Uetikon
Mit dem Hightech-Sauger werden Schadstoffe auf dem Grund des Zürichsees entfernt

Arsen, Blei und radioaktive Stoffe: Vor dem Uetiker Fabrikgelände muss der Seegrund im grossen Stil saniert werden.

Philippa Schmidt
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So dürfte sich die Seegrundsanierung präsentieren: Im Vordergrund ist der Verladebereich mit Containern in Gelb zu sehen und dahinter direkt am Ufer die Aufbereitungsanlage in der neuen Leichtbauhalle. Im See befindet sich der Ponton, wobei der eingefärbte Bereich anzeigt, wo dieser eingesetzt wird.

So dürfte sich die Seegrundsanierung präsentieren: Im Vordergrund ist der Verladebereich mit Containern in Gelb zu sehen und dahinter direkt am Ufer die Aufbereitungsanlage in der neuen Leichtbauhalle. Im See befindet sich der Ponton, wobei der eingefärbte Bereich anzeigt, wo dieser eingesetzt wird.

Visualisierung: Kanton Zürich/Awel

Es ist eine Fläche von zehn Fussballfeldern vor dem ehemaligen Fabrikareal in Uetikon, die mit Schadstoffen kontaminiert ist. Auf 75000 Quadratmetern liegen hier auf dem Seegrund Stoffe wie Blei, Kadmium, Zink und Arsen und auch radioaktives Material. Stoffe, die früher als Folge von der Produktion der Chemie Uetikon in den See gelangten. Betroffen ist der östliche Teil vor dem Areal inklusive des Hafens Langenbaum sowie im Westen eine kleine Fläche vor der ehemaligen Deponie Rotholz in Meilen.

Während man für den Bau der Kantonsschule und des Quartiers an Land noch mitten in der Planung steckt, rückt die Seegrundsanierung nun näher. Im November 2021 will die Bauherrin, das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel), mit der Sanierung loslegen. «Der Sonderabfall gefährdet die Gewässerökologie», sagte Bettina Flury diese Woche an einer virtuellen Präsentation. Flury, die als Projektleiterin fürs Awel tätig ist, verwies zudem als weiteren Grund für die Sanierung darauf, dass Sonderabfall in einem Trinkwasserreservoir nichts zu suchen hat. Es bestünde jedoch keine Gefahr etwa für Schwimmer durch die Chemie am Seegrund, weil die Schadstoffe schwer löslich sind.

Zuständige Firma hat ­bereits Erfahrung

Wie die Schadstoffe möglichst schonend aus dem See geholt werden, führte Manuel Schiffmann aus, der Projektleiter und Geschäftsführer der Marti Infra AG. Sie ist die federführende Firma der Arbeitsgemeinschaft Marti Uetikon. Erfahrungen sammelte die Marti Infra AG mit einer Seegrundsanierung bereits 2009 in Thalwil, als sie den dortigen Teerteppich entfernte.

«Damals haben wir ein Verfahren mit einem Sanierungskasten entwickelt, der an einem Ponton aufgehängt ist», erklärte Schiffmann. Damit könne man in einem definierten Bereich arbeiten und sei abgeschirmt gegenüber dem Seewasser, falls es doch zu Aufwirbelungen käme. «Der Sanierungskasten wird auf den Seegrund aufgesetzt und eingesteckt», präzisierte Schiffmann. Die betreffenden Sedimente und Wasser werden so im Bereich des Kastens abgesaugt und über eine Schwimmleitung an Land gepumpt.

Nicht angewandt werden kann dieses Verfahren beim sogenannten Blockwurf, den grossen Steinen direkt am Ufer. Dort saugen laut Schiffmann Taucher die Sedimente zwischen den Steinen ab. Ebenfalls nicht zum Einsatz kommt der Ponton im Hafen Langenbaum, weil dort die Einfahrt zu eng ist. «Im Hafen werden wir mit einem konventionellen Saugbagger arbeiten», informierte Schiffmann.«An Land werden wir die ­Sedimente aufbereiten und pressen, sodass Filterkuchen entstehen», beschreibt der Projektleiter den Vorgang weiter. Geschehen soll dies in einer Leichtbauhalle, die extra erstellt wird. Die Belastung mit Radionukliden werde gemessen und das Material wenn nötig in dafür vorgesehenen Containern isoliert, versicherte Flury.

So sieht der Ponton mit dem Sanierungskasten aus.

So sieht der Ponton mit dem Sanierungskasten aus.

Visualisierung: Kanton Zürich/Awel

Vom Areal am See werden die Filterkuchen dann in Containern per Lastwagen zur entsprechenden Entsorgungsstelle abtransportiert. Als Kosten hat das Awel 25 Millionen Franken veranschlagt, wovon die Zeochem AG, der Rechtsnachfolger der Chemie Uetikon, 80 Prozent trägt. Der Rest wird vom Kanton beglichen.

Frage nach einem Leck im Sanierungskasten

Die Sanierung, die gut zwei Jahre dauern soll, warf bei den Zuschauern Fragen auf. So wollte jemand wissen, was schiefgehen könne. Das Schwierigste sei das Arbeiten unter Wasser, führte Schiffmann aus. Er verwies auf Störobjekte wie Beton oder Stahlträger, die geborgen werden müssten.

Ein weiterer Votant wollte wissen, was passiere, wenn der Sanierungskasten lecke. Der Kasten sei seitlich zu und nach oben offen, erklärte Schiffmann. Deswegen sei ein Leck nicht relevant. «Sobald wir die Pumpen abstellen, können wir aber den gesamten Prozess stoppen», erläuterte er das Vorgehen bei einem unvorhergesehenen Zwischenfall.

Eine weitere Frage betraf den Hafen Langenbaum, wo Boote von Privatleuten liegen. «Wir werden von Seiten der Bauherrschaft schauen, dass Boote ausgewassert sind und ein Platz für die allfälligen weiteren Boote gefunden wird», erklärte Flury. Diesem Plan zugutekommt die Tatsache, dass der Hafen lediglich vom November 2022 bis Februar 2023 gesperrt werden soll, wenn sowieso viele Boote nicht im Wasser liegen. Nun startet zunächst die Auflage für das Projekt. Somit könnten erste Verzögerungen ganz schnöde der Bürokratie statt der Technik geschuldet sein.