind gut beraten, sich um ihre finanziellen Belange zu kümmern. Was bedeutet es, das Arbeitspensum nach der Geburt der Kinder zu reduzieren? Für die eigene Karriere und die Lohnentwicklung, die Altersvorsorge– oder auch für den Fall einer Scheidung? Wenn die Urteile dazu führen, dass Frauen sich diese Fragen bewusst stellen, dann ist viel gewonnen.

Allerdings ist die Realität komplexer. Ehepaare sind eine Wirtschaftsgemeinschaft, sie entscheiden gemeinsam, wie sie Familienarbeit und Beruf aufteilen. Diese Aufteilung ist nur selten paritätisch – und es sind zumeist die Frauen, die ihren Männern den Rücken freihalten. Um es etwas salopp zu sagen. Gleichstellung beginnt nicht erst nach der Trennung.