Viel Ehre für Muriel Pestalozzi, die Ende letzter Woche für den jährlichen «Prix Courage» des Magazins Beobachter nominiert worden ist. Viel Ehre für Muriel Pestalozzi, die Ende letzter Woche für den jährlichen «Prix Courage» des Magazins Beobachter nominiert worden ist (die Limmattaler Zeitung berichtete). Die Dietikerin, die erst jetzt mit ihrem Namen an die Öffentlichkeit tritt, wurde als eine der beiden Whistleblowerinnen im Zusammenhang mit der Causa Leimgrübler bekannt. Die beiden Frauen brachten diese ins Rollen, weil sie die kantonale Ombudsstelle im Sommer 2015 auf Missstände im Dietiker Statthalteramt aufmerksam machten. Es folgte eine lange und mittlerweile gemeinhin bekannte Geschichte, die den Statthalter Adrian Leimgrübler seine Stelle kostete. Das Verwaltungsgericht befand später, Leimgrübler hätte nicht fristlos entlassen werden dürfen, stellte aber auch diverse Pflichtverletzungen fest. Nun soll Pestalozzi als «Heldin des Alltags» für ihre couragierte Art geehrt werden.


Etwas vergessen geht dabei die zweite Whistleblowerin. Zwar wird Géraldine Pierrehumbert auf der «Beobachter»-Website in Pestalozzis Nominationstext einmal namentlich genannt. Dabei bleibt aber offen, ob die Zeitschrift ihr Verhalten allenfalls für weniger ehrenwert hält.

Sie will sich nicht exponieren

Dem sei ganz und gar nicht so, sagt ihr Anwalt Adrian Strütt: «Der ‹Beobachter› wollte meine Mandantin ebenfalls nominieren. Sie hat jedoch auf die Nomination verzichtet, weil sie es als zu heikel erachtet, sich zu sehr zu exponieren.» Andres Büchi, Chefredaktor des «Beobachters», bestätigt auf Anfrage, dass Géraldine Pierrehumbert ebenfalls hätte für den «Prix Courage» nominiert werden sollen. Dass sie abgelehnt habe, respektiere man aber selbstverständlich. Doch Muriel Pestalozzi stehe auch stellvertretend für den ganzen Fall.
Auch Strütt sagt, es sei verständlich, dass seine Mandantin, die – im Gegensatz zu Pestalozzi – nach wie vor eine Angestellte des Kantons sei, die Öffentlichkeit nicht suche. Doch sie hätte die Nomination ebenfalls verdient, sagt der Anwalt.

«Es ist ein Skandal»

Pierrehumbert leide noch immer sehr unter den Folgen der Geschichte, so Strütt. Seine Mandantin habe ihre Stelle aufgeben müssen und arbeite nun in einer befristeten Stelle, die sie selber gefunden habe. Doch diese laufe aus, ihre Zukunft sei ungewiss und von der Justizdirektion werde sie nicht genügend unterstützt: «Es ist ein Skandal», so Strütt, «dass Menschen, die sich absolut korrekt verhalten, am Schluss massiv negative Konsequenzen tragen müssen.» Seine Mandantin habe nur ihre Pflicht getan: Er weist darauf hin, dass sie als kantonale Angestellte sogar gesetzlich verpflichtet gewesen sei, Missstände zu melden. Dies habe sie richtigerweise getan.

Anzeige löst keine Hektik aus

Dass der frühere Statthalter und Vorgesetzte der beiden Whistleblowerinnen, Adrian Leimgrübler, seine Mandantin nun wegen falscher Anschuldigung anzeigen wolle, nehme man zur Kenntnis, so Strütt. Der Anzeige rechne er aber keinerlei Chancen aus: «Einem allfälligen Strafverfahren blicken wir äusserst gelassen entgegen.»