Zürich

Kanton appelliert an den Bundesrat – deshalb sollen alle Gymnasiasten erst am 8. Juni wieder zur Schule

Soll für die Mittelschüler am Untergymnasium der Präsenzunterricht schon am 11. Mai beginnen? Die Bildungsdirektion findet, nein. (Symbolbild)

Soll für die Mittelschüler am Untergymnasium der Präsenzunterricht schon am 11. Mai beginnen? Die Bildungsdirektion findet, nein. (Symbolbild)

Bleibt es bei den aktuellen Plänen des Bundesrats, beginnt am 11. Mai an der Volksschule wieder der Präsenzunterricht. Das gilt also für Kindergarten, Primarschule und Sekundarschule.

Das Obergymnasium – ab der 3. Klasse – nimmt seinen Betrieb erst am 8. Juni wieder auf. Wie sieht es aber für die Schülerinnen und Schüler am Untergymnasium – also im 7. und 8. Schuljahr – aus? Der Bundesrat wird darüber heute entscheiden. Die Frage ist, ob das Untergymi zur Volksschule gezählt werden soll oder nicht.

Geht es nach dem Kanton Zürich, ist das Untergymnasium nicht Teil der Volksschule. Diese Schülerinnen und Schüler sollen ihr Homeoffice erst am 8. Juni verlassen, gleichzeitig mit den älteren Kolleginnen und Kollegen.

Für diese Variante sprechen laut Niklaus Schatzmann, dem Leiter des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes, mehrere Argumente. Allen voran die pandemische Situation: Wer nicht rausmuss, soll zu Hause bleiben. Das sei nach wie vor das Gebot der Stunde. «Anders als die Sekundarschüler müssten praktisch alle Untergymnasiastinnen den öffentlichen Verkehr nutzen, um zur Schule zu gelangen», sagt Schatzmann.

Das würde dem ÖV ziemlich viele Fahrgäste bescheren. Wenn man das noch etwas herauszögern könne, sollte man es tun. Auch der zweite Grund hat mit der Pandemie zu tun. Am Gymnasium würden die Schüler mit mehr unterschiedlichen Lehrkräften zusammentreffen als an der Sek. «Das beinhaltet immer auch die Gefahr von Ansteckungen.»

Fern- und Präsenzunterricht

Schatzmann macht auch pädagogische Gründe für die verzögerte Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts geltend. Die Fachlehrerinnen und Fachlehrer würden in der Regel sowohl Klassen am Unter- wie am Obergymi unterrichten. Tauchen die Jüngeren am 11. Mai wieder physisch auf, müssten die Lehrpersonen gleichzeitig Präsenz- und Fernunterricht erteilen.

Die Erfahrung zeige, dass nicht alle Schüler und Schülerinnen im Fernunterricht die gleich guten Voraussetzungen hätten. Individuell sei es nötig, einzelne Schüler intensiver zu betreuen. Erfolgen beide Unterrichtsarten parallel, wäre das laut Schatzmann schwierig.

Die Untergymnasiastinnen und Untergymnasiasten seien in aller Regel hoch motiviert. «Sie wollten an diese Schule, die leistungsfordernd ist», sagt Schatzmann. Für diese spezielle Gruppe der rund 15 Prozent Leistungsstärksten sei es einfacher möglich, noch etwas länger auf den Präsenzunterricht zu verzichten. «Einfach weil sie einen inneren Drang haben, am Ball zu bleiben.»

Es sei ihm aber bewusst, dass es gut wäre, wenn man auch am Untergymi bald wieder den Präsenzunterricht durchführen und die Klassen wieder zusammenführen könnte. Die jetzige Situation bringe auch soziale Herausforderungen mit sich. Einige der Schülerinnen und Schüler würden sich inzwischen auch sehr einsam fühlen.

Man warte nun gespannt auf den Entscheid des Bundesrates und sei bereit, auch Zwischenvarianten zu prüfen. Jede Lösung habe ihre Vorteile und ihre Nachteile. «Im Moment suchen wir unter allen Lösungen nicht die optimale, sondern die am wenigsten schlechte.»

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