Kommentar
Die Schweiz hat mehr Tote, Deutschland weniger Lebensqualität: Wer hat die Krise besser gemeistert?

Wie stark darf man das Leben einschränken, um Coronatote zu minimieren?

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Wie mit den Folgen der bösen Viren umgehen?

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HO

Die Würde des Menschen ist unantastbar. So lautet ein ethischer Grundsatz, der auf ähnliche Weise auch in der Verfassung steht. Die Schweiz hat zur Bekämpfung der Pandemie weit weniger drastische Massnahmen durchgesetzt als Deutschland. Und in Relation zu ihrer Bevölkerungszahl mehr Todesopfer beklagt (118 pro 100 000 Einwohner) als Deutschland (106 pro 100'000 Einwohner). Hat die Schweiz zu wenig gemacht?

Nein. Zur Würde des Menschen gehört auch, dass jedes Leben für sich genommen unendlichen Wert hat, dass man Leben also nicht miteinander verrechnen kann. Natürlich ist es besser, wenn weniger Menschen (an Corona) sterben. Allerdings sollen nicht nur die Todesfälle, sondern die Lebensqualität aller Menschen berücksichtigt werden. Dass in der Schweiz Kinder schneller wieder in die Schule durften, Kulturbetriebe früher wieder öffnen konnten, freiheitsberaubende Massnahmen rascher gelockert wurden, waren wichtige Schritte, um das Leiden der Menschen unter den Massnahmen der Pandemie zu reduzieren.

Eine Formel, die uns sagt, wie gross die Lockerungen sein dürfen, wie viele Todesfälle verkraftbar sind, gibt es nicht. Letztlich ist es eben doch ein Abwägen. Je länger die Pandemie dauert, desto klarer wird: Wir müssen zu einem Normalzustand zurückkehren. Und dabei ein gewisses Risiko in Kauf nehmen. Denn ein permanenter Lockdown, um jedes Menschenleben zu schützen, ist keine Möglichkeit.