Partnerschaft
Zürich trifft sich jetzt auch mit Seoul

Die Schweiz hat das Ziel, engere Kontakte zu asiatischen Wirtschaftsstandorten zu knüpfen. Nun kooperieren sie mit der südkoreanischen Wirtschaftsmetropole Seoul. Gestern war der Bürgermeister Park Won Woon auf Besuch.

Matthias Scharrer
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er Zürcher Regierungspräsident Thomas Heiniger mit Seouls Bürgermeister Park Won Soon und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh nach der gestrigen Memorandums-Unterzeichnung.

er Zürcher Regierungspräsident Thomas Heiniger mit Seouls Bürgermeister Park Won Soon und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh nach der gestrigen Memorandums-Unterzeichnung.

Carmen Walker Späh (FDP) reichte Park Won Soon ein Schoggitäfeli: «Swiss Chocolate», sagte die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin zum Bürgermeister von Seoul und lächelte. Wenig später unterzeichneten der Zürcher Regierungspräsident Thomas Heiniger (FDP) und Park Won Soon gestern ein «Memorandum of Understanding». Es soll die verstärkte Zusammenarbeit der beiden Wirtschaftsmetropolen besiegeln. Konkret geht es um die Bereiche E-Government, Wissenschaft, innovative Technologien sowie Kultur und Tourismus.

Zürich setzt damit sein Streben nach engeren Kontakten mit aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsstandorten fort. Ähnliche Partnerschaften gibt es bereits mit Chongqing und Guangdong in China sowie mit der indischen Region Andhra Pradesh. Nach konkreten Resultaten gefragt, verwies Walker Späh auf die unlängst erfolgten Niederlassungen zweier chinesischer Grossbanken in Zürich. Auch in der Forschungszusammenarbeit habe man Fortschritte gemacht.

Hightech als Gemeinsamkeit

Jetzt also Seoul. Dass nun Südkorea zum Zug kommt, ist eine Premiere, wie Walker Späh auf Anfrage sagte. Der Wirtschaftsraum um die Hauptstadt umfasst 25 Millionen Einwohner. Die Wahl für ein neues Abkommen fiel laut Walker Späh auf Seoul, weil es sich um eine Region handelt, die besonders im Hightech-Bereich stark ist. «Zürich und Seoul haben Kompetenzen im Life-Science-Bereich», betonte die Volkswirtschaftsdirektorin. Das Zusammenrücken könne etwa Zürcher Start-up-Firmen aus der Biotech-Branche nützen, die auf Investorensuche seien. Ebenso nannte sie in Zürich ansässige Firmen wie Google, IBM, Disney Research sowie die Banken und Versicherungen als mögliche Nutzniesser der verstärkten Zusammenarbeit.

Auch beim Bemühen, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben, soll die Partnerschaft dienlich sein, wie der scheidende Zürcher Gesundheitsdirektor Heiniger erwähnte.

Park Won Soon, der vor seiner 2011 erfolgten Wahl zum Bürgermeister von Seoul als Menschenrechtsaktivist wirkte, verwies auf die Themen Umwelt und Smart City, bei denen Zürich stark und für Seoul interessant sei. Und darauf, dass Bundesrat Johann Schneider-Ammann (FDP) bei seinem Besuch in Korea unlängst die Ehrenbürgerschaft von Seoul erhielt. Ausserdem nannte er die ETH Zürich als wichtigen Grund für die Partnerschaft.

Bei der gestrigen Unterzeichnung des Abkommens waren auch Vertreter der Zürcher Hochschulen zugegen. Uni-Vizepräsident Christian Schwarzenegger sagte: «Wir haben bis jetzt keinen Lehrstuhl für koreanische Sprache und Kultur. Das ist ein Projekt, an dem wir arbeiten.» ETH-Vizepräsident Gisbert Schneider nannte Digital Health und Computer-Technologie als Schwerpunkte für die verstärkte Zusammenarbeit. «Wir sind daran interessiert, die guten zu sehr guten Beziehungen wachsen zu lassen.» Schneider forscht an der ETH Zürich auf dem Gebiet des computergestützten Medikamentedesigns.

Ein weiteres Projekt ist das Festival «Zurich meets Seoul», das in einem Jahr in der südkoreanischen Hauptstadt stattfindet. Dabei werden sich der Kanton Zürich, die Städte Zürich und Winterthur, die Zürcher Hochschulen und Zürich Tourismus in Seoul präsentieren.

Im Rahmen der Reihe «Zürich meets ...» fanden bereits Festivals in New York, London und Hongkong statt. Die nächste Ausgabe beginnt in gut zwei Wochen in San Francisco.

Dass neben den Kontakten auf Bundesebene auch der Kanton Zürich Partnerschaften im asiatischen Raum eingeht, ist für Walker Späh folgerichtig: «Zürich muss sein eigenes Süppchen kochen, um die Schweiz als Land zu unterstützen.» Schliesslich sei Zürich der wichtigste Wirtschaftsraum des Landes. Die dreissigköpfige Delegation um den Bürgermeister von Seoul weilt bis heute in der Schweiz.

Nach der Unterzeichnung des Memorandums besuchte sie gestern noch das Blockchain-Zentrum Trust Square an der Bahnhofstrasse in Zürich, wo über 40 Jungunternehmen und Forschungsprojekte an konkreten Anwendungen der Blockchain-Technologie arbeiten, wie der Zürcher Regierungsrat in einer Mitteilung schrieb.

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