Kommentar
Die Betreuung von Geflüchteten ist ein asylpolitischer Missstand

Immer mehr Gemeinden nehmen die Asylbetreuung selbst in Hand, weil ihnen das Gebaren von Drittanbietern ein Dorn im Auge ist.

Nina Fargahi
Nina Fargahi
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Szene vor dem Bundesasylzentrum in Boudry.

Szene vor dem Bundesasylzentrum in Boudry.

Keystone

Es ist Sinn und Zweck des Asylwesens, die hier aufgenommenen Menschen in die Gesellschaft zu integrieren. Doch die derzeitige Praxis birgt Anreizfehler: Asylbetreuungsunternehmen wie die ORS, die AOZ oder Convalere erhalten für jede Person, die sie betreuen, eine sogenannte Fallpauschale vom Bund.

Für die Unternehmen besteht daher ein finanzieller Anreiz, diese Personen möglichst lange zu betreuen und nicht in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das kann sich aber rächen, wie viele Gemeinden einsehen mussten.

Die Bundesbeiträge laufen nämlich nach sieben Jahren aus. Und je länger zugewartet wird, desto schwieriger gestaltet sich die Integration in den Arbeitsmarkt. Wenn Asylsuchende nach sieben Jahren noch nicht integriert sind, werden sie zu Sozialhilfe-Bezügern. Diese Kosten tragen dann die Gemeinden.

Das ist ein Missstand, der nicht nur dem Steuerzahler viel Geld kostet. Den Geflüchteten raubt dies Zeit und Perspektiven, denn es ist eine längst bekannte Tatsache, dass die allermeisten von ihnen dauerhaft in der Schweiz bleiben. Nur die Drittanbieter profitieren davon. So erzielt zum Beispiel die Firma ORS einen Millionen-Gewinn und macht hierzulande einen Umsatz von 87,8 Millionen Franken.

Zu Recht beschliessen daher immer mehr Gemeinden, das Asylwesen selbst in die Hand zu nehmen. Und dies mit Erfolg. Es ist für das lokale Gewerbe, die Kommunen, die dort lebenden Menschen nur von Vorteil, wenn sich alle, die können, möglichst bald auch beruflich einbringen. Eigentlich eine Binsenwahrheit, die im Asylwesen leider oft in Vergessenheit gerät.