Luftfahrt
Nach 30 Jahren sind sie wieder auf der Piste

In Schaffhausen gehen nach langer Zeit wieder einmal Leichtflugzeuge an den Start. Im Zürcher Luftraum sind die Bedingungen aber ungünstig.

Heinz Zürcher
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Die Flugdemonstration in Schaffhausen steht unter dem Motto «Piste frei für elektrische Ultraleichtflugzeuge». Keystone

Die Flugdemonstration in Schaffhausen steht unter dem Motto «Piste frei für elektrische Ultraleichtflugzeuge». Keystone

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Ultraleichte Flugzeuge gibt es in vielen Varianten. Manche sehen aus wie Gleitschirme, die mit Propellern angetrieben werden, andere wie Gokarts, denen Flügel und Antrieb montiert wurden. Am bekanntesten ist wohl das Ultraleichtflugzeug (UL) aus «Amy und die Wildgänse». Die Fluggeräte, die einst wie riesige Mücken durch den Himmel surrten, wurden ab 1984 in der Schweiz verboten.

Völlig unbegründet, findet Paul Kurrus, Präsident des Schweizerischen Luft- und Raumfahrtverbandes Aerosuisse. «Die Gegner glaubten damals, jeder würde mit einem solchen Gerät herumfliegen und der Himmel würde schwarz.» In den umliegenden Ländern, wo die kleinen Flugzeuge zugelassen sind, blieb die befürchtete Plage jedenfalls aus. Wie die grossen Passagierflugzeuge wurden auch die kleinen Freizeitflieger weiter entwickelt. Die fliegenden Rasenmäher, wie sie Kritiker gerne bezeichneten, verfügen mittlerweile über leisere und sparsamere Verbrennungs- und Elektromotoren.

Der Verband der Swiss Microlight Flyers (SMF) – ein Spartenverband des Aero-Clubs der Schweiz (AeCS) – kämpfte deshalb mit politischen und juristischen Mitteln dafür, UL wieder zuzulassen. Wegweisend war ein Bundesgerichtsurteil vom November 2013. In einem Rechtsstreit mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) konnte der SMF zusammen mit dem AeCS darlegen, dass das Verbot rechtswidrig war. Letzten September gab der Bundesrat grünes Licht. Und gestern traten nun die entsprechenden Verordnungen in Kraft. Diesen Tag feierten die Verbände der Microlight Flyers, der Hängegleiter und der Schweizer Flugplätze mit den ersten Starts auf dem Flugplatz Schaffhausen.

Flugplatzchefs zögern

UL-Piloten müssen zwingend von einem Flugplatz abheben. Pisten gäbe es im Kanton Zürich zwar genug, doch die ultraleichten Modelle sind derzeit nur in Hausen am Albis willkommen. Der Flugplatz Speck-Fehraltorf will zunächst klären, ob und wie gut sich die UL in den übrigen Luftverkehr eingliedern lassen. Eine Testphase ist nächstes Jahr geplant, wenn der Hangar umgebaut ist. Auch auf dem Flugplatz Hegmatten bei Winterthur will der Vorstand erst nach weiteren Abklärungen Startfreigabe erteilen. «Wir verwehren uns nicht dagegen», sagt Flugplatzchef Markus Moser. «Aber wir wollen zuerst sicherstellen, dass sich die Piloten nicht in die Quere kommen. Dazu müssen wir wissen, mit vielen Starts und Landungen wir zu rechnen haben und wie die jeweiligen Prozedere aussehen könnten.» Die übrigen Zürcher Flugplätze sind derzeit für UL keine Option. Dübendorf ist dem Militär vorbehalten, und die Flugplatz Dübendorf AG, die eine zivilaviatische Nutzung anstrebt, möchte in erster Linie dem Geschäftsreiseverkehr eine Basis bieten – und das Lärmkorsett nicht mit UL belasten.

Sowieso verboten sind die kleinen Flieger auf den Landesflughäfen. Ebenso wenig zu suchen haben sie im Luftraum über dem Flughafen Zürich. Dass dort – ob beabsichtigt oder nicht – einmal einer auftaucht, ist allerdings nicht auszuschliessen. «Das wäre jedoch eine schlechte Idee», sagt Roger Gaberell, Sprecher der Flugsicherheit Skyguide. «UL fliegen nach Sichtflugregel und werden nicht von uns kontrolliert.» Skyguide werde die Entwicklung aber im Auge behalten. In Genf, wo sich manchmal französische UL in den Genfer Luftraum begeben, tausche man sich regelmässig mit den Verbänden aus und sensibilisiere die Piloten, sagt Gaberell. Weder Flugsicherung, Bund noch Verbände rechnen in den nächsten Jahren mit einem Boom. «Es werden nicht Hunderte Piloten sein, vielleicht ein paar Dutzend», sagt Bazl-Sprecher Urs Holderegger. Yves Burkhardt, Generalsekretär des Aero-Clubs der Schweiz, sieht dies genauso. «UL sind und bleiben ein Nischenprodukt.»

Einsatz für den Gyrocopter

Yves Burkhardt hat sich an vorderster Front für die Zulassung de ultraleichten Flugzeuge engagiert. Umso mehr freute ihn der gestrige Tag. «Einziger Wermutstropfen ist die Nichtzulassung von Tragschraubern mit Verbrennungsmotorantrieb wie etwa die Gyrocopter.» Diese helikopter-ähnlichen Geräte seien in Europa weit verbreitet und würden von Behörden zur Überwachung von Autobahnen, in der Natur und als kostengünstige Alternative zu Helikoptern eingesetzt. Grund für das faktische Verbot in der Schweiz ist der Lärmgrenzwert. Diesen hatte das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation aus lärmpolitischen Gründen auf 65 Dezibel festgesetzt – entgegen dem Vorschlag des Bazl, das gemäss den internationalen Richtlinien Tragschrauber mit bis zu 70 Dezibel zulassen wollte.

Beflügelt vom Erfolg im Bereich der UL, wollen sich die Verbände nun auch für die Zulassung der Gyrocopter einsetzen. Paul Kurrus geht es nicht zuletzt um die Gleichbehandlung. «Für die Luftfahrt gelten generell strengere Grenzwerte als für andere Verkehrsmittel. Ich bin jedoch klar der Meinung, dass es keine Rolle spielen dürfte, ob der Lärm von der Schiene kommt oder vom Himmel.»

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