Zürich
VBZ-Kontrolleur wegen Tritt gegen Kopf verurteilt, Schwarzfahrer muss ins Gefängnis

Weil er einen Schwarzfahrer gegen den Kopf getreten hat, erhält ein VBZ-Kontrolleur eine bedingte Freiheitsstrafe.

Patrick Gut
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Ein Fahrgast und drei VBZ-Kontrolleure mussten sich vor dem Bezirksgericht Zürich unter anderem wegen versuchter schwerer oder einfacher Körperverletzung verantworten.

Ein Fahrgast und drei VBZ-Kontrolleure mussten sich vor dem Bezirksgericht Zürich unter anderem wegen versuchter schwerer oder einfacher Körperverletzung verantworten.

Keystone/Walter Bieri

Drei VBZ-Kontrolleure und ein Fahrgast mussten sich vor dem Zürcher Bezirksgericht unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung oder einfacher Körperverletzung verantworten. Am Anfang stand eine Billettkontrolle, die im Juli 2018 in Wipkingen aus dem Ruder geraten war. Sechs Verletzte und zwei Festnahmen waren das Resultat einer Keilerei. Ein damals 20-jähriger Fahrgast war ohne Ticket unterwegs. Im Laufe der Auseinandersetzung soll er einem Kontrolleur mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihn dabei leicht verletzt haben. Eben dieser Kontrolleur habe in der Folge mit dem Fuss gegen den Kopf des Schwarzfahrers getreten, während dieser von weiteren VBZ-Kontrolleuren am Boden festgehalten wurde.

An der Urteilseröffnung vom Freitag hat das Gericht den hauptbeschuldigten VBZ-Kontrolleur wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt. Aufgrund mehrerer Zeugenaussagen sei es erwiesen, dass der Beschuldigte tatsächlich gegen den Kopf des renitenten Schwarzfahrers getreten habe. Dass er seinen Kollegen helfen wollte, sei eine Schutzbehauptung. «Es ging um Vergeltung für den Faustschlag», sagte der Richter. Sonst hätte er nicht auf seine Lippe gezeigt und zum Schwarzfahrer gesagt: «Da gsesch was gmacht häsch, du Arsch.»

Bewiesen sei auch der Vorwurf der Tätlichkeit gegenüber einem Passanten, der das Geschehen mit seinem Handy filmte. «Auf dem Film ist die Schlagbewegung zu sehen und man hört zweimal das Klatschen einer Ohrfeige», sagte der Richter. Für die Tätlichkeit muss der Kontrolleur eine Busse von 600 Franken bezahlen. Einer der beiden Kontrolleure, die den Schwarzfahrer zu Boden gebracht und fixiert haben, wurde wegen einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 170 Franken verurteilt. Er wusste, dass die Personalien des Schwarzfahrers aufgenommen waren. Daher war ein Festhalten unnötig. Anders sein Kollege. Dieser hatte keine Kenntnis davon und wurde freigesprochen.

Schwarzfahrer muss ins Gefängnis

Weniger glimpflich kam der Schwarzfahrer davon. Das Gericht schickt ihn unter anderem wegen einfacher Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Beschimpfung für 14 Monate unbedingt ins Gefängnis. Zusätzlich erhielt er eine unbedingte Geldstrafe und eine Busse. Die Staatsanwältin hatte eine Freiheitsstrafe von 21,5 Monaten gefordert.

Der Beschuldigte war weitgehend geständig. Er habe dem Kontrolleur einen heftigen Faustschlag verpasst, was ein erhebliches Aggressionspotenzial zeige, sagte der Richter. «Das Motiv für den Faustschlag ist dem Gericht verschlossen geblieben.» Die Behauptung des Beschuldigten, er sei jetzt ein neuer Mensch, habe das Gericht nicht überzeugt. Aufgrund der schlechten Prognose und mehrerer teils einschlägiger Vorstrafen sei ein bedingter Vollzug nicht mehr möglich.