Die SNB gab am 15. Januar um 10.30 Uhr überraschend bekannt, dass sie den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro aufhebt - zum grossen Pech für den Reeder. Dieser hatte auf Anregung seiner Schweizer Bank ein Devisen-Termingeschäft getätigt: In der Hoffnung, dass der Franken schwächer werde, kaufte er auf den 20. Januar 2015 zu einem Kurs von 1.2095 Franken 20 Millionen Euro.

Doch mit dem SNB-Entscheid wurde der Franken stärker. Wegen des Termingeschäfts und weiteren Transaktionen stand der Mann, der seit 2006 Kunde der Grossbank war, plötzlich mit einem Verlust von knapp 10 Millionen Euro da.

Klage wegen schlechter Beratung

Er habe seiner Bank blind vertraut, machte der Reeder gemäss eines am Dienstag den Medien zugestellten Urteils des Zürcher Handelsgerichts geltend. Er, der ausschliesslich Seefahrer und Reeder sei, verfüge weder über Sach- und Fachkunde noch über praktische Erfahrung mit Börsen- und Finanzmärkten.

Obwohl er eine "ausgeprägte Risikoaversion" und einen "risikoscheuen Charakter" habe, sei er von seiner Bank in ein "Gesamtkonzept" gelenkt worden, das eine sehr komplexe Vermögens- und Investitionsstruktur mit hoher Risikoexposition vorgesehen habe.

Nach dem erlittenen Verlust gelangte der Reeder ans Handelsgericht: Er sei schlecht beraten worden, machte er geltend. In einer Teilklage forderte er, dass ihm die Bank in einem ersten Schritt eine Million Euro zurückzahlen müsse.

Die Risiken waren bekannt

Das Handelsgericht wies nun aber dessen Klage ab. Es sei davon auszugehen, dass dem im internationalen Transport- und Handelsgeschäft tätigen Mann "die Risiken im Zusammenhang mit Investitionen in Finanzprodukten zumindest in den Grundzügen bekannt waren". Das Gericht verweist darauf, dass der Mann im Jahre 2013 hohe Verluste erlitt, 2014 sehr hohe Gewinne einfuhr.

Das hatte auch die Bank so vorgebracht: Der Reeder habe nicht im Ernst annehmen können, dass die Devisen nicht spekulativ und riskant seien, wenn er 2014 eine Rendite von 221,09 Prozent erzielt habe.

Zudem habe der Reeder mehrmals Dokumente unterzeichnet, in denen er darauf hingewiesen wurde, dass er als "professioneller Anleger" - anders als gewöhnliche Kunden - nicht mehr über Risiken von Anlagen oder Transaktionen aufklärt werde. Vom Inhalt dieser Dokumente will der Reeder aber nichts gewusst haben.

Für das Handelsgericht ist es aber "lebensfremd", sollte ein international tätiger Geschäftsmann jeweils die letzte Seite eines Vertrags unterzeichnen, ohne vom Inhalt Kenntnis zu nehmen. "Sollte er dies - wie er behauptet - dennoch getan haben, wäre dies ihm selber anzulasten", schreibt das Gericht. Denn wer einen Vertrag unterschreibe, ohne ihn zu lesen, nehme in der Regel Überraschungen bewusst in Kauf.

Aufhebung war nicht vorhersehbar

Im Umstand, dass die Bank zu einem Devisengeschäft riet und die SNB den Euro-Mindestkurs danach aufhob, sieht das Handelsgericht keine Sorgfaltspflichtverletzung. Denn noch drei Tage vor der Aufhebung hatte der SNB-Vizepräsident in einem Interview bekräftigt, dass der Mindestkurs das Fundament der Geldpolitik bleibe.

Für das Handelsgericht bedeutet dies, dass der SNB-Entscheid nicht vorhersehbar war. Eine Bank hafte für eine Empfehlung nur, wenn diese im Zeitpunkt der Erteilung offensichtlich unvernünftig gewesen sei, heisst es im Urteil.

Vorliegend habe der Reeder als Kunde wissen müssen, "dass auf einen Rat, der ein zukünftiges und ungewisses Ereignis zur Grundlage hat, kein sicherer Verlass sein kann". Er habe somit das Risiko selber zu tragen, wenn er der Empfehlung gefolgt sei.

Während das Gericht die Klage des Reeders abwies, hiess es die Widerklage der Bank gut: Der Mann muss ihr über eine halbe Million zahlen, um den Negativsaldo auf seinem Konto auszugleichen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann eine Beschwerde am Bundesgericht eingereicht werden.