Bezirksgericht Andelfingen

«Solche Vorfälle müsste man anders lösen»: Streit zwischen Hundebesitzern verursacht grossen Aufwand

Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Bürokratie zunimmt und die Gesundheitskosten steigen», sagte der Andelfinger Gerichtspräsident angesichts des Falls um einen Hündeler-Streit.

Im Dezember 2016 gerieten zwei Hundebesitzer aneinander. Jetzt standen die beiden vor Gericht.

Es war eine geradezu philosophische Zeitkritik des Andelfinger Gerichtspräsidenten. Zum Abschluss der Verhandlung kritisierte er am Donnerstag zwei Hündeler, die und deren Vierbeiner Anfang Dezember 2016 im Weinland aneinandergeraten waren. Ob Ärzte, Polizei, Zeugen, Statthalteramt, Opferhilfestelle, Psychologen, Anwälte und Gerichte: Was in dem Fall alles an Aufwand betrieben worden sei, stehe in «denkbar unglücklichem Verhältnis» zu dem zwar unerfreulichen, aber letztlich einfachen Vorfall.

«Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Bürokratie zunimmt und die Gesundheitskosten steigen», sagte der Präsident. «Wir ersticken so noch an unserer eigenen Bürokratie.» Während die Kriminalität statistisch abnehme, würden die Kosten der Justiz steigen. Solche Vorfälle müsse man anders klären als mit dem Strafrecht, «zum Beispiel bei einem Glas Süssmost».

Aber genau diese Fähigkeit, über ganz einfache, alltägliche Sachen miteinander zu reden, nehme in der Gesellschaft ab – während man via Smartphone digital und global miteinander vernetzt sei. Stattdessen werde immer gleich nach den Anwälten geschrien.

«Bereit für den finalen Biss»

Das Statthalteramt Andelfingen hatte gegen den beschuldigten 64-Jährigen einen Strafbefehl ausgestellt wegen Tätlichkeiten und Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz. Er soll den grösseren Hund, einen Husky, und seine Besitzerin mehrfach getreten und angeschrien haben. Dies, nachdem der grosse Hund seinen kleineren Hund, einen Jack Russell, am Nacken gepackt hatte. Der beschuldigte Mann, der eine Busse von 400 Franken bezahlen und die Kosten von 330 Franken tragen sollte, wehrte sich gegen den Strafbefehl. Ausserdem hatte die Frau eine Genugtuung von 1000 Franken und die Übernahme ihrer Anwaltskosten von 4000 Franken von ihm verlangt. «Das stimmt hinten und vorne nicht», sagte der Mann vor Gericht. Der erste Teil der Verhandlung mit zwei Zeugenbefragungen hatte im September stattgefunden. Er sei nie tätlich geworden gegen die Frau. Er habe einzig den kleinen Hund seiner Tochter aus der Todesgefahr befreit, wobei er den Husky nur ein-, vielleicht zweimal getreten habe.

Das Statthalteramt warf dem Mann hingegen einen Notwehrexzess vor. Er soll also mehr – als für die Rettung des kleinen Hundes nötig – auf den grossen eingetreten haben. Der Mann bestritt vehement, überreagiert zu haben. Nur dank seines Eingreifens habe der Jack Russell den Angriff überlebt – sein Genick in der Schnauze des Husky, «bereit für den finalen Biss».

Dem Statthalteramt warf er vor, den Vorfall zu verharmlosen. «Ich hätte vielmehr Grund, Strafanzeige zu erstatten», sagte er. Denn die Besitzerin des Husky missachte das Tierschutzgesetz, weil sie ihren Hund nicht richtig halte, daher die Aggression. Das Gericht kam zu einem «klaren Freispruch» des Mannes. Die Geldforderung der Frau, die ins Ausland ausgewandert ist, lehnte es daher auch ab. Die Kosten des Verfahrens übernimmt das Gericht respektive der Staat, die Allgemeinheit.

Seine ganz grundsätzliche Kritik trug der Gerichtspräsident nach der Urteilsverkündung vor. Danach sagte der freigesprochene Mann fast schon nachdenklich, dass er «aufmerksam zugehört» habe, was der Richter gesagt habe. Solche Vorfälle «müsste man anders lösen», fand auch er. Doch dann rechtfertigte er sich auch gleich wieder ein Stück weit. So habe er der Frau die Hand reichen wollen, was diese aber abgelehnt habe.

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