Aesch

Zum Start gab es fünf obligatorische Schiessübungen

Der Feldschützenverein Aesch feiert dieses Jahr seinen 125. Geburtstag. Bis heute ist er auf und neben dem Schiessstand äusserst aktiv. Aus dem Dorfleben ist der Verein ängst nicht mehr wegzudenken.

Es war ein rauschender Empfang. Zur Begrüssung gab es Böllerschüsse. Mit Ross und Wagen ging es durchs Dorf. Der Knabenverein offerierte einen Ehrentrunk, ebenso der vollständig anwesende Gemeinderat. Auf dem Wagen hatten auch zwei Handharmonikaspieler und ein Trompeter Platz genommen und sorgten für den musikalischen Rahmen an diesem Freudentag.
Wenige Stunden zuvor hatten die Schützen aus Aesch im Zürcher Albisgüetli ihren goldenen Kranz in Empfang nehmen können. Der Festumzug durch die Gemeinde an diesem Sommertag im Jahr 1963 war der wohlverdiente Lohn für eine aussergewöhnliche Leistung. Zum ersten Mal überhaupt in seiner damals 68-jährigen Geschichte hatte der Feldschützenverein Aesch an einem Eidgenössischen Schützenfest teilgenommen und dabei gleich ein sensationelles Resultat erzielt.

17 Schützen legen 1895 den Grundstein

Grund zum Feiern gibt es auch dieses Jahr. Die Feldschützen begehen ihren 125. Geburtstag. Die Gründung des Vereins fällt in eine Zeit, in der in der ganzen Schweiz Schützenstände errichtet werden. Denn mit der Militärorganisation von 1874 wurden die Gesetzgebung über das Heerwesen dem Bund übertragen und auch die ausserdienstliche Schiesspflicht durchgesetzt. Mit der Durchführung der Schiessübungen wurden die Schützenvereine betraut.

1895 beschliessen schliesslich 17 Aescher fünf obligatorische, den militärischen Vorschriften entsprechende, Schiessübungen zu lancieren, wie Roger Müller, Aktuar des Feldschützenvereins Aesch in seiner Chronik «125 Jahre FSV Aesch» schreibt. «Die Gruppe gab sich klare Statuten für eine straffe Führung des Schiessbetriebes und für Sanktionen gegen fehlbare Mitglieder», heisst es dort. Erster Präsident ist Jakob Suter und erster Aktuar der ehemalige Aescher Schullehrer Adolf Esslinger.
Neben den obligatorischen Schiessübungen organisieren die Feldschützen schon bald Freundschaftsschiessen mit benachbarten Vereinen. Allerdings folgen mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 bereits schwierige Jahre. Das Vereinsleben wird stark beeinträchtigt. Auch die Maul- und Klauenseuche im Jahr 1920 schränkt das Vereinsleben stark ein, wie der Festzeitung zum Jubiläumsschiessen anlässlich des 75. Geburtstags des Vereins zu entnehmen ist. Dennoch kann in diesem Jahr der von der Gemeinde Aesch erstellte Scheibenstand mit vier Zugscheiben am heutigen Standort in Betrieb genommen werden.

Im Oktober 1922 beschliesst die Vereinsversammlung dann den Bau eines Schützenhauses auf Vereinskosten. Die Mitglieder verpflichten sich zu Frondienstleistungen und die Holzkorporation zur Gratislieferung des Holzes. Ergänzend dazu beschliesst die Gemeindeversammlung im Januar 1923 die Erstellung einer Telefonverbindung zwischen Schützenhaus und Scheibenstand. Im Mai des selben Jahres kann im neuen Daheim zum ersten Mal geschossen werden. Auch Freundschaftsschiessen werden nun wieder häufiger durchgeführt. Etwa jenes mit den Schützen aus Arni, das am 7. Oktober 1923 über die Bühne geht. Gekämpft wurde dabei um ein Nachtessen, wie es in der Festzeitung zum 75. Geburtstag heisst. Die bessere Mannschaft bezahlt dabei einen Drittel, die schlechtere Zweidrittel des Essens.

Unentschuldigtes Fernbleiben kostet 50 Rappen

Der Jahresbeitrag beträgt in jenen Jahren einen Franken. Für zu spätes Erscheinen an Schiessübungen hat der Fehlbare 25 Rappen zu entrichten. Wer gar nicht auftaucht und sich dafür nicht vorgängig schriftlich entschuldigt hat, muss 50 Rappen in die Vereinskasse einzahlen.

Mit dem Zweiten Weltkrieg folgt erneut eine Zeit, in der das Vereinsleben fast zum Stillstand kommt. Danach geht es dafür umso erfreulicher weiter. Der Verein ist aus dem Dorfleben längst nicht mehr wegzudenken. Anlässlich der Schulhauseinweihung im Jahr 1953 betreibt er zusammen mit dem gemischten Chor die Festwirtschaft und erhält von allen Seiten viel Lob.

Auch im Verein selber tut sich in jenen Jahren einiges. 1959 genehmigt die Militärdirektion des Kantons Zürich die Erweiterung des Scheibenstandes auf acht Zugscheiben. Im gleichen Jahr beschliesst die Generalversammlung die Erneuerung der Schiessanlage und den Bau eines neuen Schützenhauses. Dessen Eröffnung wird 1960 mit einem Standeinweihungsschiessen gefeiert.

Fünf Jahre später steht bereits der nächste Grossanlass vor der Tür. Dies, weil die Aescher Feldschützen anlässlich des Eidgenössischen Schützenfestes 1963 beschlossen hatten, sich eine Standarte anzuschaffen. Zwei Jahre später wird dieses Ereignis mit einem mehrtägigen Standartenwettschiessen gefeiert. Zwischen dem 26. Juni und dem 4. Juli 1965 finden 1897 Schützen den Weg in das 378 Einwohner zählende Dorf. «Während sieben Tagen sah man in Aesch Autonummern beinahe aller Kantone. Für das ruhige Bauerndorf ein ungewohntes Bild», heisst es in einem Zeitungsbericht. Der Aufmarsch der Schützen ist derart gross, dass an einigen Tagen noch auf den Schiessplätzen der benachbarten Gemeinden Arni und Islisberg geschossen werden muss. 48189 Schüsse werden während des Festes abgegeben. Der Gabentisch ist reichhaltig. Unter den Naturalgaben finden sich unter anderem zwei prächtige Tannen aus den Aescher Wäldern, ein Motorrasenmäher und eine goldene Uhr.
Auch zum 75-Jahr-Jubiläum findet sich eine stattliche Anzahl Schützen in Aesch ein. 1400 sind es dieses Mal. Und auch die Bevölkerung lässt sich das Fest nicht entgehen. «Auch die nichtschiessenden Besucher erschienen in derartigen Scharen, dass sie das 1200-plätzige Festzelt nicht zu fassen vermochte», heisst es in einem Zeitungsbericht. Diejenigen, die Einlass finden, erfreuen sich einer Unterhaltungsrevue der Dorfvereine und anderer Gruppen die unter dem Motto «Aesch: – gestern – heute – morgen» steht.

Bereits 1978 feiert der Feldschützenverein wieder ein grosses Schützenfest. Auch in den folgenden Jahren bleibt er aktiv – im und neben dem Schiessstand. Und er verzeichnet auch weiterhin sportliche Erfolge. Etwa am Zürcher Kantonalen Schützenfest im Bezirk Dielsdorf 1992. Dort belegen die Aescher Schützen in der 3. Kategorie in einem Teilnehmerfeld von rund 150 Sektionen den 3. Rang.

Zum 100. Geburtstag gibt es eine Schützenstube

Ein besonderes Ereignis in der langen Geschichte der Feldschützen steht 1995 an. Mit einem grossen Schützenfest und einem Dorffest wird der 100. Geburtstag begangen. Bereits in Betrieb ist damals die Schützenstube, die sich der Verein zum grossen Jubiläum selber schenkte. Sie bietet Platz für 55 Personen und wurde von den Vereinsmitgliedern in Fronarbeit im Keller des Schützenhauses eingerichtet. Dieses wird 2014 teilsaniert. Unter anderem werden eine neue Trefferanzeige mit Zuschauermonitoren installiert, und die sanitären Einrichtungen erneuert.

Auch beim Schiesswesen tut sich seit dem 100. Geburtstag einiges. Seit 2004 wird allen Schützen am Feldschiessen eine Bratwurst gratis abgegeben. 2011 wird das Frühlingsschiessen für die Aescher Bevölkerung eingeführt, das letztes Jahr mit 51 Schützen einen neuen Teilnehmerrekord verzeichnet. 2018 gehört der Feldschützenverein Aesch überdies zu den Trägervereinen des Zürcher Kantonalschützenfests, das im Limmattal stattfindet. Im Sektionsstich erzielen die Aescher von allen Trägervereinen mit 91,4 Punkten das beste Resultat und erreichen von insgesamt 65 Vereinen den 17. Schlussrang.

Gut läuft es auch im letzten Jahr. Seit langem wieder einmal nimmt eine fünfer Gruppe an der Schweizer Gruppenmeisterschaft teil. Sie erreicht auf Anhieb die 3. Hauptrunde. Den Final verpasst sie dann aber um lediglich zwei Punkte. Zudem gibt es 2019 eine Premiere zu feiern. Zum aller ersten Mal erreicht mit Patrick Eichta ein Vereinsmitglied an der Schweizermeisterschaft 300 Meter, Sturmgewehr 57/03, Liegendmatch, das Final. Er belegt den 20. Schlussrang. Immer wieder erfolgreich ist auch der Nachwuchs. Etwa 2011 als am Jungschützen-Wettschiessen in Schwamendingen 10 der 14 Jugendlichen der Aescher Feldschützen das Kranzabzeichen schiessen.
Wie gut der Verein im Schuss und beim Organisieren von Grossanlässen ist, wird er nächstes Jahr unter Beweis stellen. Dann wird das für 2020 geplante Jubiläumsschiessen durchgeführt.

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