Schüler werden nicht benotet

Wegen des Fernunterrichts entfallen per Ende Schuljahr die Zeugnisnoten. Auch auf Elterngespräche wird im Kanton Zürich verzichtet. Eine Sonderregelung gibt es für Jugendliche auf Lehrstellensuche.

Heinz Zürcher
Drucken
Teilen

«Nicht benotet»: Dies und der Hinweis auf die Coronapandemie ist das Einzige, was vor den Sommerferien in den Zeugnissen der Zürcher Schülerinnen und Schüler stehen wird. Der Bildungsrat begründet den Verzicht auf Zeugnisnoten per Ende dieses Schuljahres mit dem Fernunterricht, der seit dem 16. März gilt und voraussichtlich noch bis am 11. Mai andauern wird. Eine gerechte Benotung ist unter diesen Umständen kaum möglich.

Die meisten Lehrpersonen haben bisher auf Anraten des Volksschulamtes auf benotete Leistungsüberprüfungen verzichtet. Ausfallen werden auf Geheiss des Bildungsrates auch die Elterngespräche, die normalerweise im Kindergarten und in der 1. Klasse im Sinne von ­Zeugnisgesprächen durchgeführt werden.

Eine Sonderregelung gibt es für Jugendliche, die auf Lehrstellensuche sind. Sie können Referenzschreiben oder Lernberichte anfordern. Diese Instrumente gibt es bereits. Lernberichte werden im Normalfall vor allem für Schülerinnen und Schüler geschrieben, deren Leistungen wesentlich von den Vorgaben der Lernziele ihrer Klasse abweichen.

«Keine kostbaren Ressourcen vergeuden»

Das Verfassen der Berichte sei nicht aufwendig, sagt Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP). Vorgesehen sei er nur für Schülerinnen und Schüler, die im Anschluss an die Volksschule in die Berufsbildung übertreten. «Wir wollen verhindern, dass Lehrpersonen kostbare Ressourcen vergeuden.»

Auch Christian Hugi, Präsident des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (ZLV), rechnet nicht mit einem grossen Mehraufwand. «Wird er in einer Klasse aber übermässig gross, muss im Einzelfall mit der Schulleitung nach praktikablen Lösungen beziehungsweise zusätzlichen zeitlichen Ressourcen oder Entlastungen gesucht werden.»

Der ZLV und der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter Kanton Zürich (VSLZH) begrüssen den Entscheid des Bildungsrates. Wichtig sei, möglichst bald zu erkennen, wo die Schülerinnen und Schüler nach dem Fernunterricht stehen, sagt VSLZH-Präsidentin Sarah Knüsel. «Sicher werden wir bei jedem Kind eine kurze Standortbestimmung machen.» Individuelle Lücken sollen danach möglichst schnell wieder geschlossen werden. «Gegebenenfalls sind jedoch zusätzliche Ressourcen und eine entsprechende Förderung notwendig.»

Unterstützen wolle man auch Jugendliche, die noch keinen Lehrvertrag in der Tasche haben, sagt Silvia Steiner. «Wir werden die bisherigen Massnahmen intensivieren.» Beispielsweise verfüge der Lehrmittelverlag über Tools, um Schülerinnen und Schüler gezielt auf die Anforderungen des gewünschten Lehrberufs vorzubereiten. Und wer den Stellwerktest noch nicht absolviert habe, soll diesen ab dem 11. Mai nachholen ­können.

Das Gewerbe ist einverstanden

Einverstanden mit dem Beschluss des Bildungsrates ist auch das Gewerbe. Dies vor allem deshalb, weil für die Bewerbungen in erster Linie die Zeugnisse vom Januar entscheidend sind. Dasselbe gilt für die Übertritte in die Sekundarschule und für die Gymi-Aufnahmeprüfungen. Werner Scherrer, Präsident des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Zürich, begrüsst zudem die Möglichkeit, Lernberichte anzufordern. Er hofft, dass der Lockdown möglichst bald für alle Gewerbetreibenden aufgehoben wird und es mit der Besetzung der offenen Lehrstellen vorwärtsgehen kann.