Bahnhof Stettbach
Erneute Verzögerung: Samsung Hall wird wohl nicht rechtzeitig fertig

Ob beim Bahnhof Stettbach Mitte Dezember das erste Konzert über die Bühne gehen kann, ist fraglich.

Malte Aeberli
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Die Zeit ist knapp: Die Bauarbeiter leisten Überstunden auf der Baustelle, damit das erste Konzert am 14. Dezember doch stattfinden kann. Christian Merz

Die Zeit ist knapp: Die Bauarbeiter leisten Überstunden auf der Baustelle, damit das erste Konzert am 14. Dezember doch stattfinden kann. Christian Merz

Auf der Baustelle beim Bahnhof Stettbach in Dübendorf sieht noch nichts so aus, als würde dort schon in fünf Wochen ein Konzert stattfinden. An der Aussenwand wird noch Dämmungsmaterial angebracht. Überall hängen Kabel aus der Decke. Nackte Wände, viel Beton, Wasserlachen und Abdeckmaterialien prägen das Bild. Es wird im Akkord gehämmert, gebohrt und geschraubt. Die Bauarbeiter leisten Überstunden.

Architekten und Bauleiter treffen sich im benachbarten Restaurant zu Krisensitzungen. Allesamt wirken sie gestresst. Es ist ordentlich Druck da. Denn am 14. Dezember soll der italienische Pianist und Komponist Ludovico Einaudi in der Samsung Hall,
der «modernsten Eventhalle der Schweiz», auftreten. 3000 Tickets wurden abgesetzt, die Halle ist ausverkauft.

«Die modernste Eventhalle der Schweiz»

So etwas wie die Samsung Hall habe Zürich noch gefehlt, sagt Michael Frey, zukünftiger Leiter der Halle. Die Maag-Halle biete Platz für rund 3000 Zuschauer; das Hallenstadion für rund 13 000. «Dazwischen gab es bis jetzt noch nichts.» Das Gebäude wird in drei Bereiche unterteilt: Den «Club» für Konzerte oder Versammlungen mit bis zu 800 Besuchern. Das «Loft» für Kongresse, Workshops und Firmenanlässe für bis zu 600 Teilnehmer. Der Raum ist unterteilbar. Die grosse Terrasse ins Grüne kann dazugemietet werden. Das Herzstück der Samsung Hall ist die «Hall» selber: Sie bietet Platz für über 5000 Zuschauer, verfügt über eine dreifach teilbare Videoleinwand, eine elektronisch verstellbare Teleskoptribüne, hallschluckenden Panels an der Wand, Lautsprecher wie am Frauenfeld-Open-Air und eine hydraulisch verstell- und sechsfach teilbare Bühne. zo

Zwischen der Strasse und dem Haupteingang klafft noch ein grosses Loch. Fenster und Türen sind noch nicht eingebaut. Wenn man die Bauarbeiter fragt, ob der 39-Millionen-Franken-Bau bis zum Konzert fertig werde, müssen viele lachen. «Das wird verdammt eng», sagt einer. Ein anderer ergänzt mit der Bemerkung, es werde sehr, sehr knapp.

Bewilligung steht noch aus

Für Michael Frey, der die Samsung Hall im Auftrag der Betreibergesellschaft Riverside von Hansueli Lehmann managen wird, ist der Zustand der Baustelle kein Grund zur Beunruhigung: «Im Dezember wird sicher noch nicht das ganze Gebäude fertig sein. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir Foyer, Halle und Toiletten bis Mitte Dezember fertigstellen können und das Konzert stattfinden wird. »Dafür brauchen die Betreiber wohl entsprechende Bewilligungen der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) und der Stadt Dübendorf. Letztere will sich aktuell nicht zum laufenden Verfahren äussern und verweist auf die feuerpolizeilichen Richtlinien, die erfüllt sein müssten.

Lars Mülli, Leiter der Brandschutzabteilung der GVZ sagt: «Ein Teilbezug eines nicht in allen Teilen fertiggestellten Gebäude ist grundsätzlich möglich.» Die Feuerpolizei und die Stadt würden in einem solchen Fall «kompensatorische Massnahmen» verfügen: So müsste zum Beispiel der Rauchabzug manuell bedient werden und Personal in den Räumen patrouillieren, das von Hand Feueralarm auslöst.

«Die Sicherheit der Besucher eines Gebäudes steht immer im Vordergrund», sagt Mülli. Sobald es ein Sicherheitskonzept für eine Teilbezugsbewilligung gebe, überprüfe die Feuerpolizei das Sicherheitsdispositiv vor Ort. «Wenn die feuerpolizeilichen Anforderungen nicht erfüllt werden, kann die Bezugsbewilligung durch die Brandschutzbehörde nicht erteilt werden», sagt Mülli.

Sowohl Mülli als auch der Dübendorfer Hochbauvorstand Dominic Müller (CVP) betonen, dass die rechtzeitige Eröffnung nicht an der Stadt scheitern solle. «Je nach Qualität des Konzepts und des Baus kann die Bewilligung auch innerhalb einer Woche erteilt werden. Das kommt auf den Einzelfall an», sagt Mülli, und Müller betont: «Wir bieten innerhalb des gesetzlichen Rahmens Hand, damit die Halle möglichst rechtzeitig eröffnet werden kann.»

Frey erklärt die Verzögerung des ambitionierten Zeitplans mit einer Verkettung unglücklicher Umstände: Bereits beim Aushub im letzten Sommer verspätete sich der Bau um drei bis vier Wochen. Beim Aushub ist man auf ein Fundament eines früheren Gebäudes gestossen. Man habe es damals wohl einfach zugeschüttet. «Wir mussten zuerst abklären, ob noch Altlasten darin versteckt waren, bevor wir es abtragen konnten», sagt Frey.

«Das sind die drei, vier Wochen, die uns jetzt fehlen, um ohne Stress fertig zu werden. Baulich schaffen wir es. Die Frage ist, ob wir die Anforderungen der Feuerpolizei rechtzeitig erfüllen können und die Bewilligung vor dem Konzert erhalten.» Im Notfall müsste man das Konzert von Einaudi absagen. «Diese Entscheidung fällt in den nächsten Wochen», sagt Frey. Obwohl der Bau voraussichtlich nicht zum geplanten Zeitpunkt fertig wird, habe der Betreiber bereits viele Anfragen von Veranstaltern und Firmen. «Wir haben schon fast 50 Prozent der Auslastung erreicht», sagt Frey. Genauere Zahlen und Namen will er nicht nennen.

ICF ist nicht erfreut

Klar ist, dass die Freikirche International Christian Fellowship (ICF) einige Räume sowie die Konzerthalle an 52 Sonntagen für die nächsten fünf Jahre mieten wird. «Für uns ist die ICF ein Glücksfall», sagt Frey. Die Verantwortlichen des ICF sind nicht gerade begeistert, dass sie nicht wie erwartet auf Anfang Januar einziehen können. «Wir können das als Mieter nicht beeinflussen», sagt Nicolas Legler, Pressesprecher des ICF, und ergänzt: «Die Eröffnung der Halle ist am 27. Januar geplant, und wir gehen fest davon aus, dass wir am Sonntag, 29. Januar, unsere erste Celebration in unserem neuen Zuhause feiern können.» Daran gibt es für den Hallenmanager Michael Frey keinen Zweifel. «Einzig für das Konzert im Dezember könnte es knapp werden.»

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