Festival
Zürich tischt gross auf – und wandelt sich zum Food-Mekka

Zürich Tourismus will die Stadt als Food-Destination positionieren: Mit einem Festival, an dem Stars aus der Gastroszene auftreten, Asylsuchende kochen und eine der grössten Untergrund-Küchen Europas die Tür öffnet.

Heinz Zürcher
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Das Street Food Festival am Puls 5 im Februar 2015 lockte viele Besucher an.

Das Street Food Festival am Puls 5 im Februar 2015 lockte viele Besucher an.

Keystone

Die Stadt Zürich hat bereits das Street-Food-, das Il-Tavolo- und das Epicure-Festival im Dolder Grand. «Und sie hat die höchste Dichte an Gault-Millau-Punkten pro Einwohner», sagt der Zürcher Tourismusdirektor Martin Sturzenegger. Nur wüssten das im Ausland die wenigsten.

Über 90 Anlässe an elf Tagen

Deshalb will die Marketingorganisation die Festivals unter einem Dach vereinen und Zürich mittelfristig national und international als innovative Food-Destination positionieren – mit einem Namen, der sich offenbar besser vermarkten lässt. Food Zurich heisst der neue Verein, der von Sturzenegger präsidiert wird und mit einem elf-tägigen Festival seinen Einstand feiert.

Vom 8. bis 18. September soll Zürich zur Food-Hauptstadt werden: Mit über 90 Anlässen und einer Fülle von gastronomischen Angeboten. Gestern hat die Organisation in der Markthalle im Zürcher Viadukt das Menü des Festivals präsentiert. Auf der Karte stehen unter anderem: Vegane Kochkunst des US-Starkochs Tal Ronnen; Kochen und Backen mit Blut; Spezialitäten aus der Gastregion Baskenland; Junge Migranten und Asylsuchende, die Gerichte aus ihren Heimatländern auftischen; ein sportliches Programm mit drei Drei-Gängern in drei verschiedenen Lokalen; ein Wohnhaus, das zu vier Restaurants und einer Bar umfunktioniert wird; eine Reise mit einem Guerilla-Gärtner durch die Zürcher Pflanzenwelt; eine Führung durch den Produktionsbetrieb der Candrian Catering AG am Hauptbahnhof – eine der grössten unterirdischen Küchen Europas.

Für das Konzept haben sich die Organisatoren von vergleichbaren Events in Kopenhagen und Berlin inspirieren lassen. Etwa von der Idee, die Veranstaltungen nicht an einem Ort zu konzentrieren, sondern sie über die ganze Stadt und die Grenzen hinaus zu verteilen. Alleine an der Chabis-Aktion beteiligen sich über 60 Zürcher Restaurants. Das Herbstgemüse wird in jedem der Lokale anders zubereitet, von traditionell bis exotisch.

Imbissbuden oder Fast-Food-Ketten fehlen auf dem Programm. «Wir wollen keinen Billig-Food», sagt Sturzenegger. «Wir kuratieren das Festival, haben mit den Interessenten Gespräche geführt und allenfalls Konzepte überarbeitet.» Angesprochen werden in erster Linie Geniesser. «Das heisst aber nicht, dass alles teuer ist», sagt Sturzenegger. Beim Eat-In zum Beispiel, einer Aktion gegen Fast Food und Food Waste, nimmt jeder Teilnehmer etwas mit und teilt es an einer langen Tafel mit anderen Gästen.

Schwerpunkt-Thema 2016

Laut Sturzenegger steht für die erste Ausgabe ein Budget «im siebenstelligen Franken-Bereich» zur Verfügung. Zürich Tourismus hat Food Zurich zum Schwerpunkt-Thema des Jahres 2016 erklärt. «Das Essen hat heute beim Erlebnis Reisen eine Priorität», erklärt Sturzenegger die Investition. Zürich habe beste Voraussetzungen, dieses Bedürfnis zu befriedigen.