Corona

Optimierungspotenzial: Erkrankte warten oft zu lange mit Tests

Corona-Testcenter in Zürich: Laut Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli gibt es keine systematischen Engpässe.

Corona-Testcenter in Zürich: Laut Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli gibt es keine systematischen Engpässe.

2,5 Tage verstreichen durchschnittlich zwischen dem Auftreten von Corona-Symptomen und dem Testabstrich.

Wie effizient laufen im Kanton Zürich Coronatests und bei positiv Getesteten das Contact-Tracing ab? Mit einem umfangreichen Fragenkatalog wollten dies mehrere Kantonsratsmitglieder von Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) wissen. Gestern kamen die Antworten – und Rickli ratterte die Zahlen herunter, als könne ihr hohes Sprechtempo Leben retten.

Laut der Regierungsrätin verstreichen vom Auftreten der ersten Coronasymptome bis zum Testabstrich durchschnittlich 2,5 Tage. Doch bei einem Viertel aller Fälle sind es vier Tage oder mehr. Hier ortet ­Rickli das grösste Optimierungspotenzial bei der Bekämpfung der Coronapandemie: Die Zeitspanne hänge davon ab, zu welchem Zeitpunkt eine Testperson Kontakt mit dem Testzentrum aufgenommen habe. «Die relativ lange Dauer zeigt, dass die Zürcherinnen und Zürcher mithelfen können, den Prozess zu beschleunigen», so die Gesundheitsdirektorin.

Nach den Tests geht es meistens vergleichsweise schnell: Die Testergebnisse liegen in 94 Prozent der Fälle am Testtag oder am Folgetag vor. Durchschnittlich 0,7 Tage danach beginnt das Contact-Tracing, so die SVP-Regierungsrätin weiter. Der Grund für die leichte Verzögerung sei, dass viele Proben tagsüber gesammelt, abends transportiert und analysiert und die Testergebnisse erst nach Mitternacht beziehungsweise am Folgetag dem Contact-Tracing mitgeteilt würden.

«Die Erreichbarkeit ist eine Herausforderung»

Ein wichtiger Faktor für das Contact-Tracing ist die Erreichbarkeit der Betroffenen. 88 Prozent der positiv getesteten Personen werden laut Rickli noch am Tag erreicht, an dem das Testergebnis vorliegt. Die Personen, mit denen die Infizierten Kontakt hatten, erreichen die Contact-Tracer zu 63 Prozent noch am gleichen Tag und zu 22 Prozent am Folgetag. Anders gesagt: Bei 15 Prozent der Kontaktpersonen dauert es länger. «Die Erreichbarkeit ist eine Herausforderung», sagte Rickli. «Während die positiv getestete Person einen Anruf erwartet, ist dies bei Kontaktpersonen weniger häufig der Fall.» Im Testablauf sei aber kein systematischer Engpass erkennbar.

Im Laufe der letzten Woche liessen sich im Kanton Zürich 14625 Personen auf Covid-19 testen. Davon waren 399 infiziert. In den beiden Wochen zuvor lag die Zahl der Tests jeweils bei rund 19000, mit 474 respektive 472 positiv Getesteten.

Laut Rickli verfügt der Kanton Zürich aktuell über 250 ausgebildete Contact-Tracer. Davon seien 50 täglich in zwei Schichten im Einsatz, von morgens um halb sieben bis abends um halb zehn Uhr. Etwa in der Hälfte der Fälle gelinge es, den ungefähren Ansteckungsort zu ermitteln.

Im Kantonsrat stiessen ­Ricklis Worte auf Kritik: «Bei den Testprozessen und beim Contact-Tracing ist das Optimum noch nicht erreicht», sagte Beatrix Frey (FDP, Meilen). «Wir müssen die Testkapazitäten erhöhen.» Zudem brauche es einen differenzierteren Umgang mit der jetzt auf zehn Tage angesetzten Quarantäne, auch aus Rücksicht auf die Wirtschaft. Eine Umfrage ergab, dass jedes fünfte kleine und mittlere Unternehmen seine Existenz bedroht sieht, wie Dieter Kläy (FDP, Winterthur) sagte.

Nun folgt das «Experiment Grossanlässe»

Rosmarie Joss (SP, Dietikon) betonte, es gebe keinen Gegensatz zwischen Wirtschaft und Gesundheit: «Auch die Wirtschaft ist auf tiefe Infektionszahlen angewiesen.» Zwar habe sich die Situation im Kanton Zürich in den letzten Wochen stabilisiert bei zuletzt gar gesunkenen Fallzahlen. Doch nun folge ab 1. Oktober das «Experiment Grossanlässe» mit mehr als 1000 Teilnehmenden. Da gelte es, die Schutzkonzepte genau zu prüfen. Weiterhin sei auf Abstand und Händewaschen zu achten, sagte Josef Widler (CVP, Zürich) – auch beim Reisen: «Das Ausland ist nicht gefährlich. Höchstens jene, die sich nicht korrekt verhalten.»

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