Schrebergärten
Zürich macht in Sachen Stadien jetzt vorwärts

Die Stadt beschleunigt die Planung der neuen Arenen. Sie bietet den Schrebergärtnern, die den ZSC Lions im Weg stehen, eine grosszügige Lösung an. Die Freizeitgärtner werden allerdings umdenken müssen.

Pascal Unternährer
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Wo jetzt noch Schrbergärten sind, soll bald ein Eisstadion stehen.

Wo jetzt noch Schrbergärten sind, soll bald ein Eisstadion stehen.

Keystone

Nachdem die Stadt Zürich in den letzten Jahren Mühe bekundete mit Stadionplanungen, soll es nun vorwärts gehen. Fürs Fussballstadion wird ein Schnellverfahren installiert, und bezüglich Eishockeystadion wird das «Problem» Schrebergärtner offensiv angegangen. Zur Erinnerung: Auf dem Vulkanareal bei den Gleisen in Altstetten sollen 120 Gärten dem Stadion weichen. Der Widerstand ist beträchtlich. Die Schrebergärtner haben eine Petition mit über 15000 Unterschriften eingereicht. Sie wollen sich nicht einfach so vertrieben lassen.

Alternative auf Dunkelhölzli-Areal

Nun bietet ihnen die Stadt eine Alternative auf dem nahen Dunkelhölzli-Areal an der Grenze zu Schlieren an. Dort könnten alle Vertriebenen Unterschlupf finden. Und nicht nur das: Die Stadt will das Gebiet für die Familiengärten etappenweise vergrössern, sodass am Ende doppelt so viele Platz finden würden. Hintergrund ist, dass auch für eine Autobahnzufahrt im Grünau-Gebiet 45 Schrebergärten verschwinden und Hobbygärten wegen der Platznot allgemein unter Druck geraten sind.

Umzonungen nötig

Konkret hat die Stadt gestern eine Zonenplanänderung fürs Dunkelhölzli-Areal angekündigt. Von morgen bis 13. Februar findet die öffentliche Auflage statt. Betroffene können Einwendung machen. Für die Gartenpläne muss das Areal von einer Freihalte- in eine Erholungszone E3 umgezont werden. Dafür zuständig ist der Gemeinderat. Politisch heisser ist aber die Umzonung fürs Stadion.

Der grösste Teil des Gebiets gehört der Stadt und wird heute meist landwirtschaftlich genutzt. Zwei Parzellen sind privat. Eine davon liegt am Rand und wird ebenfalls bewirtschaftet. Die zweite ist mittendrin. Auf dem Gebiet einer ehemaligen Gärtnerei gibt es ein Wohnhaus, Gewächshäuser und das Erlebnisrestaurant «Triibhuus». Gemäss Lukas Handschin, Sprecher von Grün Stadt Zürich, wünscht die Stadt, die beiden Parzellen in eine Masterplanung einzubeziehen. Ob dies möglich sein wird, ist noch unklar. Auch der Kauf der Parzellen sei eine Option.

«Urban Farming»

In einer ersten Etappe könne aber städtisches Gebiet den 120 Schrebergärtnern zur Verfügung gestellt werden. Danach sind zwei weitere Etappen angedacht. Zwischen den drei Gebieten könnte eine Art Park angelegt werden. Grün Stadt Zürich will aber nicht einfach klassisch Parzellen für einzelne Schrebergärtner anbieten, sondern hat einen moderneren Ansatz im Auge. Sie will Trends zu Gemeinschaftsgärten, «Urban Farming» und Selbsterntegärten aufnehmen. «Die Familiengärten sollen offener werden», sagt Handschin. Es soll nicht wie heute auf jeder Parzelle eine Hütte stehen.

Kollektiv statt Einzelpächter

Handschin weiss, dass diese Idee auf Widerstand stösst. Die Reaktionen reichten von Begeisterung bis zu entschiedener Ablehnung. Die Pachtverträge würden mit einem Kollektiv statt mit Einzelpersonen abgeschlossen.

Das ist für Markus Peer schwer vorstellbar. Der Präsident des betroffenen Familiengartenvereins Altstetten/Albisrieden sagt, der grössere Aufwand würde sein Ehrenamt sprengen: «Vielleicht müsste die Stadt als Verpächterin einspringen und einen örtlichen Verwalter stellen.»

«So schnell ändern wir unsere Meinung nicht»

Peer ist dennoch dankbar für die Lösung und deutet an, dass der Widerstand gegen den Auszug aus dem Vulkanareal bröckelt: «Wir müssen unsere Meinung überdenken – auch, weil weitere Familiengärtner profitieren könnten.» Arealchef Walter Zbinden will allerdings weiterkämpfen: «So schnell ändern wir unsere Meinung nicht.» Der Architekturwettbewerb fürs neue Stadion der ZSC Lions wird im 1. Quartal 2012 lanciert.

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