Flüchtlinge, die Asyl beantragt haben, leben entweder in Container-Siedlungen, wie beispielsweise in der Asylunterkunft Leutschenbach, oder werden in Zivilschutzunterkünften, alten Hotels oder gewöhnlichen Wohnungen untergebracht. Die Ausstellung «Shelter is not enough. Lebensräume für Flüchtlinge in der Schweiz» in der Zürcher Villa Patumbah hat gestern ihre Tore geöffnet und geht der Frage nach, wie Flüchtlinge in der Schweiz leben.

Die Initianten der Ausstellung, der Verein Architecture for Refugees Schweiz, geben zusammen mit dem Heimatschutzzentrum Einblicke in Wohn- und Lebensräume von Flüchtlingen, stellen Fragen zur Heimat und dem Zusammenleben von Einheimischen und Flüchtlingen. Mit diesen zentralen Fragen soll ein Diskurs über Bauten für Flüchtlinge angestossen werden.

Mehr als temporäre Nutzung

«Unterkünfte für Flüchtlinge gelten heute als städtebaulich irrelevant. Dort müssen wir ansetzen, damit der Gedanke über das Temporäre hinausgeht», sagt Karin Artho, Leiterin des Heimatschutzzentrums. Denn Asylunterkünfte bräuchten einen Bezug zur umliegenden Baukultur.

Über das Temporäre hinaus gehen will auch die Stadt Zürich, wie sie kürzlich mitteilte. Auf dem Geerenweg-Areal in Altstetten sollen bis Ende 2018 neben Flüchtlingen, auch Studenten leben und es soll Platz für Gewerbe, sowie Freizeitflächen entstehen. Die Diskussion darüber, dass Flüchtlingsunterkünfte nicht nur in der Peripherie einer Stadt Platz haben und Integration nicht beim Dach über dem Kopf endet, ist politisch wie auch gesellschaftlich aktuell.

Die in drei Räume eingeteilte Sonderausstellung in den Kellerräumen der Villa nähert sich den Lebensräumen von Flüchtlingen anhand dreier Blickwinkel. Im ersten Raum kann der Besucher Porträts von acht Flüchtlingen, die in der Schweiz leben, nachlesen. Damit erhält er einen Einblick in ihre Geschichte, ihre aktuellen Wohnverhältnisse und ihre Perspektiven.

Der zweite Raum bezieht den Besucher aktiv in die Ausstellung mit ein und stellt Fragen nach der persönlichen Heimatdefinition, der Bereitschaft, den eigenen Lebensraum zu teilen sowie der Bedeutung der Aussenräume. So wird etwa gefragt, welche «importierten» Phänomene, wie Strassencafés, Kebab-Läden oder dem Picknicken im Park, man am wenigsten verzichten will.

Weil der Lebensraum nicht nur aus einem Zimmer besteht, setzen die Aussteller im dritten Ausstellungsbereich den Austausch, den spielerischen Zugang zum Thema ins Zentrum und stellen den Besuchern weitere Informationen zur Verfügung. Zudem können sich Interessierte an der begleitenden Workshop-Reihe, die einmal im Monat im Heimatschutzzentrum stattfindet, mit Gästen aus dem Bereich Asyl und Architektur über das Thema austauschen.

Darin liegt die Kernaufgabe des Vereins Architecture for Refugees, dessen Schweizer Ableger vergangenen Oktober gegründet wurde. Die Plattform konzentriert sich auf den Austausch über architektonische Fragen sowie Probleme und Lösungen rund um die gegenwärtige Flüchtlingskrise.

Ergänzend zur «Shelter is not enough»-Ausstellung ist im Heimatschutzzentrum derzeit das Stapferhaus Lenzburg mit dem Projekt 1001 Heimat zu Gast. Auf einem Touchscreen können die Antworten zur Umfrage «Was ist Heimat für Sie?» angehört werden.