Die Kantonsschule Küsnacht hat im wahrsten Sinne des Wortes Leichen im Keller – oder besser gesagt im Untergrund. Im Erdreich unter dem Singsaal befinden sich sieben Gräber. Auf die Spur der Skelette kam die kantonale Baudirektion, weil das Johanniterhaus des Gymnasiums für 4,3 Millionen Franken instand gesetzt werden soll und deswegen entsprechende Bohrungen durchgeführt wurden. «Bei den Sondierungen im Singsaal wurden sieben Gräber angeschnitten», sagt Markus Pfanner, Sprecher der kantonalen Baudirektion.

Wer da unten liegt und wie viele Skelette sich tatsächlich unter dem Singsaal befinden, weiss der Kanton noch nicht. Doch ein Knochen gibt erste Aufschlüsse über das Alter der Skelette. Er stamme aus dem 10. Jahrhundert nach Christus. «Daher gehen wir davon aus, dass die Gräber vermutlich aus dem Zeitraum vom 9. bis 11. Jahrhundert stammen», sagt Pfanner. Genaueres soll eine Grabung im Mai zutage bringen.

Schüler müssen umziehen

Nach der Bergung werden die Gebeine in der Kantonsarchäologie untersucht. «Dabei werden die ersten Erkenntnisse, die schon auf der Grabung erhoben wurden, zu Sterbealter, Geschlecht, Körpergrösse und Erkrankungen weiter ausgewertet», sagt Pfanner. Nach Abschluss der Untersuchung werden die Skelette in der Sammlung des Anthropologischen Instituts der Universität Zürich aufbewahrt. Ob es einen Zusammenhang mit der Johanniter-Komturei gibt, nach welcher das Haus benannt ist, scheint angesichts des Alters des Knochens fraglich. Erste Kontakte der Johanniter zu Küsnacht bestanden erst im 13. Jahrhundert.

Dass die Schüler nicht mehr im Singsaal, sondern im benachbarten Kirchgemeindehaus unterrichtet werden, war wegen der Instandsetzung schon länger geplant – nun dauert dieser Zustand wegen der Grabung etwas länger.