Die Stadt Zürich unterstützt als erste Schweizer Stadtverwaltung das Informationsportal «Trans welcome», das sich an Transmenschen und Arbeitgebende richtet. Lanciert wurde die Plattform im März von der Organisation Transgender Network Switzerland. Die Zürcher Stadtverwaltung will mit ihrem Engagement Transmenschen im Berufsalltag unterstützen, ein Bewusstsein für ein transfreundliches Arbeitsumfeld entwickeln und die Voraussetzungen für erfolgreiche Coming-out-Prozesse schaffen.

«In der Schweiz leben schätzungsweise 40'000 bis 80'000 Transmenschen. Man würde also erwarten, dass nur schon in der Verwaltung der Stadt Zürich rund 200 Transmenschen angestellt sind», sagt Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich.

Beruflich benachteiligt

Städtische Mitarbeitende stünden in ihren verschiedenen Funktionen in den Bereichen Bildung, Entsorgung, Freizeit, Gesundheit, Kultur, Sozialwesen, Steuern, Sport sowie Landschaftspflege oder Verkehr stark in der Öffentlichkeit. «Deshalb gibt es städtische Mitarbeitende, die Transgender sind und sich entweder nur teilweise oder gar nicht outen, weil sie negative Konsequenzen befürchten», so Derungs weiter.

Wie eine 2014 und 2018 durchgeführte Umfrage der Transgender-Network-Switzerland-Organisation zeigt, besteht ein Aufklärungsbedürfnis in der Gesellschaft. Rund ein Fünftel der Transmenschen im erwerbsfähigen Alter sind laut den Ergebnissen arbeitslos. Die Quote übersteigt damit den landesweiten Durchschnitt um das Fünffache.

16 Prozent der befragten Unternehmen wollen keine Transmenschen beschäftigen, weil sie Schwierigkeiten in der internen Kommunikation wie auch Komplikationen mit Kundinnen und Kunden befürchten. Mehr als ein Drittel der Befragten, die arbeitslos sind, erhielten die Kündigung aufgrund ihres Trans-Daseins. Im Schnitt beträgt die Dauer der Arbeitslosigkeit eines Transmenschen 20,2 Monate und liegt damit nur knapp unter der Aussteuerungsgrenze, die bei 24 Monaten liegt.

Unterstützung durch Grossfirmen

Hinzu kommt bei den Befragten eine grosse Unsicherheit bezüglich des Coming-out-Prozesses am Arbeitsplatz und der noch grösstenteils fehlenden Unterstützung durch Vorgesetzte und Personalverantwortliche. Aus all diesen Gründen hat Transgender Network Switzerland Mitte März das Informationsportal «Trans welcome» lanciert. Die Resonanz auf das Beratungsangebot ist laut Stefanie Hetjens, Co-Präsidentin von Transgender Network Switzerland, positiv: «Mit der Plattform haben wir die Möglichkeit für einen Dialog geschaffen.» Und dieser zeigt bereits seine Wirkung: «Bislang wollten viele Arbeitgeber zum Thema keine Stellung beziehen. Das ändert sich nun schrittweise», so Hetjens weiter.

Seit der Lancierung unterstützen neben der Stadtverwaltung auch Grossfirmen wie die Post, die Swisscom oder die SBB sowie öffentliche Institutionen wie die ETH das Engagement. In nur einem Monat haben sich damit über 80 Firmen bereit erklärt, «Trans welcome» zu unterstützen. «Aktuell beraten wir gerade die Post im Umgang mit Transmenschen am Arbeitsplatz. Voraussichtlich im Sommer starten wir mit einer Beratung der Stadtverwaltung von Zürich», sagt Hetjens. Dass das Thema ernst genommen werde und die Firmen mit ihrem Engagement signalisieren, dass Transmenschen willkommen sind, sei erfreulich.

Aufklärung erwünscht

Der Umgang mit Transmenschen am Arbeitsplatz scheint einen gesellschaftlichen Nerv zu treffen. Seit 2013 setzt sich die Fachstelle für Gleichstellung explizit für gleiche Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Intersex- und Transmenschen in allen Lebensbereichen ein. So klärt Derungs mit ihren Mitarbeitenden Transmenschen über ihre Rechte auf, beantwortet Fragen von Teammitgliedern und informiert Vorgesetzte über ihre Pflichten. Sie nennt auch interne und externe Anlaufstellen für weiterführende Beratungen.

Die Fachstelle hat im vergangenen Jahr insgesamt 556 Anfragen (2016: 486 Anfragen) zu Gleichstellungsthemen bearbeitet. Seit einigen Jahren steigen laut Derungs die Anfragen von Transmenschen, Vorgesetzten und Personalverantwortlichen, die sich zum Outing am Arbeitsplatz beraten lassen möchten: «Dabei geht es oft um Fragen der Anrede, Namensänderung, der Nutzung von Toiletten oder Umkleidekabinen wie auch den Umgang mit den Behörden», sagt Derungs.

Mit dem Bekenntnis der Zürcher Stadtverwaltung zum respektvollen Miteinander mit Transmenschen am Arbeitsplatz wolle man auch betroffene Mitarbeitende darin bestärken, dass sie in der Stadtverwaltung willkommen sind. Zugleich aber gehe es auch um den Wissensaufbau innerhalb der Stadtverwaltung und der Gesellschaft. «Bei Transmenschen entspricht die Geschlechtsidentität nicht dem ihnen bei der Geburt zugeordneten Geschlecht», sagt Derungs. So habe Transidentität auch nichts mit Sexualität oder sexueller Orientierung zu tun. Die eigene Geschlechtsidentität sei ein existenzielles inneres Bewusstsein, das sich weder wünschen noch aufschieben lässt, fasst Derungs zusammen.