Coronavirus
Lieferengpässe beim Hersteller: Die zweite Impfung in den Heimen wird verschoben

Pfizer/Biontech liefert viel weniger Impfstoff als versprochen – mit Konsequenzen für Heimbewohnende und Spitalpersonal.

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Die Zweitimpfung in den Heimen im Kanton Zürich verzögert sich. (Symbolbild)

Die Zweitimpfung in den Heimen im Kanton Zürich verzögert sich. (Symbolbild)

Keystone/Alexandra Wey

Bis am Donnerstag verlief das Impfen im Kanton Zürich nach Plan. Es wurden insgesamt 24989 Impfungen verabreicht. Doch nun liefert der Hersteller Pfizer/Biontech nicht wie vor­gesehen. Dem Kanton Zürich stehen bis Ende Februar statt der versprochenen rund 113000 Impfdosen nur noch deren 90000 zur Verfügung. Das bringt das Impfprogramm gehörig durcheinander.

Insbesondere die Zweitimpfungen an den Heimen müssen deswegen verschoben werden. «Um die Auswirkungen dieser deutlichen Lieferreduktion auf ein Minimum zu reduzieren», schreibt die Gesundheitsdirektion in einer Mitteilung, «haben wir uns nach sorgfältiger Abwägung verschiedener Varianten und in Absprache mit dem Branchenverband Curaviva Zürich entschieden, die Zweitimpfung in den Heimen um eine Woche zu verschieben.»

Die Erstimpfung der Bewohner in den Heimen könne so wie geplant bis am 15. Februar durchgeführt und damit ein erster Schutz erreicht werden. Den vollen Schutz gibt es aber erst nach der zweiten Impfung. Die 41700 Zweitimpfungen an den 398 Heimstandorten müssten zwar verschoben werden, schreibt die Gesundheitsdirektion, könnten aber mit den im Februar erwarteten Lieferungen im erforderlichen Zeitfenster von maximal sechs Wochen verabreicht werden.

Das Spitalpersonal muss warten

Wegen des fehlenden Impfstoffs können am Referenz-Impfzentrum am EBPI keine weiteren Impftermine für Februar vergeben werden. Laut Markus Näf, Projektleiter Covid-19-Impfung Kanton Zürich, müsse man zuerst die Warteliste abarbeiten, bevor man neue Termine vergebe. Ohne zuverlässige Angaben zu weiteren Lieferungen mache es wenig Sinn, neue Anmeldungen entgegenzunehmen. Priorität hätten nun die Altersheime. Auch das mit Covid-19-Patienten arbeitende Gesundheitspersonal in den Spitälern muss vorläufig auf Impfungen verzichten. Die bereits vereinbarten Impftermine am Impfzentrum und bei den Hausärzten sollen aber wie geplant durchgeführt werden können. Die Gesundheitsdirektion weist jedoch darauf hin, dass die Lieferungen des Impfstoffs von Pfizer/Biontech im Februar laut Informationen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) vom Lieferanten noch nicht bestätigt seien. Das angepasste Impfprogramm könne nur eingehalten werden, wenn die jetzt in Aussicht gestellten Impfstoffmengen wie geplant geliefert würden.

Auch die breite Bevölkerung müsse sich weiter gedulden, sagt Gesundheitsvorsteherin Natalie Rickli (SVP): «Wenn im zweiten Quartal grössere Impfstoffmengen zur Verfügung stehen werden, werden wir auch die entsprechenden Kapazitäten bereit haben, damit alle impfwilligen Zürcherinnen und Zürcher bis im Sommer geimpft werden können.»

In anderen Kantonen geht es schneller

Der Kanton Zürich hat bis jetzt 65675 Impfdosen geliefert bekommen. Davon wurden bis zum Donnerstagabend erst 24989 Impfdosen gespritzt, 40686 Impfdosen sind noch nicht verbraucht. Pro 100 Einwohner wurden somit erst 1,62 Impfdosen gespritzt, wie aus der Statistik des BAG hervorgeht. Andere Kantone sind schon weiter: Im Kanton Schaffhausen etwa wurden 4,32 Impfdosen pro 100 Einwohner gespritzt. Im Aargau sind es 1,76 Impfdosen pro 100 Einwohner.

Näf verteidigt die Impf­strategie des Kantons. «Beim Impfen von Heimbewohnern und Risikopatienten ist Sorgfalt wichtiger als Tempo. Nur wenn wir diese gut informieren, erreichen wir eine gute Impfquote.» Mit der Strategie sei man trotz der Verzögerungen auf Kurs. «Wir wussten, dass es gerade am Anfang zu Lieferverzögerungen kommen kann und haben deshalb die Zweitimpfungen konsequent zurückgestellt. Impfzentren würden uns jetzt noch nichts nützen.» (hz)