Die Vorwürfe sind happig: Die beiden Männer werden wegen Mord, strafbaren Vorbereitungshandlungen zu mehrfachem Mord, versuchter Befreiung von Gefangenen, Irreführung der Rechtspflege sowie mehrfachem versuchten Vergehen gegen das Waffengesetz angeklagt, wie die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte.

Der 26-jährige Schweizer und der 38-jährige Litauer hatten sich im Strafvollzug in der Strafanstalt Pöschwies kennengelernt. Dort schmiedeten sie zusammen den Plan für die gemeinsame Freiheit. Der Jüngere wollte nach seinem Hafturlaub nicht mehr zurückkehren und von draussen seinen Mitinsassen freipressen.

Brief an Zürcher Kantonsrat

Die beiden schrieben einem Zürcher Kantonsrat einen Brief, in dem sie die Freilassung des Litauers forderten, andernfalls würden sie ein zufällig ausgesuchtes Opfer töten. Für den Fall, dass der Litauer nach erfolgter Tötung nicht aus der Haft entlassen werden sollte, wurden im Erpresserschreiben weitere Tötungsdelikte in Aussicht gestellt, wie die Staatsanwaltschaft schreibt.

Der damals 23-Jährige hatte seine Strafe schon bald abgesessen, wie der zuständige Staatsanwalt Adrian Kaegi gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. "Ein Hafturlaub ist ein ideales Gefäss für so einen Plan."

Am 30. Juni 2016 schritt der Jüngere der beiden auf seinem Urlaub also zur Tat. Er stach in der Nähe des Bahnhofs Tiefenbrunnen in Zürich mehrmals auf einen auf einem Mäuerchen sitzenden Mann ein. Der 42-Jährige verstarb noch vor Ort. Der Häftling flüchtete und kehrte nicht in die Strafanstalt Pöschwies zurück.

Nach monatelanger Fahndung konnte der Mann im Januar 2017 durch die Kantonspolizei Bern verhaftet werden. Auf seiner Flucht soll er verschiedene Vorbereitungshandlungen für weitere Tötungsdelikte getätigt haben, wie die Staatsanwaltschaft schreibt. Dazu gehört auch ein versuchter Waffenerwerb über das Darknet.

Kriminelle Vergangenheit

Die beiden Beschuldigten waren bereits in der Vergangenheit erpresserisch vorgegangen. "Beide haben eine lange kriminelle Vorgeschichte", sagte Kaegi. Der Schweizer sass wegen versuchter räuberischer Erpressung und Freiheitsberaubung. Und auch die Liste der begangenen Straftaten des Litauers ist gemäss Staatsanwalt lang.

"Er hatte von der Stadt Zürich Millionen erpresst", sagte Kaegi. Das Zürcher Bezirksgericht hatte den Litauer 2012 verurteilt. Der Mann hatte gedroht, wenn er nicht 20 Millionen Franken erhalte, werde er am Flughafen, am Hauptbahnhof und an Schulen Bomben hochgehen lassen. Einen Industriellen drohte er zu töten, falls dieser ihm nicht 50 Millionen Franken zahlen würde.

Die zwei Männer befinden sich in Haft. Nachdem der Schweizer auf seiner Flucht verhaftet worden war, wurde auch sein Komplize vom Strafvollzug in die Untersuchungshaft versetzt. Während der Jüngere ein Teilgeständnis abgelegt hat, bestreitet der litauische Beschuldigte die Tatvorwürfe.