Marthalen
Tratschen, Petzen und Intrigen: Massive Vorwürfe gegen Führung des Pflegeheims

Intrigen, Angstkultur und sogar Mobbing: Was Kritiker der Führung des Zentrums für Pflege und Betreuung Weinland vorwerfen, wiegt schwer. Gut zehn Monate nach Ausbruch der Krise im Heim trauen sich erstmals Mitarbeitende an die Öffentlichkeit.

Markus Brupbacher
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Das Pflegeheim habe seine Seele verloren, sagt eine Heimmitarbeiterin.

Das Pflegeheim habe seine Seele verloren, sagt eine Heimmitarbeiterin.

Symbolbild/Key

Nach den Turbulenzen letztes Jahr im Marthaler Zentrum für Pflege und Betreuung Weinland (ZPBW) schien seit Januar wieder Ruhe im Heim eingekehrt zu sein. Nach der Ablehnung aller Aufsichtsbeschwerden von Mitarbeitenden durch den Bezirksrat Andelfingen kurz vor Weihnachten nahm die neue Heimkommission ihre Arbeit auf. An der Delegiertenversammlung im April sagte der Präsident dieser Kommission, Andreas Kleeli, dass der Sturm vorbei sei und die Zeit kommen werde, «wo wir daraus profitiert haben werden».

Doch der Schein trügt. Nach Zeitungsberichten über diese Versammlung meldeten sich gleich mehrere Personen. Ihr Tenor: Die Heimführung beschönige die aktuelle Situation im Marthaler Heim, das von einem Viertel der Weinländer Gemeinden getragen wird. Das Pflegeheim habe seine Seele verloren, sagt zum Beispiel eine Heimmitarbeiterin. «Tratschen, Petzen, Misstrauen und Intrigen sind heute die Normalität im Haus», sagt sie. Und Rudolf Reif, der Ehemann der früheren Pflegedienstleiterin, spricht von einem «gespaltenen Haus».

Anfang April sorgte der vertrauliche Brief einer langjährigen Mitarbeiterin für grossen Wirbel – jemand von der Heimleitung hatte diesen an der Infotafel im Erdgeschoss des Heims aufgehängt. In dem Brief an die Delegierten der sechs Trägergemeinden Benken, Marthalen, Ossingen, Rheinau, Trüllikon und Truttikon sowie an die Heimkommission ist die Rede von unhaltbaren Zuständen, Angstkultur, Mobbing oder von einem persönlichen «Rachefeldzug» der beiden Stationsleitungen. Und auch der Datenschutz lasse sehr zu wünschen übrig. So würden an besagter Tafel vertrauliche Daten über Mitarbeiter aufgehängt.

«Es herrscht kein Mobbing und keine Angstkultur, wir müssen das aufs Schärfste zurückweisen», lautet eine Antwort von Kleeli auf die Vorwürfe der Kritiker. Und wer von einem gespaltenen Heim spreche, habe die eigenen Gefühle nicht im Griff. Auch den Angriffen des kürzlich abgewählten Präsidenten der Rechnungsprüfungskommission (RPK), Markus Bischet, kontert Kleeli: So wäre es zum Beispiel Bischets Aufgabe gewesen, sich die Details zum grossen Minus in der Jahresrechnung 2015 zu beschaffen. Bischet wiederum ist der Meinung, dass er seit letztem Sommer systematisch von einer rechnerischen Prüfung im Heim abgehalten worden sei.

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