2000-Watt-Areal
In diesem Zürcher Quartier werden möglichst wenig Parkplätze angeboten

Das Greencity-Quartier in Zürich-Süd ist die erste Überbauung mit einem offiziellen Zertifikat.

Lina Giusto
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Das Greencity-Quartier in Zürich Manegg verwendet zu 100 Prozent erneuerbare Energien. Visualisierung

Das Greencity-Quartier in Zürich Manegg verwendet zu 100 Prozent erneuerbare Energien. Visualisierung

Visualisierung Losinger Marazzi

Heute Nacht werden die Uhren eine Stunde zurück auf Winterzeit gedreht. Jeweils am Samstag vor der Zeitumstellung wird der Energyday zelebriert. Dieser wird von der Energieagentur-Elektrogeräte (eae) zusammen mit dem Programm Energie Schweiz des Bundesamtes für Energie (BFE) lanciert. Rund um den Anlass finden mit Firmen und Organisation diverse Aktivitäten statt, mit dem Ziel, den Stromverbrauch in den Haushalten zu senken.

Ein ganzjähriges Projekt vom BFE und dem Trägerverein Energiestadt Schweiz ist das Zertifikat 2000-Watt-Areal.

Und dieses hat die im Bau befindende Greencity-Überbauung auf dem Sihlpapier-Areal in Zürich-Süd als erstes Quartier der Schweiz erhalten. Im April 2015 fiel mit der Erteilung der Baubewilligung der Spatenstich für 740 Wohnungen, Gewerbefläche, ein Hotel, sowie ein Schulhaus auf dem acht Hektar grossen Areal.

Eine eigene S-Bahn-Haltestelle

Die Wohnflächen werden nach dem Minergiestandard erbaut, die Stromversorgung erfolgt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Heizung, Warmwasser und Kühlung in der Greencity stammen zu 41 Prozent vom Grundwasser und zu 59 Prozent von Erdwärmesonden. Ein Fünftel des Stroms wird von der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach bezogen. Die restlichen 80 Prozent werden zugekauft.

Damit ein Quartier das 2000-Watt-Areal-Zertifikat bekommt, muss neben Baustandard und Energiequelle auch die Mobilität mit dem öffentlichen Verkehr gewährleistet werden. Vor allem sollen möglichst wenig Parkplätze im Quartier zur Verfügung stehen. Kurt Egger, Leiter des Programms Energie Schweiz für Gemeinden, sagt: «Man berücksichtigt beim Zertifikat, wie viel Energie Bewohner und Angestellte mit ihrem Fortbewegungsmittel – öffentlicher Verkehr, Velo oder Auto – auf dem Arbeitsweg verbrauchen.» Und Greencity erfüllt auch diesen Aspekt mit der eigenen S-Bahn-Haltestelle Manegg und lediglich 0,7 Parkplätzen pro Wohnung.

Gegenüber der Stadt Zürich verpflichtete sich die Bauherrschaft, vertreten durch Losinger Marazzi, 30 Prozent der Fläche an Wohngenossenschaften zu verkaufen. Zur Vereinbarung gehört auch eine Maximalmiete von 2200 Franken für eine 105-Quadratmeter-Wohnung mit vier Zimmern. Insgesamt erfüllt die Überbauung rund 62 Prozent der 2000-Watt-Kriterien. 50 Prozent müssen es mindestens sein, um das Zertifikat zu erhalten. «Wir kontrollieren alle zwei Jahre, ob die Richtlinien eingehalten werden», sagt Egger. «Das erste Zertifikat wird in der Regel in der Planung eines Areals vergeben, das Zweite bei Fertigstellung.» So erhielt Greencity das erste bereits im Herbst 2012. Im vergangenen Jahr folgte dann die zweite Auszeichnung. In der Zwischenzeit haben sich noch weitere Quartiere der Stadt Zürich zertifizieren lassen. Dazu gehört das erst kürzlich fertiggestellte Zollfreilager, das geplante Sihlbogen-Quartier und das Quai-Zürich am Mythenquai. Und es gibt wohl Überbauungen, die schon fertiggestellt sind und die Richtlinien ebenfalls erfüllen: «Auch die Kalkbreite-Überbauung erfüllt höchstwahrscheinlich die 2000-Watt-Kriterien. Sie war aber schon fertiggestellt, bevor es unser Zertifikat überhaupt gab», sagt Egger. Eine Überprüfung sei erst möglich, wenn sich die Verantwortlichen bei Energie Schweiz bewerben.

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