Kantonale Kriminalstatistik
Tiefe Kriminalität, Sexting unter Jugendlichen wird zum Problem

Im Kanton Zürich sind seit 20 Jahren nie so wenige Straftaten begangen worden wie 2013. Insgesamt registrierte die Polizei knapp 136 000 Delikte. Das sind fast 12 000 oder 8 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

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Die Polizei vermeldet für das vergangene Jahr einen duetlichen Rückgang der Kriminalität im Kanton. (Symbolbild)

Die Polizei vermeldet für das vergangene Jahr einen duetlichen Rückgang der Kriminalität im Kanton. (Symbolbild)

Keystone

Der Kanton Zürich ist erneut sicherer geworden. 2013 wurden so wenig Straftaten registriert, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Insgesamt registrierte die Polizei knapp 136'000 Delikte, einschliesslich Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz. Das sind fast 12'000 oder 8 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

107'770 Delikte (-10'617) waren Verstösse gegen das Strafgesetzbuch, dazu kamen 19'321 (-583) Betäubungsmitteldelikte. Bei der Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2013 am Mittwoch betonte Kriminalpolizei-Chefin Christiane Lentjes die "sehr tiefe Kriminalitätsrate" bei starkem Bevölkerungszuwachs.

Pro 1000 Einwohner wurden im Vergleich zum Jahr 2012 fast 11 Prozent weniger Verstösse gegen das Strafgesetzbuch verzeichnet. Diese Abnahme ist deutlich grösser, als in der gesamten Schweiz, wo die Deliktzahl pro 1000 Einwohner um 6 Prozent zurückging.

Die Zahl der schweren Gewaltdelikte blieb praktisch unverändert. Registriert wurden 196 Fälle von schwerer Körperverletzung (Vorjahr 202) und (gleich wie im Vorjahr) 28 Tötungsdelikte - bei 23 davon blieb es beim Versuch.

Club schliesst - Gewalt geht zurück

Eine Zunahme dagegen war bei Tätlichkeiten und einfachen Körperverletzungen zu beobachten. Laut Lentjes waren dies vor allem Folgen von Auseinandersetzungen im Ausgang.

In direktem Zusammenhang damit steht die Zunahme der Anzahl Delikte gegen Leib und Leben in der Stadt Zürich um 15 Prozent auf 2654, wie Felix Lengweiler von der Stadtpolizei sagte. Es sei interessant zu beobachten, dass die Zahl der Straftaten an einem bestimmten Ort schlagartig und markant zurückgehe, sobald ein Club schliesse.

Deutlich öfter (+20 Prozent) mussten die Polizeien im Kanton wegen Tätlichkeiten bei häuslicher Gewalt ausrücken, bei denen dann aber kein Strafantrag erfolgte. In solchen Fällen müsse sich die Polizei auf Opferschutzmassnahmen beschränken, sagte Lentjes.

Am stärksten rückläufig waren die Zahlen der Raubtaten (-23,5 Prozent), der Einbrüche (-21 Prozent) und der Brandstiftungen (-20,9 Prozent). Stark angestiegen ist dagegen die Zahl der Sexualdelikte.

Sexualstraftaten per Handy

Die Zunahme um 45 Prozent relativierte die Kripo-Chefin allerdings: Allein bei einem einzelnen zurzeit noch hängigen Kinderporno-Fall gebe es eine Vielzahl von Opfern eines Täters. Zudem nahm die Stadtpolizei im Zusammenhang mit der Schliessung der Strichmeile Sihlquai mehr Kontrollen und infolgedessen mehr Verzeigungen vor.

Aber auch Jugendliche verstossen laut Lentjes immer häufiger gegen die sexuelle Integrität. Hier gehe es vor allem um heikle Fotos auf Smartphones. Damit in Zusammenhang steht laut Lengweiler überdies eine Verlagerung der Jugend-Delikte weg von Gewalt und Raub hin zu Nötigung und Erpressung.

Explodiert ist die Zahl der Enkeltrickbetrügereien (+102 Prozent auf rund 250 registrierte Fälle). Aber die potenziellen Opfer haben dazugelernt: Nicht einmal 20 Versuche (-5 Prozent) waren erfolgreich. Immerhin: Bei diesen ergaunerten die Betrüger insgesamt 1,1 Millionen Franken.
Deutlich weniger Einbrüche in der Stadt Zürich

In der Stadt Zürich verlief die Kriminalitäts-Entwicklung insgesamt "sehr parallel" zu jener im Kanton, wie Lengweiler sagte. Auch hier habe sich die Situation gebessert.

Rund 52'400 Verstösse gegen das Strafgesetzbuch wurden verzeichnet - etwa 7500 weniger als im Jahr zuvor. In der Stadt wurde deutlich weniger eingebrochen: Rund 4200 Einbruchdiebstähle registriert, das waren 2600 weniger als 2012. Kantonsweit gar auf einem "20-Jahres-Tief" liegt laut Lentjes die Zahl der Einbruch- und Einschleichdiebstähle mit gut 11'300 (-3023).

Ein Problem haben alle Ermittler seit Jahren gemeinsam: Eine immer grössere Flut digitaler Daten muss ausgewertet werden. Letztes Jahr waren es laut Lentjes 650 Terabite - dies entspricht 118,9 Milliarden ausgedruckten A4-Seiten. Es sei zudem schwierig, mit der technologischen Entwicklung mitzuhalten, welche die Straftäter nutzten.

Von sämtlichen im Kanton Zürich erfassten Beschuldigten waren - gleich wie im Vorjahr - 45 Prozent Schweizer, so Lentjes. 30 Prozent (Vorjahr 28) waren Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz, 6 Prozent (9) Asylsuchende und 19 Prozent (18) Kriminaltouristen.

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