Kampf um Kulturmillionen

Die Nachricht: Das Opernhaus Zürich verliert Sponsoren, während das Lucerne Festival blüht. Doch der Tod des Festivalmagneten Claudio Abbado erschüttert es.

Christian Berzins
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Der Kommentar: Der Teufel scheisst immer auf den grössten Haufen, sagt der Volksmund verächtlich. Auch Lucerne Festival bekommt die Worte immer wieder zu hören. Der Teufel ist der Grosssponsor, der seine Kunden im Parkett unterbringt und den Normalsterblichen die Karten wegnimmt. Aus solchen Worten spricht Neid, denn ohne Sponsoren läuft selbst in hochsubventionierten Kulturbetrieben nichts mehr (das Lucerne Festival erhält bloss
4 Prozent Subventionen).
Das Lucerne Festival kam locker über die Wirtschaftskrisenjahre hinweg. Das Opernhaus Zürich hingegen verlor in den letzten fünf Jahren mehr als ein Drittel seiner Sponsorengelder, ist mittlerweile auf 7,6 Millionen Franken abgesackt. Lucerne zählt 8,6 Millionen, dazu kommt Geld von den «Freunden» und Marketing-Einnahmen – zusammen 12,8 Millionen für kaum neun Wochen Festspielbetrieb.
Der Luzern-Boom begann mit der Intendanz von Michael Haefliger. Er erkannte das Potenzial des KKL, füllte es mit Inhalten. Er merkte, dass es nicht nur die Besten braucht, sondern weltweite Einzigartigkeiten, etwa das teure Lucerne Festival Orchestra von Claudio Abbado. Der Tod Abbados am 15. Januar erschütterte das Festival. Das April-Konzert von Claudio Abbado wurde gestrichen, im Sommer hat man für vier Konzerte Andris Nelsons als Ersatz engagiert – das fünfte Abbado-Konzert aber kann der Vielbeschäftigte nicht leiten. Die Frage nach dem Nachfolger Abbados ist weit mehr als ein künstlerischer Entscheid: Die Einzigartigkeit will bewahrt bleiben, die Sponsorengemeinde weiterhin verwöhnt werden. Ein Millionenspiel mit unsicherem Ausgang. Haefliger ist gefordert.
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