Extremismus
Winterthurer Gericht spricht acht An'Nur-Moschee-Gänger schuldig

Das Bezirksgericht Winterthur hat acht der zehn beschuldigten Mitglieder der ehemaligen An'Nur-Moschee verurteilt: Unter anderem wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und Drohung verhängte es bedingte Freiheitsstrafen oder Geldstrafen zwischen 6 und 18 Monaten.

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Ein Angeschuldigter verlässt das Gerichtsgebäude.
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Stimmen zum Urteil.
Auftritt der Anwältinnen.
Verstecken vor der Öffentlichkeit.
Verstecken vor der Öffentlichkeit.
Angeklagter verlässt das Gericht.
Verstecken vor der Öffentlichkeit.
Die Angeklagten sitzen im Winterthurer Bezirksgericht. Ihnen wird vorgeworfen, im November 2016 zwei Gläubige eingesperrt und verprügelt zu haben.
Zehn Männer aus dem Umfeld der Winterthurer An'Nur-Moschee sind verhaftet worden - sie sollen zwei Glaubensbrüder angegriffen haben.
Prozess An'Nur-Moschee
Zehn Männer aus dem Umfeld der Winterthurer An'Nur-Moschee sind verhaftet worden - sie sollen zwei Glaubensbrüder angegriffen haben.
Zehn Männer aus dem Umfeld der Winterthurer An'Nur-Moschee sind verhaftet worden - sie sollen zwei Glaubensbrüder angegriffen haben.
Zehn Männer aus dem Umfeld der Winterthurer An'Nur-Moschee sind verhaftet worden - sie sollen zwei Glaubensbrüder angegriffen haben.
Zehn Männer aus dem Umfeld der Winterthurer An'Nur-Moschee sind verhaftet worden - sie sollen zwei Glaubensbrüder angegriffen haben.
Polizei-Razzia in der An’Nur-Moschee in Winterthur am 2. November 2016
Polizei-Razzia in der An’Nur-Moschee in Winterthur am 2. November 2016
Polizei-Razzia in der An’Nur-Moschee in Winterthur am 2. November 2016
Polizei-Razzia in der An’Nur-Moschee in Winterthur am 2. November 2016

Ein Angeschuldigter verlässt das Gerichtsgebäude.

Keystone

Die bereits verkündeten Urteile in der Übersicht:

  • Der erste Angeklagte, ein 20-Jähriger, wird mit 15 Monaten Haft sowie einer Geldstrafe bestraft.
  • Der zweite Angeklagte, ein 23-Jähriger, wird ebenfalls schuldig gesprochen. Zudem hat das Gericht eine Landesverweisung von sieben Jahren ausgesprochen.
  • Ein Jugendlicher, der ebenfalls bei den Übergriffen in der Moschee anwesend war, wurde verurteilt. Er wird mit einem Freiheitsentzug von 6 Monaten verurteilt.
  • Das Urteil für den Sohn des ehemaligen Imam der An'Nur-Moschee: mehrfache Freiheitsberaubung und Gehilfenschaft zur Drohung.
  • Der ehemalige libysche Imam der An'Nur-Moschee fehlte krankheitsbedingt bei der Urteilsverkündung. Er wird schuldig gesprochen wegen mehrfacher Freiheitsberaubung. Auf Landesverweis wird verzichtet.
  • Ein Mazedonier wird ebenfalls schuldig gesprochen wegen mehrfacher Freiheitsberaubung, Drohung und Beschimpfung. Das Gericht hat zudem eine Landesverweisung von sieben Jahren ausgefällt.
  • Einen ersten Freispruch gibt es für einen 22-Jährigen. Er wird freigesprochen und erhält eine Genugtuung.
  • Ein Tunesier, der kurzzeitig Vereinspräsident der An'Nur-Moschee war, wird ebenfalls freigesprochen. Er erhält eine Genugtuung von über 18'000 Franken.

Das Gericht blieb am Dienstag damit unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, welche teilbedingte Strafen zwischen zweieinhalb und drei Jahren gefordert hatte. Es folgte aber weitgehend deren Darstellung der Vorgänge: So blieb für das Gericht unbestritten, dass es im November 2016 in der umstrittenen Moschee im Winterthurer Stadtteil Hegi zu einem Angriff gekommen war.

Acht junge Männer im Alter zwischen 17 und 24 Jahren sowie ein 52-jähriger Imam und ein 47-jähriger An'Nur-Präsident verprügelten und bedrohten demnach zwei Männer, die in ihren Augen "Spitzel" waren. Sie waren überzeugt, dass die "Verräter" einem Journalisten Film- und Fotoaufnahmen aus der An'Nur-Moschee verkauft hatten.

Laut dem vorsitzenden Richter hat die Chronologie der Abläufe in der Moschee dank vorhandenen Chat-Protokollen, Aussagen der Beteiligten und Anrufaufzeichnungen der Polizei minuten-, teilweise sekundengenau nachgezeichnet werden können.

Weiterzug möglich

Die Beschuldigten und deren Verteidiger hatten anfangs Oktober am mehrtägigen Prozess vorgebracht, dass es in der Moschee zu keinem Angriff gekommen sei.

Sie hätten die beiden "Spitzel" bloss zur Rede stellen wollen. Vereinzelte Beschuldigte gaben an, sie zumindest angespuckt und beleidigt zu haben. Zu Gewalt sei es aber nicht gekommen. Staatsanwaltschaft und Medien hätten die Vorfälle aufgebauscht, um Stimmung gegen Muslime zu machen.

Die Verteidiger hatten denn auch Freisprüche für ihre Mandanten gefordert. Vor dem Winterthurer Bezirksgericht hatten acht der zehn Beschuldigten damit keinen Erfolg. Sie können das erstinstanzliche Urteil nun vor Zürcher Obergericht ziehen.

(sda/chm)

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