Winterthur
Schüler besuchen Kantonsrat: «Die hören ja gar nicht zu!»

Mehrere Klassen der Kanti Büelrain verfolgten am Freitag mit, wie der Kantonsrat über eine Solaranlage auf dem Neubau der Schule diskutierte.

Mirjam Fonti
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Die Parteiflyer dienen den Klassen auf der Tribüne als Fächer.

Die Parteiflyer dienen den Klassen auf der Tribüne als Fächer.

LAB

Die Werbeflyer der Parteien fanden am Freitag bei den Kantonsschülerinnen und -schülern des Gymnasiums Büelrain in Winterthur gute Verwendung — als Fächer. Denn die Temperatur auf der Tribüne war ein paar Grad wärmer als unten in der Halle. Trotzdem liessen es sich die Klassen nicht nehmen, die Diskussion um die Solaranlage auf ihrem Neubau-Dach mitzuverfolgen. Genau genommen ging es um die Frage, ob ein Postulat, das eine solche fordert, als dringlich erklärt wird.

Für ein erstes Raunen in den Reihen sorgte Barbara Schaffner (GLP, Otelfingen). Obwohl sie das Postulat verfasst hatte, sprach sie immer von der Kantonsschule Bülach. «Sie merkt es nicht», stellt ein Schüler ungläubig fest. Besser machte es Therese Agosti (SP, Turbenthal). Sie fand, Energiesparen sei doch bestens erlebbar mit einer eigenen Anlage. «Das ermöglicht Anschauungsunterricht.» Die Klassen applaudieren spontan, was die Kantonsratspräsidentin Karin Egli Zimmermann (SVP, Elgg) zu einer leichten Rüge veranlasste. «Bitte unterlassen Sie den Applaus. Das ist unüblich, und zudem haben wir einen engen Zeitrahmen.» Nicht alle fanden das Anliegen, eine Solaranlage noch im laufenden Bauprozess zu erstellen, dringend. Sonja Rueff-Frenkel (FDP, Zürich) erinnerte an die Kantonsratssitzung vom März 2016. Da habe niemand eine Solaranlage erwähnt. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb man das Anliegen nun einbringe.

Fast mehr als die Diskussion interessierte die Schüler das Drumherum der Sitzung. Als AL-Kantonsrat Manuel Sahli (Winterthur) in kurzen Hosen und T-Shirt ans Mikrofon trat, gab es spitze Kommentare. «Der hat sich nicht gerade in Schale geworfen.» Für Heiterkeit sorgte Hans Egli (EDU, Steinmaur), der Know-how stets als «Nauhau» aussprach.

Nachdem sich alle Parteien geäussert hatten, erklärte Egli-Zimmermann das Prozedere: «Die Dringlichkeit ist gegeben, wenn 60 Stimmen zusammenkommen.» Und dann bat sie, wer für die Dringlichkeit sei, möge sich erheben. Die Grenze verlief ziemlich klar, die eine Seite stand, die andere sass. «Reicht es?» Die Kantischüler waren unsicher. Doch das tat es: 84 Kantonsräte sprachen sich für die Dringlichkeit aus. Nun muss der Regierungsrat innert fünf Wochen zum Postulat Stellung nehmen.

Ein Zeichen setzen

Die Frage, ob es eine Solaranlage auf dem Dach der Kantonsschule gibt, wurde am Freitag also nicht geklärt. Aber ein erster Schritt in die richtige Richtung ist getan, wie Rektor Martin Bietenhader festhielt.

Die Schülerinnen und Schüler würden eine Solaranlage begrüssen. «Schliesslich ist die Schule ein öffentliches Gebäude und wir könnten damit ein Zeichen setzen», sagt eine junge Frau, und ihre Kollegin ergänzt: «Wir haben Ja gesagt zur Energiestrategie 2050, da sollte auch eine Solaranlage auf dem Schulhausdach möglich sein.» Den Einblick in den Ratsbetrieb fanden die Gymnasiasten interessant: «Mir ist vor allem aufgefallen, dass alle einfach herumlaufen und sich gar nicht zuhören.» Und eine andere Schülerin zeigte sich überrascht, wie strikt die Parlamentarier mit ihren Parteien stimmten.

War es die Hitze oder die etwas abstrakte Diskussion zum Richtplan? Jedenfalls verliessen die Klassen die Halle schnell wieder, nachdem ihr Traktandum abgehakt war.

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