Jugendfreund
Tötungsdelikt Seefeld: Wer ist Tobias K.?

Ein Schulkollege von Tobias K. erinnert sich an die gemeinsame Kindheit. Er habe nie gedacht, dass K. gewalttätig werden könne.

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An dieser Stelle im Zürcher Seefeld tötete Tobias K. am 30. Juni 2016 einen 42-jähriger Zürcher.

An dieser Stelle im Zürcher Seefeld tötete Tobias K. am 30. Juni 2016 einen 42-jähriger Zürcher.

Kapo ZH/Key

«Am Samstag stand die Polizei bei mir vor der Tür», sagt ein ehemaliger Schulkollege von Tobias K. gegenüber der «Limmattaler Zeitung». Zuerst habe er K. auf dem Fahndungsbild gar nicht erkannt. «Früher war er so ein fröhlicher und lieber Mensch. Und auf dem Foto sieht er so gefühlslos aus.» Der Jugendfreund kann den Ermittlern nicht helfen: Er kenne K. zwar seit dem Kindergarten und habe diversen «Jugendscheiss» mit ihm gemacht, doch im Alter von 16 Jahren habe er den Kontakt abgebrochen.

K.s Kindheit sei bis zur 3. Primarklasse normal verlaufen, steht im Urteil des Zürcher Obergerichts vom 29. September 2015. Dann infizierte er sich mit der oft durch Zecken übertragenen Borreliose und erblindete fast. Als 10-Jähriger besuchte er eine Schule für Sehbehinderte, die Sehstörung konnte erfolgreich behandelt werden. Nach K.s Darstellung führte die Borreliose zu Depressionen. Auch nach der Behandlung seien Konzentrationsschwierigkeiten und psychische Probleme geblieben.

«Zehnmal abgehauen»

Der Jugendfreund erinnert sich, dass K. bereits im Alter von 7 Jahren das erste Mal gekifft habe. «Den Joint hatte er von älteren Jugendlichen auf dem Fussballplatz.» Als 12-Jähriger sei K. wegen seines Kokain-Konsums in eine geschlossene Klinik eingewiesen worden, um einen Entzug zu machen. «Er ist sicher zehnmal abgehauen.» Insofern verstehe er die Risikoeinschätzung des Amtes für Justizvollzug nicht.

K. komme aus einer wohlhabenden Familie im Zürcher Weinland, sagt der Jugendfreund. «Die Eltern wollten nur das beste für ihre Kinder.» Der Tatverdächtige hat einen älteren Bruder und zwei jüngere Schwestern. Im Alter zwischen 12 und 15 Jahren sei Tobias K. für Time-out-Programme nach Ungarn und Kroatien geschickt worden. Nach seiner Rückkehr zu den Eltern beginnt er eine Schreinerlehre. Es kommt zum Lehrabbruch – auch weil er eine Jugendstrafe absitzen muss. «Er wurde arbeitslos und es folgten Zeiten mit vielen Partys und Drogen», ist im Obergerichts-Urteil zu lesen.

Die Liste der Delikte von K. ist lang: Sie umfasst das halbe Strafgesetzbuch, unter anderem Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz, Raub und einfache Körperverletzung. Als K. Vater wurde, hoffte sein Jugendfreund auf Besserung. «Ich habe gedacht, dass ihn das Kind beruhigt.» Das Gegenteil war der Fall: Anfang 2015 verurteilte ihn das Bezirksgericht Winterthur wegen Freiheitsberaubung. Der Jugendfreund hätte nie gedacht, dass K. gewalttätig werden könnte. «Ich müsste mich zwingen, ihn trotz der schönen gemeinsamen Kindheitserinnerungen nicht mehr gern zu haben.» (maf)

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