Coronavirus

Löhne geraten unter Druck: Kantonsrat will Anreizsystem für Firmen, die Lehrabgänger anstellen

Der Kantonsrat will ein Anreiz-System für die Weiterbeschäftigung von Lehrabgängerinnen und Lehrabgängern. Der Regierungsrat wird nun die Möglichkeiten aufzeigen. (Symbolbild)

Der Kantonsrat will ein Anreiz-System für die Weiterbeschäftigung von Lehrabgängerinnen und Lehrabgängern. Der Regierungsrat wird nun die Möglichkeiten aufzeigen. (Symbolbild)

Der Zürcher Regierungsrat muss Anreize für Firmen erarbeiten, sodass Lehrabgänger trotz Coronakrise Jobs kriegen. So verlangt es eine grosse Mehrheit im Kantonsrat. Dabei geraten die Löhne der Berufseinsteiger unter Druck.

Die Coronakrise erschwert Jugendlichen den Berufseinstieg. Darauf wies das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit (Awa) hin, als es zuletzt die Arbeitslosenzahlen für den Kanton Zürich veröffentlichte: Während die Arbeitslosenquote in den meisten Altersklassen von Juni bis Juli etwa gleich blieb oder sogar sank, stieg sie bei den 15- bis 19-Jährigen von 2,3 auf 3,2 Prozent. Die leichte Zunahme der gesamten Arbeitslosenzahl sei zum grössten Teil auf den Anstieg bei Schul- und Lehrabgängern zurückzuführen. Dieser falle im Vergleich zum Vorjahr stärker aus. Und: Vieles deute darauf hin, «dass in den kommenden Monaten ein weiterer Stellenabbau stattfinden könnte», schrieb das Awa.

Nun reagiert die kantonale Politik: Mit einem dringlichen Postulat forderte eine grosse Mehrheit des Kantonsrats gestern den Regierungsrat auf, ein Anreizkonzept zu erarbeiten. Es soll dazu beitragen, dass Lehrabgänger in den Firmen weiterbeschäftigt werden – und nicht als Arbeitslose in die Berufswelt starten.

Dabei geraten die Löhne der Berufseinsteiger unter Druck, heisst es doch in dem Kantonsratsvorstoss: «Arbeitgebern ist es je nach Branche und Gesamtarbeitsvertrag nicht möglich, Lehrabgänger mit Abschluss zu einem tieferen als dem branchenüblichen Berufslohn einzustellen, sei es auch nur kurzzeitig, als Überbrückungshilfe.» Und: «Für die Unternehmen sollte es eine kostenmässig tragbare Lösung geben, um die jungen Berufsfachleute in ihrem Fachgebiet zu halten und ihnen die Chancen auf eine normale Festanstellung zu sichern.»

Eingereicht hatten den Vorstoss Kantonsräte aus den Reihen der SVP, der Grünen und der EVP. Über die Art der geforderten Anreize gehen die Meinungen auseinander: Erstunterzeichner Jürg Sulser (SVP, Otelfingen) rückte in der Debatte die Möglichkeit in den Vordergrund, Lehrabgänger zu tieferen Löhnen als den branchenüblichen Mindest-Einstiegslöhnen in die Berufswelt einzustellen. Mitunterzeichnerin Karin Fehr (Grüne, Uster) betonte: «Der Staat ist in der Pflicht, den Jugendlichen in dieser schwierigen Situation unter die Arme zu greifen.» Und Daniel Sommer (EVP, Affoltern am Albis) schlug als Dritter im Bunde der Postulatsverfasser einen Mittelweg vor: «Subventionen sind nicht das Hauptthema», so der Schreiner aus dem Säuliamt. Die Mindestlohnvorgaben anzupassen sei allemal besser, als junge Leute an das Abholen von Arbeitslosengeldern zu gewöhnen.

Die CVP-Fraktion lehnte den Vorstoss als einzige ab: Es würde ein Papiertiger entstehen, und die Vorstellung, dass der Staat tiefere Löhne subventioniere, sei «schrecklich», sagte Lorenz Schmid (CVP, Männedorf). Der Arbeitsmarkt müsse es aushalten, wenn zeitweise weniger Personal eingestellt werde.

Carmen Walker Späh will keine Subventionen

Die übrigen Parteien gaben der Regierung Hinweise, was sie von ihr erwarten: Harry Brandenberger (SP, Gossau) sprach sich gegen Praktika oder tiefere Löhne als Alternative zu Festanstellungen aus. Dieter Kläy (FDP, Winterthur) plädierte dafür, an Massnahmen wie Kurzarbeit für Lehrlinge anzuknüpfen. Christina Cortellini (GLP, Dietlikon) warnte, es dürfe nicht dazu kommen, dass qualifizierte Arbeit nicht mehr angemessen entlöhnt werde. Ebenso gelte es aber aufzupassen, dass Lehrabgänger nicht in Berufen festgehalten würden, die ohnehin verschwänden.

Gewerkschafter Kaspar Bütikofer (AL, Zürich) wies darauf hin, dass in vielen Gesamtarbeitsverträgen die Löhne nicht starr vorgegeben seien. Sein Vorschlag: «Ich sehe eine Lösung in Richtung Einarbeitungszuschüsse.»

Der Regierungsrat muss nun bis spätestens in einem Jahr ein Anreizkonzept vorlegen. Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) kündigte an, es gehe wohl eher in Richtung arbeitsrechtliche Massnahmen als hin zu Subventionen.

Korrigendum: Im Artikel hiess es fälschlicherweise, SVP-Kantonsrat Jürg Sulser habe die Möglichkeit in den Vordergrund gestellt, Lehrabgänger zu tieferen Löhnen als dem letzten Lehrlingslohn einzustellen. Richtig ist: Sulser rückte in der Kantonsrats-Debatte vom Montag die Möglichkeit in den Vordergrund, Lehrabgänger zu tieferen Löhnen als den branchenüblichen Mindest-Einstiegslöhnen in die Berufswelt einzustellen. Wir bedauern den Fehler.

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