Der Rahmen des Zurich Film Festivals war passend gewählt für die gestrige Lancierung einer kantonalen Volksinitiative zur Filmförderung. Im Festivalzentrum auf dem Sechseläutenplatz stellte die Lobbyorganisation Zürich für den Film ihr Anliegen vor. «Für zwei Drittel der audiovisuellen Medienprodukte in der Schweiz sind Zürcher Autoren, Vertreiber oder Produzenten verantwortlich», sagte Simon Hesse, Filmproduzent und Co-Präsident von Zürich für den Film. Auch bei der Game-Entwicklung habe Zürich die Nase vorn. Deswegen sei es nun am Kanton, diesen Vorsprung zu fördern, damit Zürich den Anschluss nicht verliere. Man wolle aber keineswegs Oper oder Schauspielhaus konkurrenzieren, sondern eine Gleichstellung erreichen.

Filmstiftung ausbauen

Konkrete Beträge fordern die Initianten noch nicht. «Wir reden heute nicht übers Geld», sagte Andrew Katumba, Co-Präsident von Zürich für den Film und SP-Kantonsrat. Im Textentwurf für ein neues Film- und Medienförderungsgesetz steht, dass die Zürcher Filmstiftung zur Film- und Medienstiftung ausgebaut werde und vom Kantonsrat einen jährlichen Kostenbeitrag im Rahmen des Budgets erhalten soll.

Das wäre eine Abkehr vom Entscheid, den der Kantonsrat im Juli gefällt hat. Bis 2021 wird die Kulturförderung nicht mehr zur Hälfte aus der Staatskasse, sondern komplett aus dem Lotteriefonds gezahlt. So kämpfe der Film mit dem Sport und dem Zoo um denselben Geldtopf, sagte Doris Fiala, FDP-Nationalrätin und Mitglied im Initiativkomitee. «Damit wird dessen Bedeutung geringgeschätzt.» Fiala betonte mit einem Augenzwinkern, dass sie durch ihr Engagement für die Initiative das Bemühen um die Kultur nicht den Linken überlassen wolle. Ihre Partei äussere sich offiziell aber erst, wenn die Initiative zustande gekommen sei.

Nachwuchsprojekte fördern

Dass staatliche Mittel zur Filmförderung auch aus freisinniger Sicht legitim seien, begründet Fiala damit, dass der Film zur Identitätsbildung einer Willensnation beitrage. Zudem sei es tragisch, dass junge Professionelle nach der Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ins Ausland gehen, weil sie in der Schweiz keine Finanzierung für ihre Projekte fänden. Radikale Nachwuchsprojekte müssten staatlich gefördert werden wie etwa «Chrieg» vom jungen Regisseur Simon Jaquemet oder «Parvaneh», der Kurzfilm der ZHdK-Absolventin Talkhon Hamzavis, der 2015 für einen Oscar nominiert war.

Für etablierte Filmproduzenten sei die Planungssicherheit das A und O, sagte Peter Reichenbach, Produzent von «Der Goalie bin ig» und «Schellen-Ursli»: «Keine Firma investiert ohne langfristige Sicherheit.» Zudem dürfe der Film als Wirtschaftsfaktor nicht unterschätzt werden.

Mit ähnlichen Problemen kämpft die Game-Branche, sagte Reto Senn, Direktor der Swiss Game Developers Association, die die Initiative unterstützt. Zwar sei etwa das Disney Research Lab nach Zürich gezogen, und Zürcher Entwickler seien oben in internationalen Game-Charts anzutreffen. Aber zu lange Produktionszeiten und mangelndes Promotionsbudget hielten die Fortschritte im Zaum, so Senn weiter.

Sechs Monate haben die Initianten Zeit, 6000 Unterschriften zu sammeln. Katumba ist optimistisch: «Wir rechnen mit dem Doppelten.»