Schauspielhaus
Gebt dem Chicken Macbeth beim Schauspielhaus eine Chance!

Das Schauspielhaus wehrt sich gegen den Einzug von McDonald’s ins Restaurant im gleichen Gebäude. Das Schauspielhaus sollte deswegen nicht Jammern, sondern zu jedem Ticket einen Gutschein für eine Portion Pommes frites abgeben.

Michael Rüegg
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McDonald's will beim Schauspielhaus seine Menüs servieren, den Schauspielhausverantwortlichen ist es nicht recht geheuer.

McDonald's will beim Schauspielhaus seine Menüs servieren, den Schauspielhausverantwortlichen ist es nicht recht geheuer.

Keystone

Das ehrwürdige Zürcher Schauspielhaus war einst ein muffiges Provinztheater. Bis Nazi-Deutschland seine Künstler vertrieb und ein paar der grossen Namen in Zürich Zuflucht fanden. Seither hat es einige grosse Momente gefeiert, aber es kämpfte auch mit Krisen.

2002 entliess der Verwaltungsrat um Elmar Ledergerber den gefeierten Intendanten Christoph Marthaler, was dieser selber aus den Medien vernehmen musste. Ein Sturm der Entrüstung ging daraufhin durch die Reihen der Kulturschaffenden . 2006 mussten Vorstellungen abgesagt werden, weil die damalige künstlerische Leitung unter Matthias Hartmann die Ansprüche des technischen Personals mit Füssen trat – woraufhin die Mitarbeiter den Streik ausriefen.

Angesichts dieser Probleme wirkt die aktuelle Episode geradezu lächerlich: Das Schauspielhaus sieht eine Gefahr in der geplanten McDonald’s-Filiale im gleichen Haus. Fastfood, so die Theatersprecherin, biete dem Publikum keine adäquate kulinarische Heimat.

Mit anderen Worten: Wer bei McDonald’s isst, hat im Schauspielhaus nichts verloren. Ob man die trockenen Hacktätschli im matschigen Brötli mag oder nicht, jedes Theater dieser Welt wäre so froh, es hätte pro Tag so viele Besucher wie eine durchschnittliche Filiale des Fastfood-Giganten.

Da probiert die Theaterleitung immer wieder, junge Leute in die Nähe der Bühne zu locken. Doch wenn sich der Lockstoff schlechthin einnisten will, geht das Gekreische los. Dann sammelt das Theater Unterschriften, weil es befürchtet, ein paar Beutelchen Ketchup würden die Würde der Hochkultur besudeln.

Nein, das Schauspielhaus sollte nicht Jammern, sondern zu jedem Ticket einen Gutschein für eine Portion Pommes frites abgeben. Oder umgekehrt; mit jedem Happy Meal bekommt man 10 Prozent Rabatt auf eine Kindervorstellung. Der Protest jedoch, der wirkt billig und arrogant. Diese Vorstellung hat das Publikum nicht verdient.

Zu Shakespeares Zeiten war man weniger verkrampft. Als die Dramatik so richtig aufblühte, war Theater in etwa das, was heute ein Fussballspiel ist: gute Unterhaltung für die breite Masse.

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