Zürich

«Sie stammen definitiv nicht aus der Umgebung» – Nacktwanderer sorgen im Zürcher Oberland für Unmut

Eine Rütnerin ist bei ihrem Ausflug in Bäretswil vier nackten Männer begegnet. (Leserbild)

Eine Rütnerin ist bei ihrem Ausflug in Bäretswil vier nackten Männer begegnet. (Leserbild)

Vier nackte Männer sind am Sonntag durchs Zürcher Oberland gewandert. Eine Rütnerin begegnete ihnen oberhalb der Täuferhöhle. Die Polizei stoppte sie beim Bachtelspalt.

Sie gingen auf Wanderschaft wie viele andere auch. Nur ihre Ausrüstung war eher dürftig. Sie trugen Wanderschuhe, Rucksäcke und Dächlikappe. Sonst nichts. Eine Gruppe Männer hat am Sonntag nackt einen Ausflug im Zürcher Oberland gemacht.

Ihre Route führte sie auch zur Täuferhöhle in der Gemeinde Bäretswil. Dort machten sie Rast auf einer Bank – ohne Abdeckung, wie eine Leserin dem «Blick» sagt. Nach ihrer Pause setzten sie ihre Exkursion fort und begegneten einer Rütnerin, die anonym bleiben will. Sie seien von der Höhle aus weiter bergauf gewandert, sagt sie.

«Wir waren vor ihnen in dieselbe Richtung unterwegs, machten aber einen Umweg über die Krete und gingen erst zum Schluss in die Höhle.» Plötzlich habe ihr Mann zu ihr gesagt, er höre Leute. «Es waren nur Männerstimmen. Als ich mich umdrehte, sah ich die vier hinter mir. Ich sagte zu meinem Mann: Du, die sind nackt.» Er habe ihr nicht geglaubt und auch zurückgeschaut.

«Sie holten uns rasch ein und ich musste ein Plätzchen auf der Seite zum Ausweichen suchen, damit sie uns überholen konnten», sagt die Frau. Der Vorderste sei aber stehen geblieben und habe sich bei ihrem Mann nach dem Weg erkundigt. «Sie stammen also definitiv nicht aus der Umgebung.» Ihr Mann habe ihnen die Umgebung auf der Karte erklärt. Die hinteren seien neben ihr stehen geblieben und hätten gewartet. «Ich wusste gar nicht, wo ich hinschauen sollte.» Die Rütnerin lacht herzlich, als sie erzählt.

Nachdem die vier Männer das Paar überholt hatten, habe sie noch rasch ein Bild geknipst. Als sie und ihr Mann bei der Höhle angekommen seien, sei eine Familie mit Kindern gerade gegangen. «Wir waren alleine und ich sagte zu meinem Mann: Ich sitze lieber nicht auf das Bänkli, da sind sicher vorher die Nackten draufgesessen.»

Die Polizei sorgte dafür, dass sie sich anziehen

In Zeiten des Coronavirus sei dies nicht nur unhygienisch, sondern vor allem unvernünftig. Abgesehen davon sei das Wetter nicht einmal warm gewesen. «Die haben aber geschwitzt, einer hat richtig getropft.» Und schön seien die Männer also auch nicht gewesen, so die Leserin. Um die 50, schätze sie. «So genau habe ich sie nicht angeschaut. Der Vorderste hatte ein Brustwarzenpiercing und Tätowierungen.» Gestört hätten die nackten Männer sie aber nicht.

Anders ging es offenbar dem Mann, der die Nacktwanderer bei der Kantonspolizei Zürich verzeigte. Gestoppt wurden sie laut Sprecher Stefan Oberlin beim Bachtelspalt auf Walder Gemeindegebiet. Die Männer mussten ihre mitgebrachten Kleider aus dem Rucksack kramen und sich anziehen.

Bei einer Verzeigung wie dieser laute der Straftatbestand meistens auf sexuelle Belästigungs, so Oberlin. Im entsprechenden Gesetzesartikel heisst es: «Wer vor jemandem, der dies nicht erwartet, eine sexuelle Handlung vornimmt und dadurch Ärgernis erregt, wird mit Busse bestraft.»

Nacktsein im öffentlichen Raum gelte bereits als sexuelle Handlung – ähnlich wie beim Exhibitionismus, so Oberlin. Deswegen reiche das Verhalten der vier Männer für eine Anzeige und einen Polizeirapport. Über eine Strafe zu entscheiden, sei dann Sache des Richters.

Beim Statthalteramt des Bezirks Hinwil hat man jedoch noch keine Kenntnis vom Fall. Zahlen zu ähnlichen Vorfällen führe die Polizei keine, sagt Oberlin weiter. Nudisten seien im Kanton aber sehr selten in der Öffentlichkeit anzutreffen.

Auch Daniela Waser, Geschäftsführerin von Zürioberland Tourismus, sagt, sie höre höchst selten von Nacktwandern im Zürcher Oberland. «Uns sind keine weiteren Fälle bekannt. Und wir hoffen, es bleibt auch so im öffentlich zugänglichen Gebiet.» Denn Alternativen für Nudisten seien vorhanden.

Eine solche befindet sich auf dem Föhrli-Areal im Näniker Grossriet-Gebiet, wo der Verein Natur und Sport Zürich seit 1932 eine heute 25000 Quadratmeter grosse Nacktzone ­betreibt – inklusive Schwimmbad, Volleyballplätze und Kiosk.

Ein Vorstandsmitglied des Vereins kritisiert das Verhalten der vier Männer. Weil die ­Naturisten-Szene sehr diskret sei, wolle er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Man suche nicht den Auftritt in der Öffentlichkeit. Ihn störe ­deshalb der Vorfall, weil er zu einer negativen Berichterstattung führe. Die Beschreibung der Männer, wie sie sich nackt auf das Bänkli gesetzt hätten, werfe schlussendlich auch ein schlechtes Licht auf die ­Naturisten-Szene.

«Geht eher in Richtung Exhibitionismus»

Er erklärt: Der Nudist geht gerne nackt baden, sonnt sich und ist nahtlos braun. Der Naturist hingegen sei noch mehr naturverbunden, verzichte oft auch auf Rauchen, Fleisch und Alkohol. Aber sowohl als Naturist wie auch als Nudist habe man immer sein eigenes Tüechli dabei und setze sich nie mit barer Haut irgendwo hin. «Man kenne diese Regel ja auch aus Saunen oder FKK-Anlagen. Die Hygiene ist für uns sehr ­wichtig.»

Er kenne niemanden vom Verein, der in der Öffentlichkeit nackt wandern gehe. «Wir ­wollen in Ruhe gelassen werden. Wir haben deshalb kein Verständnis für Menschen, die nackt durch solche Sehenswürdigkeiten marschieren.» Die vier Männer seien seiner Meinung nach weder Naturisten noch Nudisten, sagt der ­Näniker. «Was sie getan haben, geht eher in die Richtung Exhibitionismus.»

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