Blitzkästen Zürich
Kantonspolizei will alle fixen Blitzer abbauen – und nur partiell ersetzen

Radar Kästen sind ein Auslaufmodell, so die Polizei. Die Stadt Zürich will hingegen an ihren fixen Blitzern festhalten

Thomas Münzel
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Ein Tempomessgerät an der Salomon-Hirzel-Strasse in Winterthur. Heinz Diener

Ein Tempomessgerät an der Salomon-Hirzel-Strasse in Winterthur. Heinz Diener

29 500-mal hat es im letzten Jahr an der Hohlstrasse geblitzt. Der mit Abstand rentabelste Blitzkasten der Stadt Zürich (siehe rechte Spalte) ist seit vielen Jahren die unangefochtene Nummer eins unter den städtischen Blitzer-Goldgruben. Doch mittlerweile scheint er offenbar unter seinem Bekanntheitsgrad arg zu leiden. Hatte die stationäre Radaranlage an der Hohlstrasse noch 2009 rekordhohe 60 000-mal Autos von Temposündern geblitzt, so registrierte der gleiche Blitzkasten zwei Jahre später gerade noch gut 43 000 Geschwindigkeitsübertretungen; innert der letzten zwei Jahre ging die Zahl der Bussbescheide nochmals um gut 30 Prozent zurück.

Unnötige Blitzkästen

Ähnliche Erfahrungen hat in den letzten Jahren auch die Kantonspolizei Zürich mit ihren fest installierten Blitzkästen gemacht. Doch ob verpuffte Wirkung oder persönliche Einsicht, entscheidend ist für die Ordnungshüter eine grundlegende Feststellung: «Wenn an Orten mit Radarmessanlagen die Geschwindigkeit eingehalten wird, ist das Ziel erreicht», sagt Werner Schaub, Sprecher der Kantonspolizei Zürich. Nicht zuletzt aufgrund dieser sich wiederholenden Erfahrung ist für die Polizei schon heute klar, dass die stationären Radaranlagen an den meisten Orten ein Auslaufmodell sind. «Mittelfristig werden wir im Kanton Zürich von den total
27 Radargeräten voraussichtlich alle zehn fest installierten Kabinen abbauen», erklärt Schaub.

Zwar beabsichtige die Kantonspolizei im nächsten Jahr vier weitere Radaranlagen zu beschaffen, doch diese seien alle halbstationär– und böten somit die Möglichkeit, durch ihre Mobilität an wechselnden Standorten für jeweils einige Tage und Wochen effektiver und sinnvoller eingesetzt zu werden. Zudem seien sie einfacher zu warten und billiger.

Weniger Radaranlagen

«Die Standortwahl der halbstationären Radaranlagen erfolgt dabei jeweils unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien: Unfallschwerpunkt, Schulwege, Altersheime, aber auch aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung oder Gemeindebehörden sowie eigener polizeilicher Wahrnehmungen», sagt Schaub.

Doch er betont auch: «Im gleichen Umfang werden fest installierte Radarkabinen aufgehoben.» Und klar ist ebenso: Nicht alle fest installierten Radaranlagen im Kanton Zürich sollen künftig ersetzt werden. «In naher Zukunft wird sich die Anzahl der bei der Kantonspolizei Zürich eingesetzten Radargeräte reduzieren», hält Schaub fest.

«Eine gute Botschaft»

Erfreut über diese Nachricht ist insbesondere der Automobil-Club der Schweiz (ACS). «Das ist grundsätzlich eine gute Botschaft», sagt Lorenz Knecht, Geschäftsleiter von ACS Zürich. Er fordert allerdings einen vernünftigen Einsatz der semistationären Anlagen. Denn auch diese könnten so eingesetzt werden, dass sie einer reinen Geldmacherei oder einer Schikane gleichkämen.

Andererseits habe insbesondere die Zürcher Kantonspolizei Radaranlagen bisher meist mit Augenmass eingesetzt, betont Knecht. «Was man von der Stadtpolizei Zürich allerdings deutlich weniger sagen kann.» Denn wenn selbst bei «sauberen Spurführungen», in die kaum Fussgänger involviert seien, Radarfallen aufgestellt würden, dann trage dies wohl eher zur
Abzocke als zur Verkehrssicherheit bei, glaubt Knecht. Dies sei unter anderem vor allem bei der Hohlstrasse in Zürich der Fall.

Stapo kontert Vorwürfe

Die Stadtpolizei Zürich weist die Anschuldigungen des ACS weit von sich. Die 87 städtischen Radaranlagen (65 fest installierte und 22 halbstationäre) dienten einzig dem Ziel, «in der Stadt Zürich die grösstmögliche Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden zu gewährleisten», sagt Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. «Unser Auftrag besteht nicht darin, mit versteckten Radarfallen nach Verkehrssündern zu jagen.» Es sei zudem auch nicht Aufgabe der Polizei, die Stadtkasse zu füllen.

Aber nicht zuletzt dank der Radaranlagen stelle man in der Stadt Zürich bereits seit einigen Jahren «einen anhaltenden Rückgang der Geschwindigkeitsübertretungen im mittleren und oberen Übertretungsbereich fest». Allerdings: Gerade in der Hohlstrasse seien die Geschwindigkeitsübertretungen noch immer überdurchschnittlich und die Unfallhäufigkeit auffällig, sagt Bisa. Auch von daher sei die dortige, fest installierte Radaranlage nach wie vor gerechtfertigt.

Obschon in Zürich mehr als dreimal so viele Radaranlagen stehen als auf dem Gebiet der Kantonspolizei, und auch wenn in der Stadt ebenfalls ein Trend zu mobileren Geräten zu beobachten ist, bestehen laut Bisa keine Pläne, die Zahl der fixen oder mobilen Blitzkästen in der Stadt zu reduzieren. Denn: «Je höher die wahrgenommene Kontrolldichte, desto eher wird das nachweisliche Fahrverhalten angepasst.» Die Stadtpolizei Zürich wolle, «dass jeder, der in die Stadt Zürich hineinfährt, weiss, dass er kontrolliert wird.»

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