Flughafen Kloten

Vor 50 Jahren: Als Attentäter auf eine El-Al-Maschine feuerten – drei Täter wurden später freigepresst

Vor 50 Jahren eröffneten drei Männer und eine Frau in Kloten das Feuer auf eine Passagiermaschine der israelischen Fluggesellschaft El Al.

Es war ein kalter Dienstagabend an jenem 18. Februar am Flughafen Kloten. Die Boeing 720-058B der staatlichen isrealischen Fluggesellschaft El Al war erst am Nachmittag mit einer Stunde Verspätung von Amsterdam angekommen und begab sich jetzt, gegen 17.30 Uhr, auf die zweite Flugetappe von Zürich nach Tel Aviv. Während der viermotorige Jet über den Rollweg 1 in Richtung Osten zur Startbahn 28 rollte, richteten sich die 17 Passagiere und 11 Besatzungsmitglieder auf den vierstündigen Flug ein.

Doch El-Al-Flug LY432 sollte gar nie erst vom Boden abheben. Die Boeing war eben dabei, auf die Warteposition vor der Piste abzudrehen, als zwei Personen mit Maschinenpistolen das Feuer aufs Cockpit eröffneten. Fast gleichzeitig, so berichtete es die «NZZ» anderntags unter Berufung auf einen Augenzeugen, sind Leuchtspurgeschosse aus östlicher Richtung «über und gegen die Maschine» geflogen. Die insgesamt vier Attentäter feuerten aus rund 100 Meter Entfernung, vom Rande eines öffentlichen Parkplatzes aus.

Die Maschinengewehrsalven hinterliessen zahlreiche Einschusslöcher in der Boeing 720-058B.

Die Maschinengewehrsalven hinterliessen zahlreiche Einschusslöcher in der Boeing 720-058B.

      

Vier Personen verhaftet

Mordechai Rachamim, der sich als israelischer Air-Marshal an Bord der Maschine befand, griff zu seiner Beretta-Pistole und erwiderte das Feuer. Erst aus dem Cockpit, dann liess er sich über die Notrutsche aufs Vorfeld herunter und erschoss einen der vier Attentäter. Inzwischen war die Polizei vor Ort und konnte die drei überlebenden Araber, zwei Männer und eine Frau, sowie den israelischen Schützen verhaften.

Die drei Überlebenden Abu El Helga, Amena Dabhor und Youssef Ibrahim wurden später freigepresst.

Die drei Überlebenden Abu El Helga, Amena Dabhor und Youssef Ibrahim wurden später freigepresst.

Um 22 Uhr wurde am Flughafen eine erste Pressekonferenz abgehalten. Dabei wurde bekannt gegeben, dass es sich bei den vier Attentätern um Mitglieder der Ende 1967 gegründeten «Volksfront für die Befreiung Palästinas», kurz PFLP (Popular Front for the Liberation of Palestine) handelte: um die Rädelsführerin Amena Dabhor, um Abu El Helga, um Youssef Ibrahim und beim Erschossenen um Abdel Mohsin Hassan.

Nebst weiterem Sprengstoff hat die Polizei im VW Käfer der Täterschaft auch den «Marschbefehl» gefunden, gemäss dem es eigentlich keine Todesopfer hätte geben dürfen: Maschine stoppen, stürmen, räumen und dann sprengen, so lautete die Aufgabe.

Von den Leuten an Bord des Flugzeugs hatten sechs teils schwere Verletzungen davongetragen, darunter auch der Co-Pilot von LY432, Yoram Peres. Die Flugzeughülle war von 50 Kugeln getroffen, vorwiegend im Bereich des Cockpits und der ersten Klasse.

Kein Einzelfall

Das Ereignis löste weltweite Reaktionen aus: Der damalige UN-Generalsekretär äusserte Bestürzung und Besorgnis, das US-amerikanische Staatsdepartement verurteilte den «sinnlosen Angriff». Das saudische Radio verlieh seiner Sorge ob israelischer Vergeltungsschläge Ausdruck. Für den Zürcher Regierungsrat gab der Bülacher Albert Mossdorf eine Erklärung ab, in der er unterstrich, dass am Flughafen nun verstärkte Sicherheitsmassnahmen vonnöten seien. Und der israelische Transportminister Moshe Carmel warnte die arabischen Länder, dass sie mit nicht weniger als dem «Zusammenbruch der Zivilluftfahrt im Nahen Osten» rechnen müssten, wenn der Terror gegen israelische Flugzeuge nicht aufhöre.

Tatsächlich war der Klotener Anschlag kein Einzelfall: Im Juli 1968 war eine 707 der El Al nach Algier entführt worden, fünf Monate später wurde auf dem Flughafen Athen auf El Al Flug 253 ein Anschlag verübt – in beiden Fällen hat sich die PFLP zur Tat bekannt.

Der Anschlag in Kloten zog weitere Kreise: Co-Pilot Peres erlag später im Spital seinen Verletzungen. In Winterthur wurden die vier Verhafteten vor Gericht gestellt. Rachamim konnte Notwehr geltend machen und wurde schliesslich freigesprochen. Die drei Palästinenser wurden hingegen zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Dass sie nur ein Bruchteil dieser Strafe absitzen mussten, verdankten sie ihrer Freipressung Anfang September 1970: Kämpfer der PFLP entführten dabei vier Flugzeuge, unter anderem eine DC-8 der Swissair. Der Bundesrat hat letztlich eingelenkt und eine Ausschaffung der Inhaftierten verfügt. (az/sda)

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