Rheinau
Wegen Missverständnis: Die Zerstörung ist unbeweisbar

Beim Wirtshaus Augarten in Rheinau wurde 2015 eine Baugrube ohne Bewilligung ausgehoben. Doch ob dabei auch eine archäologische Fundstelle zerstört wurde, lässt sich nicht sagen

Markus Brupbacher
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Die illegal ausgehobene Baugrube in Rheinau im Herbst 2015.

Die illegal ausgehobene Baugrube in Rheinau im Herbst 2015.

Heute und morgen finden die Europäischen Tage des Denkmals statt. Auch Rheinau im Zürcher Weinland ist aus denkmalpflegerischer und archäologischer Sicht von nationaler Bedeutung. Dort soll vor rund drei Jahren eine archäologische Fundstelle von fast 400 Quadratmetern mit Siedlungsresten aus dem 12. und 13. Jahrhundert undokumentiert und unwiderruflich zerstört worden sein.

Ohne Baubewilligung hatte das Rheinauer Restaurant Augarten einen geplanten Neubau komplett unterkellert. Der Bau selber war zwar bewilligt, nicht aber der Keller darunter. Die ausgehobene Baugrube entdeckte ein Mitarbeiter des Kantons zufällig, der im März 2016 Anzeige beim Statthalteramt in Andelfingen erstattete.

2000 Franken Busse

Bauherrn und Bauleiter konnte diese Zerstörung von Rheinauer Kulturgut nach zweieinhalb Jahren nicht nachgewiesen werden. Einzig für den Aushub der Grube ohne Bewilligung müssen die zwei Personen geradestehen. «Beide wurden mit 2000 Franken Busse bestraft zuzüglich 750 Franken Gebühren», teilte Statthalterin Catherine Nägeli Diethelm am Freitag mit.

Die kantonale Baudirektion nimmt die beiden inzwischen rechtskräftigen Strafbefehle «zur Kenntnis», wie Sprecher Markus Pfanner schreibt. Weiter äussert sich die Direktion nicht. Der Bauherr und Investor des neuen Rheinauer Augartens, Lukas Riedo, war am Freitagnachmittag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Ein «Missverständnis»

Der Rheinauer Gemeinderat bewilligte im Sommer 2015 einen neuen Treppenzugang ins bestehende Untergeschoss des Augarten-Altbaus. Für die Unterkellerung des Neubaus direkt daneben im Oktober 2015 gab es aber wie erwähnt keine Bewilligung. Das dafür notwendige Baugesuch wurde erst später auf Hinweis der Gemeinde Rheinau eingereicht. Und diese genehmigte das Gesuch dann zwar auch – doch da war die Grube für den neuen Keller bereits ausgehoben. Wieso hat man ohne Bewilligung zu graben begonnen? Bauherr und Bauleiter hätten von einem «Missverständnis» gesprochen, sagt Statthalterin Nägeli. Als der Mitarbeiter des Kantons die Grube per Zufall entdeckte, stoppte die Gemeinde Rheinau die Bauarbeiten.

Weil die Kantonsarchäologen davon ausgingen, dass der Neubau – wie im ursprünglichen Baugesuch vorgesehen – nicht unterkellert wird, verzichteten sie auf vorgängige Untersuchungen sowie auf eine Baubegleitung. Der heutige Bau ist eine Art Scheune für rund 90 Gäste des Augartens. Das Areal selbst liegt in einer archäologischen Zone. Im Januar 2017 sagte der Sprecher der Baudirektion gegenüber dieser Zeitung, dass Reste in der Wand der Baugrube und Untersuchungen im nächsten Umfeld Hinweise darauf gäben, was zerstört worden sei. Die Zerstörung durch den Aushub lasse sich aber nur abschätzen – das Aushubmaterial war damals längst zertrümmert und abtransportiert.

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