Eine ökologische Welle hat Zürich überrollt. Die Grünen gewinnen 22 Sitze, die Grünliberalen deren 23. Zudem gewinnt Martin Neukom für die Grünen einen Sitz in der Regierung und fügt damit dem Freisinn eine historische Niederlage zu. Die FDP stellt mit Carmen Walker Späh nur noch eine Regierungsrätin. Die vier wichtigsten Erkenntnisse aus den Zürcher Wahlen:

  1. Die Grüne Welle ist nicht zu stoppen
    Der Wahlbarometer der SRG gab im Februar einen ersten Hinweis darauf, die Zürcher Wahlen haben den Trend der ökologischen Wende nun bestätigt: Parteien mit "Grün" im Namen sind derzeit nicht zu bremsen. Die neue Klimabewegung wird sich in Zürich in den nächsten vier Jahren direkt auf die Politik auswirken. 18 Sitze haben Grüne und Grünliberale gemeinsam zugelegt. Das ist eine bemerkenswerte Sitzverschiebung zugunsten der ökologischen Kräfte. Auch im Regierungsrat schlägt sich die grüne Welle nieder. Der 32-jährige Martin Neukom wird in die Regierung gewählt. Darauf hätte im Vorfeld niemand gewettet. Seine Wahl zeigt auch, wie gut das linke Bündnis SP-Grüne-AL in der Regierungsratswahl funktioniert hat. Dasselbe lässt sich vom bürgerlichen Ticket SVP-FDP-CVP nicht sagen.
  2. Die SVP hat ihren Zenit überschritten
    Zugegeben: Die Fallhöhe der SVP war besonders gross, denn sie hat bei den Zürcher Wahlen 2015 30 Prozent erreicht – ein absoluter Spitzenwert. Dennoch muss der Sünneli-Partei der Verlust von neun Sitzen, respektive 5.5 Prozentpunkten zu denken geben. Sie bleibt zwar weitaus die stärkste Partei, doch sie erzielte das schlechteste Ergebnis seit 20 Jahren. Die SVP startete ihre Erfolgsgeschichte in den Neunzigerjahren von Zürich aus. Nun sieht es so aus, als habe die Partei ihren Zenit überschritten. In dieses Bild passt, dass Natalie Rickli, national bekannt als einst bestgewählte Nationalrätin der Schweiz, um ihre Wahl in die Zürcher Regierung zittern musste. Newcomer Neukom schnitt besser ab als die SVP-Politikerin.
  3. Gössis Klimawende bleibt wirkungslos
    Etwas muss man der FDP-Chefin Petra Gössi lassen: Sie hat bemerkt, dass ihre Partei ein Problem mit ihrer Klimapolitik hat, allerdings zu spät. Aufgeschreckt durch die Wahlkämpfe in Zürich, Luzern und Baselland machte Gössi eine spektakuläre Kehrtwende. Im Februar kündigte sie eine grünere Politik an und zeigte sich beim CO2-Gesetz kompromissbereit. Noch fehlt aber der Tatbeweis für diese Klimawende. Deshalb gehört die Partei auch zu den Verlierern bei den Zürcher Wahlen.
  4. Die BDP verliert weiter an Boden
    Erst kürzlich feierte die BDP ihre zehnjähriges Bestehen. Doch die Partei hat in ihrem Jubiläumsjahr nicht viel zu feiern. Am Sonntag erlitt die Partei von alt-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf eine weitere empfindliche Niederlage: Sie fliegt aus dem Zürcher Kantonsrat. Das gleiche Schicksal ereilte sie bereits in den Kantonen St. Gallen und Freiburg.