Pro Üetliberg
Elektroparty im Uto Kulm sorgt für rote Köpfe bei Naturschützern: «Solche Anlässe sind zu verbieten»

Pro Üetliberg fordert ein Bewilligungsstopp für Partys – auch wird Kritik an der neuen Fahrtenpraxis laut.

Alex Rudolf
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An der Technoparty im Uto Kulm sei auch der Aussenraum bespielt worden – dies sei nicht vereinbar mit den Naturschutzzielen.

An der Technoparty im Uto Kulm sei auch der Aussenraum bespielt worden – dies sei nicht vereinbar mit den Naturschutzzielen.

zvg

Der Üetliberg werde zum «Place to be» aller Liebhaber elektronischer Musik, kündigten die Betreiber des Uto Kulm im Vorfeld einer Veranstaltung von Ende Mai an. Der Anlass trug den Namen «Overground Daytime Party» und sorgt im Nachhinein für rote Köpfe. Denn der Verein Pro Üetliberg gelangte gestern mit einem Schreiben an den Stalliker Gemeinderat, der die Party bewilligt hatte. Darin heisst es, dass sich – entgegen der erteilten Bewilligung – die Technoparty nicht nur auf die Innenräume beschränkte: «Neben dem Eingang von der Terrasse ins Gebäude war ein Lautsprecher an der Wand befestigt, der diese ‹bespielte›», schreibt der Anwalt des Vereins und beruft sich dabei auf Augen- und Ohrenzeugen.

Im Schreiben des Vereins an die Gemeinde Stallikon – es liegt dieser Zeitung vor – wird darauf verwiesen, dass der Uto Kulm in einem Gebiet des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler liegt. «Die Inventarziele können durch Lärm gefährdet werden. Eine derartige Belastung des Naturschutzgebietes und der nachtaktiven Tiere ist nicht hinzunehmen. Solche Anlässe sind daher zu verbieten, bis der Gestaltungsplan eine klare Rechtsgrundlage bietet», schreibt Pro Üetliberg. Dieser Gestaltungsplan wurde Anfang Jahr vom Regierungsrat festgesetzt, der Naturschutzverein rekurrierte dagegen.

Für die Naturschützer steht fest: «Es geht nicht an, dass die Schutzinteressen ständig dem Profitstreben der Betreiberfirma geopfert werden.» Bis auf weiteres sollen daher keine Bewilligungen für derartige Veranstaltungen erteilt werden, fordert der Verein. Für die Missachtung der Polizeibewilligung soll zudem eine angemessene Busse erteilt werden. Der Stalliker Gemeindeschreiber Roberto Brunelli bestätigt zwar den Eingang des Schreibens, könne zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch keine weiteführenden Angaben machen.

Benjamin Styger, Mediensprecher des Uto Kulms, sagt auf Anfrage, dass für diesen Anlass strenge Auflagen galten. «An diese haben wir uns gehalten und wir wurden auch während des Anlasses kontrolliert. Zu Lärmklagen kam es nicht», sagt er. So sei es nicht der Fall, dass der Aussenbereich bespielt worden sei, wie es der Verein Pro Üetliberg moniert. Die Party war beliebt: Rund 1000 Personen kamen zum Feiern auf den Berg. Ob noch weitere Auflagen solcher Elektroparties geplant sind, ist laut Styger noch offen.

«Konstruktive Zusammenarbeit? Gerne. Nur gäbe es dazu vonseiten des Hotels zuvor noch allerlei Hausaufgaben zu erledigen.»

Vorstand Verein Pro Üetliberg

Auch Fahrtenpraxis in der Kritik

Auch in einem anderen Bereich scheint eine Übereinkunft der beiden Parteien in weite Ferne gerückt. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass Giusep Fry, Betreiber des Uto Kulms, mithelfen will, den Verkehr auf dem Zürcher Hausberg einzudämmen. So müssen Inhaber einer Ausnahmebewilligung der Gemeinde Uitikon neu auch über die Erlaubnis zur Anfahrt des Uto Kulm verfügen. Dies wurde auf Wunsch von Fry so eingeführt. Der Verein Pro Üetliberg hielt sich zu dieser Massnahme anfänglich bedeckt und wollte weder eine positive noch eine negative Wertung dazu abgeben.

In einer Stellungnahme von gestern findet der Verein nun aber klare Worte zur neuen Handhabung des Bewilligungssystems. Selbstverständlich begrüsse der Verein zwar jede Bemühung der Beteiligten, den zunehmenden Verkehr zum und vom Üetliberg zu reduzieren und in einem verträglichen Mass zu regeln. «Tatsache ist, dass ohne den jahrelangen Kampf des Vereins wohl gar nichts passiert wäre», lässt sich der sechsköpfige Vorstand zitieren. Doch gebe es noch einige ungeklärte Aspekte. «Es stellt sich sofort die Frage, wer den diese geheimnissvollen Leute im Hotel sind, welche die Bewilligungen überprüfen. Erst recht wäre es interessant zu wissen, in welchen Fällen eine Ausnahmebewilligung vonseiten des Hotels abgesegnet wird und wie und wie viele», so der Verein.

Dass es Fry nicht ernst meine mit einer Reduktion des Verkehrs, sei am Beispiel Shuttle-Bus ersichtlich. «Sehr oft werden Leute transportiert, die nicht gehbehindert sind. Dass dies gegen die Vorschrift verstösst, kümmert niemanden vom Hotel», so der Vereinsvorstand. Gegenüber «Lokalinfo.ch» äusserte sich Fry im Mai zu diesem Thema und verwies darauf, dass das Hotel hier in einer Zwickmühle stecke. Melde eine gehbehinderte Person einen Shuttle-Transport an, der bestellte Fahrer sehe auf den ersten Blick jedoch keine Beeinträchtigung, werde es knifflig. Man setze alles daran, die Fahrten in Grenzen zu halten, so Fry, doch sei man auch auf die Selbstverantwortung der Gäste angewiesen.

Abzwackung sei Augenwischerei

Weiter kritisiert der Verein in der Stellungnahme die Aussage des Uitiker Sicherheitsvorstands Patrik Wolf (FDP), dessen Einsatz für die Videoüberwachung der Autofahrer jedoch grundsätzlich lobend erwähnt wird. Doch, dass illegale Fahrten vom Kontingent des Uto Kulm abgezwackt würden, sei Augenwischerei. «Die Gesamtzahl von Fahrten zum Uto Kulm kann vorläufig gar nicht richtig ermittelt werden.» Zudem stellt der Verein in Abrede, dass er und Fry die gleichen Interessen bezüglich Eindämmung des Verkehrs hätten. So wolle Fry möglichst unkomplizierte Bewilligungen für Anlässe auf dem Berg, während es die Naturschützer stossend finden, wenn dazu etliche Lastwagenfahrten und Personentransfers durch die geschützte Naturlandschaft notwendig werden.

Uto-Kulm-Sprecher Benjamin Styger verwies im Artikel vom vergangenen Samstag zudem darauf, dass der Verein wohl seiner Identität beraubt würde, wenn er konstruktiv mit den Hotelbetreibern zusammenarbeiten würde. «Konstruktive Zusammenarbeit? Gerne», heisst es in der Stellungnahme. Nur gäbe es dazu vonseiten des Hotels zuvor noch allerlei Hausaufgaben zu erledigen. «Es wäre wunderbar, wenn sich der Verein Pro Üetliberg eines Tages auflösen könnte, weil die Bedürfnisse des Naturschutzes gesiegt hätten. Dafür würde sich der Verein gerne seiner Identität berauben lassen.»

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