Jugendheimplatzierungen
Kanton Zürich übernimmt wieder Kosten von Jugendheimplatzierungen

Der Kanton Zürich macht eine Kehrtwendung beim Bezahlen von Heimplatzierungen für Kinder und Jugendliche. Anstelle der Gemeinden begleicht nun wieder der Kanton die Rechnungen. Die Umkehr ausgelöst hat ein Urteil des Verwaltungsgerichts.

Matthias Scharrer
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Für die Gemeinde Hagenbuch bedeutet der Entscheid, dass der Kanton wieder Kosten von Kinder- und Jugendheimplatzierungen übernimmt, eine Entlastung.

Für die Gemeinde Hagenbuch bedeutet der Entscheid, dass der Kanton wieder Kosten von Kinder- und Jugendheimplatzierungen übernimmt, eine Entlastung.

Landbote/mad

Kehrtwende des Kantons Zürich: Der Kanton übernimmt fortan wieder die Kosten von Kinder- und Jugendheimplatzierungen, sofern die Eltern der betreffenden Kinder und Jugendlichen dafür nicht aufkommen können. Seit dem 1. Januar 2013 hatte der Kanton den Gemeinden diese Kosten aufgebrummt. Jetzt hat das Zürcher Verwaltungsgericht ihn zurückgepfiffen. Der Kanton führt daraufhin wieder die bis 2013 gängige Praxis ein. Er bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der «NZZ am Sonntag».

Davon betroffen ist auch die Gemeinde Hagenbuch. Sie machte zuletzt Schlagzeilen, weil eine Familie dort Sozialkosten verursachte, die für die Gemeinde kaum noch tragbar waren. «Ein Kind der betroffenen Familie ist in einem Erziehungsheim platziert», so Ruedi Hofstetter, Chef des kantonalen Sozialamts, auf Anfrage der Limmattaler Zeitung. «Diese Taxe übernehmen wir nun.» Für die Gemeinde Hagenbuch bedeute dies eine Entlastung um 70 000 bis 90 000 Franken pro Jahr.

Doch Hagenbuch ist nicht die einzige Gemeinde, der die Kehrtwende des Kantons hilft: Gemeinden, die die Kosten für Heimplatzierungen ab 2013 übernommen haben, können diese rückwirkend ab 1. Januar 2013 beim Kanton einfordern. Voraussetzung ist, dass sowohl die betroffenen Kinder und Jugendlichen als auch das jeweilige Heim Sitz im Kanton Zürich haben. Hofstetter rechnet mit 10 bis 15 Fällen. Er schätzt, dass damit ein einstelliger Millionenbetrag unter fünf Millionen Franken zulasten des Kantons anfällt.

Der Fall Hagenbuch sorgte am Montag im Kantonsrat für einen verbalen Schlagabtausch zwischen der SP und der SVP: Die SVP forderte mehr Kompetenzen für die Gemeinden beim Entscheid über Jugendheimplatzierungen. Die SP warnte davor, Heimplatzierungen aus finanziellen Gründen zu verweigern.

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