«Es würde mich freuen, die Politik des Kantons Zürich als Regierungsrätin mitzugestalten», sagte SVP-Nationalrätin Natalie Rickli (41) in einem Interview, das am Sonntag in der «NZZ am Sonntag» erschienen ist. Ihr Name war in den Medien an erster Stelle genannt worden, als der amtierende SVP-Regierungsrat Markus Kägi am 11. Juli seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur bekannt gab und über eine mögliche Nachfolge spekuliert wurde. Rickli hatte damals gesagt, dass sie das Amt interessant finde und über den Sommer eine Kandidatur prüfen werde. Nun hat sie sich also entschieden. Bis Ende dieser Woche haben die Parteisektionen Zeit, der Findungskommission weitere Namen zu melden. Am 11. September werden die Delegierten darüber entscheiden, wen sie neben dem amtierenden SVP-Finanzdirektor Ernst Stocker ins Rennen schicken wollen. Geht es nach Rickli, werden das sie und Stocker sein. Innerhalb der Partei wird die Frage diskutiert, ob man es nicht mit einer Dreierkandidatur versuchen sollte. Davon hält Rickli nichts. «Das wäre nicht passend», meinte sie im Interview.

Regiert Winterthur bald doppelt?

Er wolle diese Frage noch offenlassen, sagte dazu am Sonntag auf Anfrage Konrad Langhart, der Parteipräsident der SVP des Kantons Zürich. Allerdings gehe er davon aus, dass es am Schluss wohl auf eine Zweierkandidatur hinauslaufe. Zur Kandidatur Ricklis äusserte er sich sehr erfreut. Sie bringe zweifelsohne das nötige Rüstzeug für das Amt mit. Da die Kandidatensuche noch läuft, gibt er sich aber auch diplomatisch. Er freue sich über jede starke Kandidatur, fügte er an.

Zwei, die ebenfalls häufig als Kandidaten ins Spiel gebracht wurden, hat die «NZZ am Sonntag» angefragt: die Nationalräte Jürg Stahl und Bruno Walliser. Beide gaben sich zurückhaltend und sagten, sie hätten noch nicht entschieden. Stahl will mit Rickli noch das Gespräch suchen, Walliser will sich mit seiner Familie beraten.

Die SVP wird bei der Gesamterneuerungswahl vom 24. März 2019 darum kämpfen müssen, dass sie weiterhin eine Zweiervertretung in der Zürcher Kantonsregierung stellen kann. Wie die Gemeindewahlen im Frühling zeigten, steckt sie gerade in einem Formtief. Rickli könnte das Zugpferd mit nationaler Ausstrahlung sein, welches darüber hinweghilft. Im erwähnten Interview umreisst sie die Vorzüge einer Kandidatur Rickli/Stocker wie folgt: «Mann und Frau, jünger und etwas älter, ländlich und städtisch, Regierungserfahrung und Parlamentserfahrung – wir würden uns gut ergänzen.» Ist das Unterfangen erfolgreich, ergäbe sich hingegen insofern eine Unausgewogenheit, als mit Rickli und Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) die Stadt Winterthur doppelt im Regierungsrat vertreten wäre.

Rickli trat 1996 der Jungen SVP bei. 2002 wurde sie ins Winterthurer Stadtparlament gewählt, 2007 in den Kantonsrat und noch im selben Jahr in den Nationalrat. Die selbstständige Kommunikationsberaterin twittert gerne und eckt damit zuweilen auch an. 2012 erlitt sie ein Burnout. Indem sie offen damit umging, punktete sie. Sie könne heute ihre Kräfte einteilen, sagte sie dazu im Interview – und machte dort auch gleich klar, dass sie am Sonntag wandern und keine Telefone entgegennehmen würde.