«Glarner verpiss dich!», stand auf dem Banner, das eine Gruppe Frauen am Montagabend in Zürich hochhielt. Der Anlass: SVP-Nationalrat Andreas Glarner hielt in der Stiftung zum Glockenhaus einen Vortrag mit dem Titel «Unionsbürgerrecht oder Einwanderungsbeschränkung?». Der Abend wurde vom rechtsbürgerlichen Magazin «Schweizerzeit» organisiert. Die Frauen sollen versucht haben, den Besuchern des Vortrags den Eintritt zu verweigern. Dies taten sie auf den ersten Blick im Namen des Frauenstreiks: «Frauenstreiken & Blockieren! Gegen rechte Hetzer» stand auf dem Banner weiter.

Einen Tag nach der Veranstaltung postete Glarner das Video der Störaktion auf seinem Facebookprofil. «Sie haben versucht, unsere Veranstaltung lahmzulegen», sagt er auf Anfrage. Er habe die Unruhen mitbekommen und wollte laut eigener Aussage nach draussen gehen, um zu sehen, was los war. «Ich wurde von meinen Kollegen gewarnt, ich solle lieber drin bleiben. Ich sah, wie ein älterer Mann an seinem Mantel auf den Boden gezerrt wurde.» 

Im Video ist zu sehen, wie die vermummten Frauen den Eingang verbarrikadieren. Sie machten mit Rufen und Trillerpfeifen Lärm und verteilten Flyer, die sich gegen den SVP-Politiker richten: «Wir Frauen sind heute hier, weil: Andreas Glarner für Sexismus, Rassismus und Flüchtlingshetze steht». Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass Glarner immer wieder mit frauenverachtenden Sprüchen auffalle. «Ich weiss nicht, wo ich sexistische Aussagen gemacht haben soll», entgegnet Glarner, der die Aktion verurteilt: «Mir war nicht wohl. Einer meiner Kolleginnen wurde mit der Trillerpfeife ins Ohr gepfiffen», sagt er. Ausserdem hätten die Frauen auch eine Nebelpetarde gezündet. Die Stadtpolizei habe ausrücken müssen.

Vortrag nicht verhindert

Mittlerweile hat sich die Revolutionäre Jugend Zürich auf Facebook zur Störaktion bekannt: «Wir Frauen haben uns dem Sexisten und Rassisten Andreas Glarner und seinen AnhängerInnen in den Weg gestellt», schreibt die Gruppierung. Weiter: «Auf Facebook und Twitter hetzt er gegen Frauen, AusländerInnen und alle, die nicht in sein reaktionäres Weltbild passen.» Die Gruppe ruft zu einem kämpferischen 14. Juni und einer Teilnahme am Frauenstreik auf. «Für uns ist klar, solche reaktionäre Hetzer haben mitten in Zürich nichts verloren, keinen Fussbreit den Faschisten, kein Millimeter den Sexisten!»

SVP-Nationalrat Andreas Glarner.

   

Das Frauenstreikkollektiv der Stadt Zürich distanziert sich nicht von der Aktion. Auf Anfrage teilt es mit: «Allen Frauen im Kollektiv steht es frei, ihren Unmut über diskriminierendes Verhalten auf ihre Art und Weise kundzutun», eine Blockade sei ebenso willkommen wie ein Postulat in einem Parlament, «wir lassen uns nicht spalten».

Trotz der Störaktion konnte der Vortrag mit einer leichten Verspätung starten. Andreas Glarner sieht von einer Anzeige ab.

Warum der Gewerbeverband den Frauenstreik nicht unterstützt

Warum der Gewerbeverband den Frauenstreik nicht unterstützt

In den Geschäftsleitungen von mittelgrossen Schweizer Betrieben steige der Frauenanteil, auch ohne Quoten und Frauenstreik. Das schreiben der Gewerbeverband und sein Frauennetzwerk KMU Frauen Schweiz auf Grund einer Studie und äussern sich gegen Geschlechterrichtlinien.