Bezirksgericht Dietiekon
Milieu-Anwalt Borgatte zu Geldstrafe wegen Ehrverletzung verurteilt

Der bekannte Milieu-Rechtsberater Alfredo Borgatte dos Santos musste sich gestern vor Gericht verantworten. Laut Anklage hat er eine ehemalige Mandantin in mehreren Schreiben wiederholt als Betrügerin und Prostituierte bezeichnet.

Attila Szenogrady
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Alfredo Borgatte dos Santos

Alfredo Borgatte dos Santos

Keystone

«Wäre ich nicht Borgatte, wäre das Strafverfahren eingestellt worden», ereiferte sich der prominente Beschuldigte, der sich gestern wegen mehrfacher übler Nachrede sowie Beschimpfung vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten musste. Bei einem Schuldspruch droht dem im Limmattal wohnhaften Milieu-Rechtsberater Alfredo Borgatte dos Santos - unter anderem berät er den Nachtclub Chilli's im Zusammenhang mit der Zürcher Korruptionsaffäre - eine unbedingte Geldstrafe von 2400 Franken.

Die Anklägerin bezeichnete Borgatte vor Gericht als voreilige und profilierungssüchtige Staatsanwältin. Er verlangte einen umfassenden Freispruch.

«Betrügerin und Prostituierte»

Die Vorwürfe der Anklage gingen auf den Herbst 2012 zurück. Damals ärgerte sich der Beschuldigte über eine frühere Mandantin, die mehrere Rechnungen nicht bezahlt hatte. Dies hatte zur Folge, dass Borgatte mehrere Stellen anschrieb - unter anderem eine Treuhand-Firma sowie das Vermittleramt Flawil.

In den Schreiben bezeichnete er die säumige Schuldnerin als «retardierende Mandantin». Zudem warf er ihr ein betrügerisches Vorgehen vor. Sie strotze nur so von krimineller Energie, ergänzte er.

«Blumige Ausdrucksweise»

Dem Amt teilte er mit, dass die Frau jene Manieren einsetze, die sie gelernt habe, als sie an der Langstrasse als Prostituierte tätig gewesen sei. Sie sei eine Betrügerin erster Güte.

Borgatte, der ohne Verteidiger erschienen war, sah weder eine Verletzung der Ehre noch eine der Persönlichkeit als erwiesen an. Er habe halt eine blumige Ausdrucksweise, räumte er ein.

Urteil kommt schriftlich

Doch schliesslich habe die Frau den ausstehenden Betrag bezahlt. «Das war es», fasste er den Fall zusammen. Dass die Dame Prostituierte sei, habe er übrigens von ihrem Bruder erfahren, ergänzte Borgatte und sprach von Tatsachenbehauptungen. Er habe bloss das wahre Charakterbild der Frau aufzeigen wollen. Der Dietiker Richter wies den Beschuldigten allerdings darauf hin, dass auch wahre Tatsachen ehrverletzend sein können.

Der Richter wird das Urteil den Parteien demnächst schriftlich zustellen. Bei einem Schuldspruch hätte der 57-jährige Borgatte bereits die achte eingetragene Vorstrafe auf dem Kerbholz.

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