Wie viele der Gründer, die Sie beraten, sind Frauen?

Max Meister: Leider sehr wenige, ich schätze 10 Prozent. Oft fehlen Selbstvertrauen und unterstützende Rahmenbedingungen.

Was muss sich ändern?

Wichtig ist, dass man Familie und Firmengründung verbinden kann. Frauen sind im Schnitt risikoaverser als Männer, auch weil sie die Dinge objektiver anschauen. Sie gehen grundsätzlich souverän und weitblickend mit einer Gründung um. Wenn man die Erfolgsfaktoren eines Start-ups aber zu genau analysiert, unternimmt man am Ende nichts, weil die Wahrscheinlichkeit zu überleben statistisch sehr klein ist. In solchen Momenten sollten der Staat oder ein Investorennetz zur Seite stehen, damit diese Frauen die Gründung trotzdem wagen.

Erkennen Sie in den Business-Ideen Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Tendenziell haben Männer immer noch eher technische Ideen, aber Frauen wagen sich heute genauso an technische Ideen heran. Künftig wird das sehr ausgeglichen sein.

Tadah ist aus einem persönlichen Bedürfnis entstanden. Ist das bei den meisten Business-Ideen so?

Es gibt zwei Arten von Gründungen: Die einen suchen eine Idee, um etwas zu gründen, die anderen stossen auf ein Problem und denken dann an eine Gründung. Wenn man ein Problem erkennt und es eine gewisse Verbreitung hat, ist das oft sehr erfolgversprechend.

Was sind die häufigsten Fehler von Start-up-Gründerinnen und -Gründern?

Erst einmal, dass sie den Markt zu optimistisch einschätzen. Ein verbreiteter Fehler ist zudem, eine Idee im stillen Kämmerlein zu entwickeln, statt damit herauszugehen und Feedbacks einzuholen. Einige haben die Finanzen nicht im Griff und merken das erst, wenn das Geld ausgeht. Und dann gibt es die Situation, dass sich ein Team verkracht und das Start-up darum scheitert.

Wie lange muss man sich Zeit geben, bis man weiss, dass eine Idee nicht funktioniert?

In Israel und den USA gibt mansich zwei bis drei Jahre Zeit und geht bei Erfolglosigkeit zur nächsten Idee über. In der Schweiz versucht man es normalerweise zu lange. Oft ist man zu früh am Markt, muss noch viel in die Bekanntheit investieren, und das dauert. Es ist wichtig, sich ein Enddatum zu setzen, damit man nicht ewig versucht, es doch noch hinzubekommen.

Welche erfolgreichen Start-ups haben Sie beraten?

Da gibt es einige. Sehr gut unterwegs ist etwa die Firma Struckd. Sie hat eine Möglichkeit geschaffen, selber einfach Games zu bauen. Auch erfolgreich ist Carhelper, eine Vergleichsplattform für Autoreparaturen. Oder Idun, eine Firma, die leitfähige Elektroden für die Biopotenzialüberwachung entwickelt und produziert. Idun wurde übrigens von einer Frau mitgegründet.