Katholische Kirche
Nach Wahl eines «Brückenbauers»: Ein päpstlicher Wink nach Chur

Papst Franziskus hat Joseph Maria Bonnemain zum neuen Bischof ernannt. Wird das Bistum Chur fortan bei Themen wie Frauenrechte, Homosexualität oder Zölibat einen neuen Kurs fahren?

Nina Fargahi
Nina Fargahi
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Joseph Bonnemain ist der neue Churer Oberhirte. Wird er nun für Ruhe sorgen im zerstrittenen Bistum?

Joseph Bonnemain ist der neue Churer Oberhirte. Wird er nun für Ruhe sorgen im zerstrittenen Bistum?

Bild: Keystone

Es ist ein deutlicher Fingerzeig vom Vatikan an das Bistum Chur. Papst Franziskus hat Joseph Maria Bonnemain zum neuen Bischof ernannt – in Eigenregie. Das Domkapitel, also das Leitungsorgan der Bischofskirche, verzichtete aus Protest gegen die gemässigten Kandidaten auf sein Wahlrecht. Ein Eklat, der den Papst zutiefst irritiert hatte. Das Bistum in Chur fuhr unter dem Vorgänger Vitus Huonder einen erzkonservativen Kurs, der die Kantonalkirchen erzürnte.

Nun soll also Ruhe einkehren im Bistum Chur, heilige Ruhe, gewissermassen. Denn Bonnemain – nomen est omen – hat ein gutes Händchen für die Diplomatie. Er gilt als Brückenbauer zwischen der Bistumsleitung und den Kantonalkirchen. Und hört man sich um, so erfährt man, dass er diese Arbeit mit viel Fingerspitzengefühl verrichtet. Er hat sich auch ins Zeug gelegt, um die sexuellen Übergriffe in der Kirche aufzuarbeiten und aufzuklären. Er scheint eine integrative Persönlichkeit zu sein, ein Macher, der als Spitalseelsorger nah bei den Menschen wirkt. Ein Vermittler, der die traditionellen und die konservativen Lager vielleicht zu einen vermag, die sich in letzter Zeit immer offener quer lagen. Das erhofft sich jedenfalls der Vatikan mit der neuen Personalie. Also ein Sieg für die liberalen Bistümer? Obwohl Bonnemain als gemässigt erscheint, ist er Mitglied des konservativen Ordens Opus Dei. Es bleibt also spannend: Welche Haltung wird das Bistum Chur unter Bonnemain einnehmen bei Themen wie Abtreibung, Frauenrechte oder Zölibat?