Bundesgericht

Hundetrainerin erhält nach Kollision mit Tier kein Geld

Ein Labrador hatte eine Hundetrainerin umgerannt. Sier erlitt mehrere Frakturen und erhoffte sich nun Schadenersatz. (Symbolbild)

Nach dem Bezirksgericht Bülach und dem Zürcher Obergericht lehnt nun auch das Bundesgericht die Schadenersatzforderungen einer Hundetrainerin ab. Sie wollte 30'000 Franken von der Besitzerin eines Labrador-Mischlings.

Der Vorfall ereignete sich im April 2016 auf einem Hundesportplatz im Unterland. Eine Hundehalterin besuchte dort mit Luke, einem damals zweijährigen Labrador-Mischling, eine Trainingsstunde. Während sie sich mit der Trainerin und einer zweiten Hundehalterin unterhielt, liess sie Luke frei laufen. Das junge Tier tollte dabei lebhaft herum. Beim mutmasslichen Versuch, einen weiteren Hund zum Spielen aufzufordern, rannte der 30 bis 35 Kilogramm schwere Luke die Hundetrainerin um. Dabei erlitt sie mehrere Frakturen.

Die Geschädigte forderte danach von der Besitzerin des Labrador-Mischlings insgesamt 30 000 Franken Schadenersatz. Nach dem Bezirksgericht Bülach hat aber auch das Zürcher Obergericht die Forderung abgewiesen. Deshalb zog die Hundetrainerin das Urteil ans Bundesgericht weiter. Dieses hat am 21. Februar entschieden: «Die Beschwerde wird abgewiesen und die Gerichtskosten von 2000 Franken werden der Beschwerdeführerin auferlegt.»

In Artikel 56 Absatz 1 im Obligationenrecht heisst es: «Für den von einem Tier angerichteten Schaden haftet, wer dasselbe hält, wenn er nicht nachweist, dass er alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt in der Verwahrung und Beaufsichtigung angewendet habe, oder dass der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt eingetreten wäre.» Das Bundesgericht begründet: «Ins Gewicht fällt zunächst, dass sich der Vorfall auf einem speziell für Hunde eingerichteten Trainingsplatz ereignete, der überdies eingezäunt war.» Die Vorinstanz habe zurecht ausgeführt, dass ein Hund an einem solchen Ort anders beaufsichtigt werden muss, als im öffentlichen Raum. «Es geht daher an der Sache vorbei, wenn die Beschwerdeführerin behauptet, die Umzäunung bezwecke einzig, die Hunde am Weglaufen zu hindern und Unbefugte fernzuhalten, nicht aber, das ‹unkontrollierte Herumrennen der Hunde zu ermöglichen›.»

Im Übrigen sei – entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin – auch das bisherige Verhalten des Hundes bei der Bemessung der Sorgfaltsanforderungen zu berücksichtigen. Die Vorinstanz habe verbindlich festgestellt, dass kein früherer Vorfall bekannt ist, bei dem der Hund eine andere Person umgerannt oder verletzt hätte, sodass auch aus diesem Grund nicht besondere Vorsicht am Platz gewesen sei.

Die Trainerin warf zudem die Frage auf, wie es sich verhalten hätte, wenn sich der Zusammenstoss zwischen dem Hund und der unmittelbar daneben stehenden Kursteilnehmerin ereignet hätte. Das Bundesgericht entgegnet: «Ihre Überlegung ändert nichts daran, dass die Beschwerdegegnerin das gebotene Mass an Sorgfalt aufgewendet hat, was sich je nach Situation in der Konsequenz auch Dritte entgegenhalten lassen müssten.»(fzw)

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