Kommentar
Entspannung in Massen als Vorsorge gegen ein böses Erwachen

Mit den Corona-Lockerungen zieht es vermehrt Menschen nach draussen, um sich zu treffen oder für einen Restaurantbesuch. Man sollte sich jetzt in Massen entspannen, meint der Autor.

Balz Bruder
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Die Menschen geniessen wieder vermehrt Besuche in Restaurants und Cafés.

Die Menschen geniessen wieder vermehrt Besuche in Restaurants und Cafés.

Francis Joseph Dean/Dean Picture / www.imago-images.de

Ob es sinnvoll ist, die Covid-Mutanten nach ihrem Herkunftsland zu bezeichnen, ist eine Frage für sich. Wahrscheinlich wäre es gescheiter, chronologisch griechische Buchstaben zu verwenden. Virus-Stigmatisierung muss nun wirklich nicht sein. Unabhängig davon, ob die Varianten des Virus aus Indien oder von anderswo kommen, steht aber vor allem fest: Sie müssen uns beschäftigen. Gerade in der Woche, da wir uns in neuen alten Freiheiten bewegen.

Ohne jemandem die Lust am unbeschwerteren Leben vergällen zu wollen: Nationale Befindlichkeiten sind in Zeiten einer globalen Pandemie vergleichsweise vernachlässigbar. Zur Illustration: Bereits jede zweite Infektion in Grossbritannien ist auf die indische Variante zurückzuführen. Und, erinnern wir uns: Woher kamen im Winter die Skitouristen, welche die britische Mutante einführten? Eben.

Einstweilen beruhigend immerhin ist dies: Die gängigen Impfstoffe wirken nach ersten Erkenntnissen auch gegen die indische Mutante. Deshalb ist klarer als je zuvor: Das Tempo bei der Impfung jener, die das aus freien Stücken wollen (und von solchen, für die es in ihrer exponierten beruflichen Situation schlicht ein Gebot der Stunde ist), muss hoch gehalten werden. Nur so haben wir eine Chance, nach einem mehr oder weniger unbeschwerten Sommer mit kalkuliertem Risiko in den Herbst zu gehen. Deshalb: Entspannung in Ehren, aber in Massen, sonst kommt das böse Erwachen früher, als uns lieb ist.