Es ist gigantisch, das Werk von Hans Erni. Auf einer Grösse von zwölf mal neun Metern, aufgezogen an einer Gebäudewand an der Badenerstrasse 820 in Zürich, stadtauswärts von Schlieren, zeigt es den umweltpolitischen Beitrag des Luzerner Künstlers zum internationalen Jahr des Waldes 2011 der UNO. Eine Figur mit abschweifendem Blick und luftgefülltem Brustkasten, bekränzt mit Tannzapfen und Reisig, das ganze Bild zersetzt mit den so typischen weissen Tuschestrichen. Und mitten drin der Schriftzug «Wald ist Leben».

Das Werk stehe für die Symbiose des Menschen mit dem Wald, sagt Roland Erni, Präsident des Vereins «Interessen-Gemeinschaft für Erni Medaillen». «Es zeigt einerseits die Wichtigkeit des Waldes und steht anderseits für die massvolle, umweltschonende und nachhaltige Nutzung des Waldes.»

Kein beliebiger Standort

Dem Dietiker Roland Erni - er ist entfernt verwandt mit dem Künstler - ist es zu verdanken, dass Hans Ernis Werk an der Zürcher Stadtgrenze zu sehen ist. «Der Standort wurde nicht zufällig gewählt, sondern ist eine Anspielung auf das Wandbild ‹Die Schweiz, das Ferienland der Völker›, auch bekannt als ‹Landibild›, das er 1939 für die Landesausstellung in Zürich entworfen hat», sagt Roland Erni. Das Wandbild mit einer Grösse von neunzig auf fünf Meter hatte den damals 30-jährigen Künstler schlagartig in der Schweizer Öffentlichkeit berühmt gemacht.

Roland Erni ist von Hans Ernis Plakat begeistert: «Man muss sich vorstellen, dass dies ein 102-jähriger Künstler gemalt hat; das ist absolut erstaunlich.» Und es sei ein unverkennbares Erni-Bild: «Er probiert natürliche Gegenstände wie beispielsweise einen Tannzapfen in abgewandelter Form abstrakt darzustellen. Die weissen Striche stehen für die Geometrie, die sich durch die meisten seiner Bilder durchzieht.»

Mit Hilfe von Medaillen

Finanziell getragen wird das Projekt «Mega-Poster» durch den Erlös der neuen Hans-Erni-Medaille «Wald ist Leben», die im September erscheinen wird. «Ausserdem sollen mit dem Erlös aus dem Medaillenverkauf Waldprojekte gesponsert werden», sagt Roland Erni. Diese Medaille stelle eine absolute Neuheit auf dem Gebiet der Münzenkunde dar; noch nie habe ein 102-jähriger Künstler das Gips-Relief für eine Medaille selber geschaffen.

Das Riesenplakat wird noch bis mindestens Ende September an der Fassade an der Badenerstrasse hängen bleiben, möglicherweise sogar bis Ende Dezember. Was danach mit dem Poster passiert, ist noch nicht klar. «Das Landesmuseum in Zürich hat bereits Interesse angemeldet», sagt Roland Erni.
Ab Mitte September wird das Plakat ausserdem an 14 Schweizer Bahnhöfen zu sehen sein.